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Der Norden Masern in Niedersachsen: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Nachrichten Der Norden Masern in Niedersachsen: Die wichtigsten Fragen und Antworten
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00:18 21.03.2019
Symbolbild. Quelle: action press
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Hannover

Die Maserngefahr in Niedersachsen ist noch immer nicht gebannt. 27 Fälle allein im Raum Hildesheim seit Anfang des Jahres meldete das Gesundheitsamt des Landkreises am Montag. Eine solche Häufung hat es nach Angaben des Landesgesundheitsamts in Niedersachsen lange nicht gegeben..

Welche Regionen außer Hildesheim sind betroffen?

Zu den Erkrankten im Zusammenhang mit den Fällen in Hildesheim zählen auch zwei Betroffene, die in den Landkreisen Hameln beziehungsweise Holzminden wohnen und einen direkten Bezug nach Hildesheim haben.  Auch in Hannover hat es einen Fall gegeben. Die weiteren Erkrankungen in Niedersachsen betreffen jeweils einen Fall im Landkreis Cuxhaven, in Lüchow, in Lüneburg und in Peine, vier Masernkranke wohnen im Landkreis Harburg. Aufschluss darüber, ob ein Ausschlag und Begleitsymptome wie Husten, Fieber und Appetitlosigkeit tatsächlich durch Masernviren hervorgerufen wurden, gibt im Zweifelsfall eine Laboruntersuchung.

Warum dürfen Schulen Ungeimpfte vom Unterricht ausschließen?

Um die Ausbreitung übertragbarer Krankheiten zu verhindern, dürfen die Schulträger Kindern und Lehrern ohne ausreichenden Impfschutz vorübergehend verbieten, die Schule zu betreten. Das ist in Paragraf 28 des Infektionsschutzgesetzes geregelt. „Schülerinnen und Schüler, die nach Anweisungen des Gesundheitsamtes die Schule vorläufig nicht betreten dürfen, bekommen die Möglichkeit, zu Hause den Unterrichtsstoff zu bearbeiten“, sagt ein Sprecher von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Bei der Anmeldung ihrer Kinder an einer Kindertagesstätte müssen Eltern seit Inkrafttreten des Präventionsgesetzes Mitte 2015 bundesweit einen Nachweis über eine Impfberatung vorlegen. Zur Impfung verpflichtet werden sie aber nicht.

Wie ist die ungewöhnlich starke Ausbreitung der Masern zu erklären?

Seit 1970 werden in Deutschland Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren routinemäßig gegen Masern geimpft, die Krankheit schien hierzulande dauerhaft auf dem Rückzug zu sein. Womöglich hat das dazu geführt, dass viele Eltern inzwischen die Gefahr einer Ansteckung unterschätzen und ihren Kindern die kurzzeitig unangenehme Pikserei und eventuelle Unpässlichkeiten nach der Impfung ersparen wollen. „Man erinnert sich nicht mehr an die Opfer von Masernepidemien“, sagt Professor Matthias Stoll, Infektologe an der Medizinischen Hochschule Hannover, der eine wachsende Impfmüdigkeit beobachtet. Häufig werde die zweite Impfung vergessen, die im Abstand von mindestens vier Wochen nach der ersten zur Immunisierung erforderlich ist. Zuletzt sank die Impfquote gegen Masern in Niedersachsen nach Angaben des Sozialministeriums auf nur noch 93,3 Prozent; angestrebt werden mindestens 95 Prozent.

Ist das Risiko einer Impfung möglicherweise höher als das einer Ansteckung?

Mediziner weisen darauf hin, dass Masern nicht selten zu Hirnhautentzündungen mit dauerhaften geistigen Einschränkungen führen und sogar tödlich enden können. Sie raten insbesondere von sogenannten Masernpartys ab, bei denen Eltern ihre Kinder bewusst dem Risiko einer Ansteckung aussetzen. „Impfung rettet Leben“, sagt Ärztekammer-Vorstandsmitglied Thomas Buck, Kinderarzt in Hannover. Im Internet kursieren unterdessen längst widerlegte, teilweise sogar gefälschte Studien über angebliche immense Impfrisiken, wie die von Andrew Wakefield, die bis heute als „alternative Wahrheit“ verbreitet werden. Leichte Nebenwirkungen der Impfung, wie Fieber oder Hautflecken, können allerdings kurzzeitig auftreten. Je weniger Geimpfte es gibt, desto größer wird aber die Gefahr einer – schwerwiegenderen –Ansteckung. Das Landesgesundheitsamt hebt die gesellschaftliche Verantwortung der Einzelnen hervor. Eine höhere Impfquote erhöhe auch die Sicherheit jener, die sich nicht impfen lassen dürfen, etwa Menschen mit einer Immunschwäche und Schwangere.

Wegen der Masernwelle in Hildesheim hat das Gesundheitsamt am Montag an zwei weiteren Schulen der Stadt den Impfstatus von Schülern überprüft. 20 Mädchen und Jungen konnten dabei keinen ausreichenden Impfschutz nachweisen. „Sie müssen dies beim Gesundheitsamt nachholen“, sagte eine Sprecherin des Landkreises.

Können Schüler keinen Impfschutz oder keine Immunität dokumentieren, droht ihnen ein Schulbetretungsverbot bis zum 1. April. Jeweils ein Jahrgang der Waldorfschule und der St.-Augustinus-Oberschule sollte am Montag einen Impfpass vorlegen, weil dort am vorigen Freitag über je einen erkrankten Schüler informiert worden war.

Drei Schüler wiesen am Montag nur eine Impfung nach, wie der Landkreis weiter mitteilte. „Die zweite Impfung ist aber wichtig für einen sicheren und kompletten Schutz“, sagte die Sprecherin. Insgesamt 71 Schüler beider Jahrgänge seien ausreichend geschützt.

Bereits zuvor hatten zwei weitere Schulen im Landkreis mit Masernerkrankungen zu tun. Rund 60 Schüler der Oskar-Schindler-Gesamtschule dürfen wegen einer fehlenden Impfung noch bis Ende der Woche nicht am Unterricht teilnehmen. Ende Februar war das Gymnasium Andreanum mit einer erkrankten Schülerin betroffen.

Müssen Erwachsene die Impfung im Lauf des Lebens noch mal auffrischen?

Die zweifache Impfung mit im Kleinkindalter soll lebenslang vor einer Ansteckung schützen, Gleiches gilt für eine überstandene Masernerkrankung. Die Impfungen enthalten lebende abgeschwächte Viren, die im Körper eine natürliche Infektion nachahmen. Viele Erwachsene haben ihren Impfpass verlegt oder verloren und wissen auch nicht, ob sie als Kind Masern hatten. Das Landesgesundheitsamt empfiehlt in solchen Fällen eine Blutuntersuchung mit „Titer“-Bestimmung. Antikörper im Blut geben dabei Aufschluss über den persönlichen Schutz. „Bei Unsicherheit sollte zusätzlich das individuelle Gespräch mit dem Hausarzt gesucht werden“, sagt Sprecher Holger Scharlach. Bei Erwachsenen kann die Krankheit besonders problematisch verlaufen.

Wie sieht es mit Impfungen gegen Röteln, Windpocken und andere „Kinderkrankheiten“ aus?

Zur Masernverhütung wird in der Regel ein Mehrfachimpfstoff eingesetzt, der zusätzlich gegen Mumps und Röteln schützt und der gleich im Anschluss mit einer Injektion gegen Windpocken kombiniert wird. Die anderen Kinderkrankheiten sind zwar in der Regel mit weniger Komplikationen verbunden als Masern. Insbesondere Röteln können aber, wenn Schwangere sich infizieren, zu schweren Fehlbildungen beim Baby und zu Fehlgeburten führen. Auch die besonders ansteckenden Windpocken bedrohen das Leben von Ungeborenen. Wirksame Medikamente gegen all diese Krankheiten gibt es bisher nicht.

Welche Impfungen werden außerdem empfohlen?

Für Empfehlungen ist in Deutschland die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin zuständig. Daran orientieren sich auch das Landesgesundheitsamt und die niedersächsische Ärztekammer sowie die Krankenkassen – Letztere übernehmen dann die Kosten komplett. Der Internetauftritt des RKI bietet Hilfe unter anderem in Form eines Impfkalenders. Die Kommission aktualisiert stetig auch die Impfempfehlungen für Erwachsene. Sie weist beispielsweise die derzeitigen Risikogebiete für die Übertragung des FSME-Virus durch Zecken aus, in denen zu einer Impfung geraten wird. Als jüngster Rat kam die Empfehlung für Menschen ab 60 Jahre hinzu, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen. Die Gürtelrose wird durch Erreger ausgelöst, die nach einer Erkrankung an Windpocken lebenslang im Körper schlummern und nochmals zuschlagen. Das Ansteckungsrisiko bei einer Gürtelrose ist aber deutlich geringer.

Masern: Krankheitsverlauf

Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten. Sie können schon durch einen kurzen Kontakt oder Einatmen übertragen werden – Sprechen, Husten, Niesen setzt die Erreger frei.

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen einer Infektionskrankheit liegt zwischen sechs und 21 Tagen. Bereits drei bis fünf Tage nach der Ansteckung ist die Krankheit ansteckend.

In dieser Zeit treten auch die ersten Symptome auf: Krankheitsgefühl, Appetitverlust, Husten, Schnupfen und Fieber.

Nach weiteren drei bis fünf Tagen tritt der charakteristische Ausschlag auf. Unmittelbar davor ist die Ansteckungsgefahr am größten.

Der Ausschlag bleibt etwa vier bis sieben Tage bestehen, es dauert aber mindestens sechs Wochen, bis der Körper sich vollständig erholt hat.

Eine Masernerkrankung hinterlässt lebenslange Immunität.

Die Gefahr einer Masernerkrankung besteht darin, dass die Viren schwere Lungenentzündungen, Hirn- oder Hirnhautentzündungen hervorrufen können. Daraus können dauerhafte Lähmungen, Sprechstörungen und andere gefährliche Defekte entstehen.

Zwei Impfungen im Kleinkindalter führen zur lebenslangen Immunität. Die erste Impfung sollte im Alter zwischen elf und 14 Monaten erfolgen, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten.

Von Gabriele Schulte

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