Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Der Norden Listerien-Keime in Niedersachsen: Das müssen Verbraucher wissen
Nachrichten Der Norden Listerien-Keime in Niedersachsen: Das müssen Verbraucher wissen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:36 10.10.2019
Listerien unter dem Mikroskop. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Die mit Keimen belasteten Produkte der hessischen Wurst-Firma Wilke sind auch nach Niedersachsen gelangt. Drei Personen im Bundesland sind durch die Bakterien erkrankt, zwei Menschen starben. Was wir bisher wissen – und was nicht.

Wie viele Einrichtungen sind betroffen?

Betroffen sei ganz Niedersachsen mit der gesamten Lebensmittelkette von Supermärkten über Kliniken, Kioske und Zwischenhändler, teilte das Landwirtschaftsministerium am Mittwoch in Hannover mit.

„Ohne gezählt zu haben, schätzen wir, dass es an die 1000 Betriebe sind“, sagt die Sprecherin des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) Silke Klotzhuber bereits am Dienstag. Darunter befinden sich den Angaben zufolge Groß- und Einzelhandelsunternehmen, an die die Produkte zum Weiterverkauf geliefert wurden, zahlreiche Kantinen, die die Waren verarbeitet oder auch Kioske, die sie ihren Kunden angeboten haben. Die Waren seien auch an Kliniken, Pflegeheime oder Cateringfirmen gegangen.

Alle Landkreise in Niedersachsen seien seit dem vergangenen Mittwoch dabei, die Rückrufe betroffener Produkte zu bearbeiten, sagte Klotzhuber. Einige Landkreise wie die Grafschaft Bentheim haben bereits Krisenstäbe bei den Veterinärämtern gebildet.

Lesen Sie mehr:
Wilke-Wurst auch an Ikea geliefert

Sind schon alle Waren aus dem Handel verschwunden?

Das ist noch nicht klar. Ein Großteil der Wilke-Waren dürfte aber inzwischen in Deutschland aus dem Verkehr gezogen sein. Nachdem der Fall vor einer Woche bekannt wurde, nahmen viele Unternehmen die Produkte aus den Regalen. Großhändler haben reagiert und ihre Kunden informiert. Auch die Namen der Fremdmarken mit Wilke-Fleisch sind seit Montag bekannt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hält es aber für wahrscheinlich, dass noch Wilke-Produkte in Umlauf sind.

Mit Hochdruck werden sämtliche der womöglich mit Listerien-Keimen belasteten Wurstwaren aus dem Handel, der Gastronomie und dem Zwischenhandel geholt und beseitigt, betonte die Vizepräsidentin des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Niedersachsen, Barbara Woltmann. „Alle Waren von Wilke sollen zurückgeholt werden.“

Welche Produkte sind betroffen?

Betroffene Marken und Handelsmarken sind (sofern diese das Identitätskennzeichen „DE EV 203 EG“ tragen):

  • Haus am Eichfeld
  • Metro Chef
  • Service Bund „Servisa“
  • Casa
  • Pickosta
  • Sander Gourmet
  • Rohloff Manufaktur
  • Schnittpunkt
  • Korbach
  • Aro
  • Findt
  • Domino
  • Wilke

Betroffene Produkte können im Einzelhandel zurückgegeben werden. An der Wursttheke oder in Kantinenessen sind Wilke-Produkt nicht zu erkennen, hier müssen sich Verbraucher auf den Betreiber verlassen. Kunden sollten im Zweifel gezielt nachfragen.

Lesen Sie mehr: Wilke: Rückrufliste mit mehr als 1000 Produkten veröffentlicht

Was ist über die Infizierten in Niedersachsen bekannt?

In Niedersachsen sind bislang drei Fälle registriert worden, in denen Menschen an dem Bakterien-Typ erkrankten, der in den Produkten der Firma gefunden wurde. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes waren die Erkrankten zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben – einer an einer anderen Erkrankung, bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war. Inzwischen ist bekannt, dass ein Todesopfer aus dem Landkreis Peine kommt. Der Mann starb nur vier Tage nach der Infektion.

Zwei der Fälle seien im Mai 2019 registriert worden, ein Fall stamme aus dem vergangenen Jahr. Bereits zu Anfang dieses Jahres soll es allerdings erste Hinweise auf den hessischen Betrieb gegeben haben.

Wie gefährlich sind Listerien?

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen, die Listerien aufnehmen, erkranken an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Menschen wie Patienten mit chronischen Erkrankungen und Schwangere.

Welche Folgen hat der Skandal für die Firma Wilke?

Die Firma Wilke im hessischen Twistetal-Berndorf ist inzwischen geschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Geschäftsführer des Wurstherstellers Wilke ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet.

Von RND/dpa/ewo/mbb

In Lengede (Landkreis Peine) hat sich ein 85-Jähriger mit Listerien infiziert – jetzt starb der Senior nur vier Tage nach Ausbruch der Infektion. Ob ein Zusammenhang mit dem Skandal um die Wilke-Wurstwaren besteht, ist unklar.

10.10.2019

Über Jahre entsorgten Wehrmacht und britische Armee chemische Kampfstoffe im Dethlinger Teich bei Munster. Was genau dort liegt? Senfgas, Arsen womöglich scharfe Granaten – die Experten rechnen mit Überraschungen. Wie die vielleicht größte Waffenhalde Europas untersucht wird, und warum das nur bei Westwind möglich ist.

10.10.2019

Gebäudereiniger kämpfen deutschlandweit mit Warnstreiks für bessere Arbeitsbedingungen. Am Donnerstag legen sie bei VW in Wolfsburg ihre Arbeit nieder.

10.10.2019