Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Der Norden „Lüttje Lage“: Ich mag mein Finanzamt
Nachrichten Der Norden „Lüttje Lage“: Ich mag mein Finanzamt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 09.06.2019
Bert Strebe Quelle: HAZ

Haben Sie das gelesen? Die Mitarbeiter der Finanzämter konnten mehrere Tage wegen einer Störung ihres hauseigenen IT-Systems nicht richtig arbeiten. Das tat mir leid.

Ich mag mein Finanzamt. Wenn ich in einer Steuerfrage nicht weiter weiß, rufe ich an und frage. Nicht zu fassen, wie glücklich man Finanzbeamten machen kann, wenn man sie um Rat fragt. Das sind sie nicht gewohnt. Sie sind es gewohnt, wie Wegelagerer behandelt zu werden.

Seit zwei, drei Tagen erwäge ich, wieder mal anzurufen. Es geht um die nicht ganz unerhebliche Steuerfrage einer nicht ganz unerheblichen Rückzahlung. Ich hatte meine Einkommensteuererklärung früh fertig dieses Jahr, auf dem Bildschirm prangte eine nette Summe in Grün. Das war im März. Jetzt haben wir Juni. Der Urlaub droht.

Ich erinnere mich noch düster an vergangenes Jahr, da glomm auf dem Monitor ein hässlicher roter Betrag. Ich seufzte und klickte auf „An das Finanzamt übermitteln“. Um drei Tage später zu merken, dass ich wegen einer Störung meines körpereigenen IT-Systems einen Fehler gemacht hatte und gar nichts mehr nachzahlen musste. Also schickte ich eine neue Steuererklärung hinterher und extra noch eine E-Mail.

Nach 14 Tagen kam eine Mahnung samt Säumniszuschlag. Ich telefonierte mit dem Finanzbeamten meines Vertrauens. Kein Problem, sagte er. Nach weiteren 14 Tagen lag eine Ankündigung der Vollstreckung im Briefkasten. Ich rief an. Mein Finanzbeamter versprach, sich zu kümmern.

Der Steuerbescheid kam. Sah gut aus. Bis auf: „Bitte zahlen Sie sofort fällige Säumniszuschläge.“ Ich will nicht kleinkariert erscheinen, es ging um 12,50 Euro. Aber immerhin. Fünfmal Eis essen, das ist in Zeiten des Klimawandels nicht ohne.

Ich rief an. Der Finanzbeamte sagte, ich solle einen Einspruch schicken. Ein bisschen klang er so, als wäre ich der Wegelagerer. Ich schickte. Es kam eine Ablehnung des Einspruchs. Säumniszuschläge seien unverzüglich zu entrichten.

Es ist am Ende alles gut ausgegangen. Doch ich musste wieder dran denken dieser Tage, und aus irgendeinem Grund fragte ich mich, ob ich dem Finanzamt wegen der seit mehr als acht Wochen fälligen Rückzahlung nicht vielleicht eine Mahnung mit Säumniszuschlag schicken sollte.

Aber ich rufe vielleicht doch lieber an. Es ist wichtig, dass die Menschen miteinander reden.

Von Bert Strebe

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Unbekannte haben auf einer Bahnstrecke in Bremen eine Betonplatte und Steine auf die Gleise gelegt. Ein Personenzug fuhr trotz Vollbremsung über die Hindernisse. Die Bundespolizei hat spielende Kinder in Verdacht.

06.06.2019

Eine Auseinandersetzung zwischen zwei sich trennenden Eheleuten ist in Groß Ippener aus dem Ruder gelaufen: Gleich mehrere Angehörige gingen unter anderem mit Schlaggegenständen und Pfefferspray aufeinander los. Acht von ihnen mussten anschließend in Krankenhäuser behandelt werden, darunter ein neunjähriges Mädchen.

06.06.2019
Der Norden Gegen Fremdenhass oder Sexismus - Diese App hilft, Stammtischparolen zu kontern

Manchmal ist es schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn der Gegenüber sich abfällig über Ausländer, Homosexuelle oder einfach nur „Andere“ äußert – in Zukunft soll eine App gegen Stammtischparolen die Sprachlosigkeit nehmen – spielerisch und immer zur Hand.

06.06.2019