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Der Norden Neue Messwerte: Stickstoffdioxid-Belastung in Hannover zu hoch
Nachrichten Der Norden Neue Messwerte: Stickstoffdioxid-Belastung in Hannover zu hoch
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16:05 14.06.2019
Noch immer werden in Hannover die Grenzwerte überschritten. Hier eine Messstation zur lufthygienischen Überwachung in Linden-Süd. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Hannover

In Hannover und Oldenburg ist die Belastung der Luft mit Stickoxiden weiterhin hoch. Das geht aus den Messwerten für Januar bis Mai dieses Jahres hervor, teilte das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt in Hildesheim mit. An der Göttinger Straße in Hannover wurde im Mai ein Mittelwert von 77 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Auch die anderen großen Städte in Niedersachsen haben hohe Werte.

Allerdings handelt es sich dabei um einen Sammelwert für alle Stickoxide. Entscheidend ist der Stickstoffdioxid-Wert. In der Göttinger Straße wurden in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Schnitt 41 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft gemessen, der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. Im vergangenen Jahr lag an der Messstation der Jahresmittelwert bei 42 Mikrogramm. Der höchste Mittelwert in den ersten fünf Monaten wurde mit 44 Mikrogramm an der Station Friedrich-Ebert-Straße gemessen. Im vergangenen Jahr hatte dort der Mittelwert noch bei 47 Mikrogramm gelegen.

Land Niedersachsen berechnet Werte neu

Derzeit läuft beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg eine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen Hannover. Insgesamt hat die Umwelthilfe gegen mehr als zwei Dutzend Kommunen mit zu hoher Luftverschmutzung Klagen angestrengt, in Niedersachsen ist außer Hannover auch Oldenburg betroffen. Termine zur Verhandlung der Klagen gebe es aber noch nicht, teilte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg mit. Es sei nicht absehbar, wie das Gericht entscheide, meint Hannovers Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette.

Das Land sei derzeit dabei, die Werte neu zu berechnen, sagt Tegtmeyer-Dette. Diese Ergebnisse würden nun abgewartet. Beim Thema Fahrverbote verweist die Umweltdezernentin auf das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, das für Fahrverbote enge Grenzen gesetzt habe. „Wenn durch die Neuberechnung des Landes die Werte deutlich näher an den Grenzwert herankommen, wird man hier keine Verhältnismäßigkeit für Fahrverbote ableiten können“, sagte Tegtmeyer-Dette.

Zusätzliche Messstellen direkt an Wohnhäusern

Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) bezeichnet den Rückgang der Stickstoffdioxidbelastung als „sehr erfreulich“. Er sei zuversichtlich „dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird, denn die Fahrzeuge werden sauberer“, erläuterte der Minister.

Das Ministerium erläuterte am Freitag, dass die Hannover-Werte anders bewertet werden müssten, weil sie direkt an der Straße gemessen werden. Daher würden in der Landeshauptstadt weitere Messstellen an Häuserfronten eingerichtet, dort sei die Schadstoffkonzentration deutlich geringer. Die zusätzlichen Werte seien nötig, weil sich die Menschen meist in oder an den Wohnungen aufhielten und nicht an den Fahrbahnen.

In Oldenburg etwa werde der Grenzwert zwar neben der Fahrbahn überschritten, nicht aber auf Höhe der Wohnungen, die in der betroffenen Einkaufsstraße im ersten Obergeschoss liegen. Umweltschützer kritisierten den Vorstoß von Lies als Schönrechnerei. In Oldenburg betrifft die Abgasproblematik einen einzigen Messpunkt. Dort soll die Vielzahl vorbeifahrender Busse für den Ausschlag verantwortlich ist.

Hannover überschreitet Grenzwert seit Jahren

Als Hauptverursacher der hohen Stickstoffdioxid-Werte gilt der Fahrzeugverkehr, und hierbei insbesondere die Dieselmotoren. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge in Hannover steigt seit Jahren an, auf aktuell rund 250.000 Kraftfahrzeuge (einschließlich Motorräder). Laut einer Studie der Stadt liegt der Anteil der Dieselautos in Hannover bei rund 15 Prozent. Bei den Pendlern aus dem Umland und benachbarten Landkreisen ist der Anteil der Wagen mit Dieselantrieb deutlich höher.

Was ist mit Feinstaub?

Hannover überschreitet beim Stickstoffdioxid den zulässigen Grenzwert seit Jahren. Keine Probleme hat die Stadt mit der Feinstaubkonzentration, die Werte liegen dort deutlich unterhalb der Grenze. Für Mediziner liegt in der Feinstaubkonzentration aber das wahre Gesundheitsproblem und weniger beim Stickstoffdioxid. „Man kann am Feinstaub sterben“, hatte Hannovers renommierter Herzchirurg Prof. Axel Haverich gesagt. Feinstaub verschließe die Gefäße und könne Schlaganfälle und Herzinfarkte verursachen.

Die Stadt arbeitet nach Angaben von Sprecher Dennis Dix seit Jahren mit einem Luftreinhalteplan an der Senkung der Schadstoffwerte. Dazu gehöre neben der Umweltzone auch die Einrichtung von Tempo-30-Zonen, Temporeduzierungen wie zum Beispiel auf 40 Kilometer pro Stunde auf der Göttinger Straße, ein besserer Verkehrsfluss durch optimierte Ampelschaltungen, der Ausbau des Verkehrs mit Bussen und Bahnen sowie des Radverkehrs. Dix verweist zudem auf die Förderung der Elektromobilität und die geplante Optimierung des Lieferverkehrs in der City.

Mehr zum Thema: Sind Fahrverbote in Hannover vom Tisch?

Zu hohe Werte auch in Osnabrück

Im vergangenen Jahr hatte es auch in Osnabrück eine Überschreitung der Grenzwerte gegeben. Dort hat sich die Situation inzwischen geringfügig verbessert, so dass die Grenzwerte zwar erreicht, aber nicht überschritten wurden. In Hildesheim hat sich die Luftqualität inzwischen so weit verbessert, dass es in den ersten fünf Monaten des Jahres keine Überschreitungen mehr gab.

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Alle vier Städte und darüber hinaus weitere Kommunen mit recht dicker Luft bemühen sich schon seit längerem, die Schadstoffbelastung zu senken. Hannover möchte die Stadtbusflotte komplett auf Elektroantrieb umstellen, die ersten E-Busse sind schon unterwegs. Oldenburg setzt auf die Anschaffung moderner Erdgasbusse. Osnabrück und Hildesheim wollen den innerstädtischen Verkehr besser organisieren, damit sich künftig weniger Abgase in den Straßen aufstauen.

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Von RND/dpa/mak

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