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Der Norden Deutscher Wetterdienst bestätigt Hitzerekord – Experten zweifeln
Nachrichten Der Norden Deutscher Wetterdienst bestätigt Hitzerekord – Experten zweifeln
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16:40 26.07.2019
Lingen: An der Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden bis zu 42,6 Grad Celsius gemessen. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Lingen/Offenbach

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat den neuen deutschen Hitzerekord von 42,6 Grad im emsländischen Lingen bestätigt. Der am Donnerstag gemessene Wert sei korrekt, sagte ein Sprecher am Freitag. Damit sind die Temperaturen erstmals seit Beginn der schriftlichen Aufzeichnungen in Deutschland über 42 Grad gestiegen. Angesichts der Höhe der gemessenen Temperatur äußerten Experten aber auch Zweifel, ob dieser Wert einer Überprüfung standhalte.

Bereits am Donnerstag hatte der Meteorologe Jörg Kachelmann per Twitter Zweifel geäußert. „Der Standort ist so, dass der DWD umziehen möchte, weil er nicht mehr den Anforderungen genügt“, schrieb der Wetterexperte.

Wert nicht „ganz plausibel“

Auch Lucas Reimann, Meteorologe an der Universität Bonn, hält den Lingener Wert nicht für „ganz plausibel“. Die Lingener Station liege in einer von Bäumen umgebenen Senke, was dazu führe, dass die Luft nur wenig zirkulieren könne. „Dadurch kann sich die Hitze stauen, was dazu führt, dass Werte gemessen werden, die nicht realistisch sind“, sagte Reimann.

Andererseits werde der Deutsche Wetterdienst seine Gründe haben, die Werte anzuerkennen. „Die Glaubwürdigkeit leidet darunter nicht. Es sind sehr gute Leute, die da arbeiten, und die können das richtig einschätzen“, sagte der Doktorand. Wenn aus der Sicht des DWD die lokalen Effekte zu vernachlässigen seien, werde es dafür wissenschaftliche Gründe geben.

Standort wird verlagert

Die Lingener Messstation werde nach Möglichkeit schon im nächsten Jahr einen neuen Standort bekommen, sagte Bodo Schreier vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg, wo die regionale Messnetzgruppe betreut wird. Der Standort in Lingen solle verlagert werden, weil er nicht ideal sei für Wettermessungen. Dabei gehe es aber nicht um die Temperatur-, sondern eher um die Windmessung.

An den gemessenen Temperaturen zweifele er auf keinen Fall: Die Werte seien in zwei Metern Höhe ermittelt worden, in einer Hütte, alles nach Norm. Die Geräte seien kalibriert. Es stünden zwar Bäume um die Messstation herum. „Aber ich denke, für unsere Verhältnisse ist es so durchlüftet, dass man diese Temperaturen auch nehmen kann“, argumentierte Schreier.

In der Umgebung war es kälter

Auffällig sei aber, dass benachbarte Messstationen allesamt Temperaturen unterhalb von 40 Grad Celsius gemessen haben, sagte Reimann. In der Nachbarstadt Meppen waren es beispielsweise 39,2 Grad, in der niederländischen Nachbarregion Twente waren es 39,5 und in Alfhausen bei Osnabrück 38,5 Grad. „Da kommen mir die 42,6 Grad in Lingen doch einigermaßen hoch vor.“

Den Lingener Oberbürgermeister Dieter Krone stören diese Streitigkeiten nicht. Der Rekord sei publikumswirksam, aber auch schweißtreibend, sagte er. In der Notaufnahme des Krankenhauses habe es am Vortag keine Auffälligkeiten gegeben, es sei ein ganz normaler Tag gewesen. „Die Lingener haben sich drauf eingestellt, schonen sich ein wenig, trinken viel, halten sich an schattigen Plätzen auf und essen mal ein Eis mehr“, schilderte das Stadtoberhaupt.

Von Elmar Stephan

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