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Der Norden War das Mathe-Abi wirklich zu schwierig? Das sagen die Schüler
Nachrichten Der Norden War das Mathe-Abi wirklich zu schwierig? Das sagen die Schüler
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00:19 09.05.2019
Die schriftlichen Abiturprüfungen in Niedersachsen laufen noch bis Mitte Mai. Los ging es mit Geschichte Ende März, hier eine Szene aus der Bismarckschule. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Die Kritik der Schüler an dem aus ihrer Sicht zu schweren Mathematikabitur reißt nicht ab. Nicht nur in Niedersachsen, sondern auch in Hamburg, Bremen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg haben Abiturienten Online-Petitionen gestartet. In Niedersachsen hatten bis Montagnachmittag bereits mehr als 11.340Unterstützer die Petition unterzeichnet.

Hier geht es zur Petition

Vor allem beschweren sich die Prüflinge über viel zu kompliziert formulierte Textaufgaben und Zeitmangel. In Niedersachsen haben 13.000 Abiturienten die Klausur auf erhöhtem Anforderungsniveau (Leistungskurs) und 6000 die auf grundlegendem Niveau (Grundkurs) geschrieben.

Zehntausende Unterschriften in wenigen Tagen

Die Online-Petition, die von einer Abiturientin aus Hannover über die Plattform Open-Petition initiiert wurde, ist innerhalb von drei Tagen von mehr als 11.340 Unterstützern unterzeichnet worden. Über die offizielle Landtagsseite läuft diese Petition im Gegensatz zu anderen – wie etwa von hannoverschen Grundschuleltern zur besseren Ausstattung bei der Inklusion – nicht. Wenn hier 5000 Unterschriften erreicht sind, muss es eine öffentliche Anhörung zu dem Thema geben, wie Landtagssprecher Kai Sommer sagt. Unmittelbare politische Konsequenzen wie etwa eine Landtagsdebatte oder eine Anhörung im Kultusausschuss hat die Petition der Schülerin also nicht zwangsläufig. Andererseits ist der öffentliche Durck schon jetzt so groß, dass sich das Kultusministerium damit befasst und die Klausur fachlich geprüft hat. Über Online-Plattformen wie Open-Petition oder Chance.org kann jeder, der ein Anliegen an einen Adressaten richtet und begründet, eine Petition starten. Die Plattformen wollen so die direkte Demokratie stärken. Open-Petition hat ein Quorum für Regionen in Deutschland, wird das erreicht, bittet die Plattform das Landesparlament um eine Stellungnahme. dö

Ein Schüler, der die Prüfung auf erhöhtem Niveau geschrieben hat, bemängelt eine Aufgabe mit einer Drohne. Da sei von einem schrägen Landeanflug die Rede gewesen, wobei Drohnen doch vertikal landen würden. Ein Teilaspekt, bei dem man einen Radius berechnen sollte, sei sehr umständlich formuliert gewesen. Die Analysis-Aufgaben und Stochastik seien zu schaffen gewesen. Auch sehr gute Schülerinnen, die viel gelernt hatten, berichten, dass sie mit der Klausur überfordert gewesen seien.

„Aufgaben unklar und umständlich formuliert“

Ein Abiturient, der sich selbst als „maximal durchschnittlichen Matheschüler“ bezeichnet, sagt hingegen, die Arbeit sei eigentlich okay gewesen, nur der Vektorenteil sei absolut unverständlich gewesen. Ein anderer Schüler berichtet, dass der Pflichtteil sehr viele Aufgaben beinhaltet habe, was sehr viel Zeit gebunden habe. Zudem seien einige Aufgaben, verglichen mit der Vorabi-Klausur und vorherigen Abiturklausuren, recht komplex gewesen. Eine Aufgabe sei so schlecht und ungenau formuliert gewesen, dass er erst mal einen Lehrer habe fragen müssen, der dann bei anderen Lehrern um Rat fragte. Analysis sei einfach gewesen, Stochastik erwartbar und Vektorgeometrie teils sehr kniffelig.

„Lange, zeitintensive Rechnungen“

Es habe keine Aufgabe gegeben, die unlösbar gewesen sei, sagt ein Prüfling, der die Klausur auf Grundkurs-Niveau geschrieben hat. Bei einigen Aufgaben habe man aber länger überlegen müssen, es habe versteckte Informationen gegeben, nicht alle Annahmen seien gegeben gewesen, einige in der Beschreibung. Aber es sei ja auch der Sinn der Abi-Klausur zu testen, wer den Stress aushalte und genauer nachdenke. Der Schüler kritisiert aber das Ausgabenvolumen, es seien zu viele Aufgaben in zu kurzer Zeit zu lösen gewesen, man habe etwa drei Rechnungen ausführlich dokumentieren müssen. Das sei zwar nicht schwierig, aber sehr zeitintensiv gewesen. Eine Aufgabe weniger „Steigung bestimmen“ oder „Hochpunkt festlegen“ hätte sehr geholfen, um die schwierigen Aufgaben kompetent hinzukriegen, sagt der Abiturient. Ein anderer Schüler kritisiert ebenfalls die vielen Aufgaben in der kurzen Zeit. Eine bessere Bewertung allein sei nicht zielführend, meint er, das würde allenfalls dem Prüfungsjahrgang zu mehr Punkten verhelfen, das Kultusministerium müsse aber konkrete Hinweise bekommen, welche Aufgaben zu schwer gewesen seien.

Zweite Mathe-Abi-Panne in drei Jahren

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Schüler in Niedersachsen über zu schwere Mathematik-Abiturklausuren beschweren. Bereits 2016 hatte es ähnliche Kritik gegeben, im Nachhinein wurden dann die Noten angepasst. Auffällig ist: Damals waren es vor allem die Eltern gewesen, die Kritik äußerten, jetzt mobilisieren die Schüler selbst. Der Landeselternrat könne nicht beurteilen, ob die Klausur zu schwer gewesen sei oder nicht, sagte der stellvertretende Vorsitzende Gerald Kühn am Montag. Das müssten die Verantwortlichen in einem transparenten Prozess überprüfen. Es müsse nun um Ursachenanalyse gehen und schell greifbare Abhilfe. Nur die Bewertung anzupassen und somit eine Notenspirale in Gang zu setzen, helfe nicht weiter, meint Kühn, dann werde man am Ende wieder über den Verfall des Abiturs diskutieren.

Stefan Politze, Bildungsexperte der SPD im Landtag, sagt, es könne nicht angehen, dass zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren das Mathe-Abitur so in der Kritik stehe. Auch 2016 hatte es geheißen, die Aufgaben seien zu kompliziert und praxisfern formuliert gewesen. Man müsse das Verfahren gründlich unter die Lupe nehmen, fordert Politze. Martin Thunich, Leiter der Wilhelm-Raabe-Schule in Hannover, sagt, vielleicht liege das Problem auch noch viel tiefer: „Bereitet der Mathematikunterricht die Schüler eigentlich richtig auf das Abitur vor? Welche Rolle spielt der grafikfähige Taschenrechner?“

Tonne: „Es wird nicht nach Gefühlslage entschieden“

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erklärte am Montagnachmittag: „Die Hinweise zu den diesjährigen Abiturprüfungen im Fach Mathematik nimmt das Kultusministerium ernst und wird die Aufgabenstellungen, insbesondere aber auch die Auswirkungen auf die Prüfungsergebnisse, sorgfältig überprüfen. Erst nach einer solchen fachlichen Überprüfung wird zu entscheiden sein, ob sich weitere Schlussfolgerungen hieraus ergeben. Das niedersächsische Abitur ist und bleibt anspruchsvoll. Daher muss fachlich sorgfältig vorgegangen werden, nicht nach Gefühlslage.“

Das Ministerium teilte mit, dass die Aufgaben auf den Vorgaben des bundesweiten Bildungsstandards, des niedersächsischen Kerncurriculums und fachbezogenener Hinweise beruhten. Der Pflichtteil stamme aus dem länderübergreifenden Aufgabenpool, die des Wahlteils zum Teil aus dem länderübergreifenden Pool, zum anderen Teil sei sie von einer elfköpfigen niedersächsischen Fachkommission erarbeitet worden. Es gebe ein mehrstufiges Kontrollverfahren, das gewährleisten soll, dass die Schüler die Aufgaben bewältigen können. Seit 2016 werden die Aufgaben erneut extern begutachtet und nachgerechnet.

Keine Entscheidung vor Juni zu erwarten

Tonne sagte, man müsse jetzt erst die Bewertungen abwarten. Abweichungen zu den Vornoten seien nichts Ungewöhnliches. Die Lehrer sollten den Korrekturzeitraum ohne Druck nutzen können. Vor Juni werde es wohl keine finalen Erkenntnisse geben. Da es auch in anderen Bundesländern Kritik vonseiten der Schüler gebe, sei auch ein Austausch der Länder erforderlich, um die Sachverhalte zu klären. Der Minister betonte: „Die Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen können sich in jedem Fall darauf verlassen, dass eine gewissenhafte Sachprüfung erfolgt. Zunächst aber sollten sie sich nun auf ihre weiteren Prüfungen konzentrieren.“

Am Mittwoch ist Englisch-Abitur, das auch Zehntausende Schüler im Land ablegen dürften.

FDP-Bildungsexperte Björn Försterling kritisiert, dass das Ministerium abwarten will, es sollte bereits jetzt in der Lage sein zu beantworten, ob die Aufgaben angemessen waren oder nicht. Sollte die Arbeit angemessen gewesen, sich die Schüler aber schlecht vorbereitet fühlen, sollte man dafür oegen, dass weniger Unterricht ausfällt.

Von Saskia Döhner

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