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Der Norden Weltweiter Kohleausstieg: Wird Bäderbahn Molli bald nicht mehr dampfen?
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Kühlungsborn: Bäderbahn Dampflok Molli und der weltweite Kohleausstieg

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20:50 13.01.2022
Am frühen Morgen fährt der Molli noch mit Licht, wie hier in Kühlungsborn Ost.
Am frühen Morgen fährt der Molli noch mit Licht, wie hier in Kühlungsborn Ost. Quelle: Jana Hobe
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Kühlungsborn

Lockdown, 3G-Regel im Nahverkehr, tödlicher Unfall am Bahnübergang Steilküste: Die Mecklenburgische Bäderbahn Molli hat im vergangenen Jahr viele Herausforderungen stemmen und einen schlimmen Unfall verarbeiten müssen. Die Pandemie bestimmt auch weiterhin die Pläne der Bäderbahn, die vor allem auf den Tourismus angewiesen ist. Molli-Chef Michael Mißlitz schaut sogar schon in die ferne Zukunft. Die Entscheidung beim Weltklimagipfel im November den Kohleausstieg weltweit voranzutreiben, hat Auswirkungen auf die Traditionsbahn.

425 000 Fahrgäste hat die Mecklenburgische Bäderbahn Molli im vergangenen Jahr befördert. Zwar seien es 15 000 Fahrgäste mehr als 2020, jedoch immer noch 19 Prozent weniger als vor der Coronapandemie macht Molli-Geschäftsführer Mißlitz deutlich. Der touristische Lockdown in den ersten Monaten des vergangenen Jahres, die 3G-Regel im Nahverkehr sowie die Nutzung des Homeoffice hätten Auswirkungen auf die Zahlen gehabt. „Es fehlen uns weiterhin die Kreuzfahrer und die Busfahrten.“ Allerdings: Für den Fahrgastausfall greife der Rettungsschirm des Bundes.

Vor Oster fährt Molli wieder im Stundentakt

„Solange wir noch rechtliche Einschränkungen haben, werden wir nicht zu den alten Stärken vor der Pandemie zurückkehren können“, sagt Michael Mißlitz. Denn auch bei der Vermietung der Ferienobjekte in den Bahnhöfen fehlten im vergangenen Jahr Einnahmen. Die Gastronomie, das Restaurant Gleis 2 und das Museumscafé, hätten unter dem Lockdown Anfang 2021 gelitten. „Wir haben 40 Prozent der Mitarbeiter in der Gastronomie verloren“, sagt Mißlitz.

Dennoch guckt der Molli-Chef optimistisch in die Zukunft. Zumindest im Verkehr zeichne sich in diesem Jahr keine Einschränkung ab, sodass vor Ostern wieder im Stundentakt gefahren werden könne. „Wir hoffen, dass wir ein Bahnhofsfest machen können und Sonderzugveranstaltungen“, sagt Mißlitz. „Wir werden im April die Entscheidung für den Hochsommer treffen, weil wir dann in die Vermarktung der Veranstaltungen müssen“, so der Geschäftsführer. Dann werde auch entschieden, ob das „Schweineschnäuzchen“, ein Schienenbus der Borkumer Kleinbahn, zu Besuch kommt.

Schienenersatzverkehr im Herbst

Investiert wird 2022 auf jeden Fall. Unter anderem in den Anbau der Wagenhalle in Bad Doberan, damit alle Fahrzeuge unter einem Dach stehen. „Im Herbst wird es einen Schwellenwechsel in Heiligendamm geben. Da werden wir 14 Tage im Schienenersatzverkehr zwischen Heiligendamm und Bad Doberan fahren müssen“, sagt Mißlitz. Ab 1. November soll ein Kundezentrum am Bahnhof Kühlungsborn-West gebaut werden – dort wo sich jetzt der Fahrkartenschalter befindet.

Am Bahnübergang Steilküste, wo im September der tödliche Unfall passierte, als der Fahrer eines Wohnwagens auf die Gleise fuhr und vom Molli erfasst wurde, werde sich baulich vorerst nichts ändern. „Der Übergang entspricht mit den Verkehren, die da jetzt drauf sind, den technischen Standards“, so Mißlitz. Im vergangenen Jahr war der Oberbau des Bahnübergangs saniert worden.

Dampflokbetrieb soll bleiben – doch wie ohne Kohle?

Die Mecklenburgische Bäderbahn Molli dampft seit 111 Jahren zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan, noch länger zwischen Heiligendamm und Bad Doberan. Mit Steinkohle wird die Dampflok befeuert. Doch mit der Diskussion um einen weltweiten Kohleausstieg muss sich auch die Bäderbahn jetzt schon damit beschäftigen, wie die Lok dann betrieben werden könnte.

Die UN-Klimakonferenz in Glasgow hatte im November die Staaten der Welt erstmals dazu aufgefordert, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten. Steinkohle wird in Deutschland seit 2018 nicht mehr abgebaut.

Die Molli-Lok wird mit Steinkohle betrieben. Quelle: Anja Levien

Was passiert mit der Bäderbahn, wenn es keine Kohle mehr gibt? „Wir sind an einem Strategiekonzept dran, das diese Frage beinhaltet“, sagt Michael Mißlitz. Zu diesem solle es Ende Januar auf der Gesellschafterversammlung einen Grundsatzbeschluss geben. „Das Land und die Gesellschafter sind sich einig, dass wir einen Dampflokbetrieb haben werden und wollen.“ Mit welchem Brennstoff diese dann betrieben werde, diese Frage müsse in den nächsten Jahren geklärt werden.

„Wir werden noch viele Jahre mit Steinkohle fahren“, sagt der Molli-Chef. Allerdings hätten sich die Kohlepreise um 35 Prozent erhöht. Hinzukomme die CO2 -Verpreisung. Die Frage sei daher auch wie lange importierte Steinkohle noch wirtschaftlich vertretbar sei. „Diesen wirtschaftlichen Druck müssen wir uns stellen.“ Michael Mißlitz schätzt, dass es 15 Jahre brauchen wird, um einen anderen Energieträger für den Betrieb einer Dampflok zu finden.

Von Anja Levien