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Der Norden Zu wenig Lehrer: Schulleiter schlagen Unterrichtskürzung vor
Nachrichten Der Norden Zu wenig Lehrer: Schulleiter schlagen Unterrichtskürzung vor
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10:11 05.08.2019
Leere Stühle, keine Lehrer: Der Schulleitungsverband rät aufgrund des Lehrermangels von vornherein zu Unterrichtskürzungen. Quelle: dpa
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Hannover

Bildungsverbände warnen vor einem sich weiter verschärfenden Lehrermangel vor allem an Ober-, Haupt- und Realschulen. Bundesweit werden im nächsten Schuljahr nach Schätzungen des Deutschen Lehrerverbandes rund 15.000 Stellen nicht besetzt werden können. Das sind rund 5000 mehr als im Vorjahr. In Niedersachsen sind derzeit 1670 von rund 1900 ausgeschriebenen Stellen besetzt – aber hier verschärft sich die Lage ab Sommer 2020 noch einmal deutlich.

Sonderproblem: Rückkehr zu G9 an den Gymnasien

Dann müssen die Gymnasiallehrer, die zwischenzeitlich an Ober- oder Realschulen abgeordnet sind, wieder zurück an ihre Stammschulen. Denn dann wird an den Gymnasien erstmals wieder das Abitur nach 13 Jahren abgelegt, dort werden 1250 zusätzliche Pädagogen gebraucht. In diesem Sommer hat der letzte G8-Jahrgang die Schule beendet – im nächsten Sommer werden nur an einigen wenigen Gymnasien Abiturprüfungen abgelegt.

Ist weniger Unterricht die Lösung?

Frank Stöber, Vorsitzender des Schulleitungsverbandes Niedersachsen, fordert angesichts der Misere „kreative Lösungen“ für die Sekundarstufe-I-Schulen. So könnten die Stundentafeln zeitlich befristet gekürzt werden. Gekappt werden dürften aber nicht nur Nebenfächer wie Sport, Musik und Kunst. Die seien für Kinder zum Ausgleich sehr wichtig. Gekürzt werden müsste auch bei sogenannten Langfächern wie Mathematik, Deutsch und Englisch, die oft vier Stunden pro Woche unterrichtet werden. „Es ist ehrlicher, den Unterricht von vornherein zu kürzen, als wenn die Stunden am Ende dann doch ausfallen müssen, weil die Lehrer fehlen“, sagt Stöber.

Laura Pooth, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), verweist darauf, dass viele Schulen schon jetzt die Pflichtstunden gar nicht erteilen könnten, weil ihnen die Lehrer fehlten. Philologenchef Horst Audritz jedoch warnt vor „prophylaktischem Unterrichtsausfall“. „Über kurz oder lang werden dann wieder die Klagen über die schlecht ausgebildeten Schüler laut werden.“ An den Gymnasien könne ohnehin kein Unterricht mehr gekürzt werden.

Schulen auf dem Land besonders unbeliebt

Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte rechnet schon für das neue Schuljahr, das in zwei Wochen startet, mit großen Lücken bei der Lehrerversorgung. „Es kommen auch keine Nachwuchskräfte nach.“ Vermutlich werde es zu Stundenausfällen kommen, etwa in Fächern wie Geschichte, Politik und Erdkunde, zudem müsste vielerorts das Ganztagsangebot reduziert werden. Besonders dramatisch sei die Situation für Schulen auf dem Land, kritisiert Neumann, aber solange das Kultusministerium nicht steuernd eingreife, ändere sich daran nichts.

Kultusministerium: Alles läuft normal

Nach Angaben des Kultusministeriums läuft das Einstellungsverfahren für das nächste Schuljahr auf Hochtouren. Derzeit „besteht weder Anlass zur Sorge noch zu Euphorie“. „Die Priorität des Kultusministeriums liegt auf einem maximalen Engagement für eine gute Unterrichtsversorgung.“ Auch für das Schuljahr 2020/2021 werde man vorausschauend und intensiv planen, um eine vernünftige Unterrichtsversorgung an allen Schulen zu erreichen, verspricht der Sprecher.

Sollen Lehrer freiwillig mehr arbeiten?

Genau das habe das Land in den vergangenen Jahren „verschnarcht“, kritisiert GEW-Chefin Pooth. Um den Lehrermangel zu bekämpfen, könnte man Lehrer freiwillig Überstunden machen lassen, schlagen die Bildungsverbände vor. Dann müsse aber auch sichergestellt sein, dass das Arbeitszeitkonto vertraglich abgesichert sei und den Lehrern die Überstunden in Zeit verzinst würden, sagt Pooth. Auch Teilzeitkräfte könnten freiwillig eine Stunde mehr arbeiten, meinen die Lehrerverbände. Stöber plädiert dafür, für Ganztagsangebote, Hausaufgabenbetreuung und Übungsstunden verstärkt pädagogische Mitarbeiter anstatt Lehrer einzusetzen.

Nach Ansicht von Wolfgang Schimpf, Vorsitzender der Niedersächsischen Direktorenvereinigung, ist der Lehrermangel größtenteils auch „hausgemacht“. Die Politiker hätten Entscheidungen getroffen, wie die Rückkehr zu G 9 oder die Inklusion, ohne die personalintensiven Folgen zu bedenken. Die Zusatzbedarfe vor allem an den Grundschulen seien dadurch enorm gestiegen. In die Schulen seien immer mehr Aufgaben verlagert worden.

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