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Der Norden Werden Tiere im Labor gequält? Land untersucht Vorwürfe
Nachrichten Der Norden Werden Tiere im Labor gequält? Land untersucht Vorwürfe
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18:50 14.10.2019
„Mit äußerster Grobheit“: Die „Soko Tierschutz“ hat nach eigener Aussage undercover im Tierversuchslabor LPT in Mienenbüttel gearbeitet und den Umgang mit Tieren dort dokumentiert. Quelle: „Soko Tierschutz“
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Hannover

Hat ein Pharmalabor im Landkreis Harburg Versuchstiere gequält und massiv gegen den Tierschutz verstoßen? Nach schweren Vorwürfen der Tierrechtsorganisation „Soko Tierschutz“ aus Bayern ermitteln die Behörden in Niedersachsen. Das zuständige Verbraucherschutzamt Laves hat Anzeige erstattet. Das Agrarministerium hat vom Landkreis Berichte über die Kontrollen des Unternehmens angefordert. Die Grünen verlangen eine Unterrichtung im Landtag.

Bei der Firma handelt es sich um das Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) aus Hamburg, das auch die Außenstelle in Mienenbüttel bei Neu-Wulmsdorf betreibt. Die „Soko Tierschutz“ berichtet von „entsetzlich“ blutenden Hunden, denen Schläuche und Kapseln in den Hals gezwungen worden seien, und von Katzen, denen bei Tests eines Antibiotikums für eine Tierarzneimittelfirma an einem Tag 13-mal die Beine zerstochen worden seien. „Die meisten Studien enden mit dem Tod der Tiere“, sagt der Chef des Vereins, Friedrich Mülln.

Nach Angaben von Mülln hat ein „Soko“-Mitglied von Dezember 2018 bis März 2019 undercover in der Firma gearbeitet und bei den Giftigkeitstests, die dort vorgenommen worden sein sollen, zahlreiche Verstöße gegen den Tierschutz beobachtet und dokumentiert. Nach den Beobachtungen der Tierrechtler geht das Personal „mit äußerster Grobheit“ mit den Tieren um. Affen würden wie verrückt im Käfig im Kreis rennen, sogar rückwärts, in einem Video der Organisation ist zu sehen, wie ein Affe gegen das Gitter springt, mutmaßlich aus Angst.

Keine Stellungnahme

Von der LPT-Firmenleitung war keine Stellungnahme zu bekommen. Weder am Wochenende noch an diesem Montag hat der Betrieb auf Mails der HAZ reagiert. Die Bitte, sich bis Montagmittag zu melden, ließ das Unternehmen unbeantwortet. Es ging auch niemand ans Telefon. Die Internetseite des Unternehmens enthält kaum Informationen, die meisten Unterseiten erfordern einen Login.

Auch nach älteren Berichten der „Zeit“ und des Deutschlandfunk Kulturschottet sich die Firma komplett gegen die Öffentlichkeit ab. Aus früheren Informationen gehe aber hervor, dass das Unternehmen mit Mäusen, Ratten, Hamstern, Schweinen, Hasen, Hunden, Affen, Katzen, Meerschweinchen, Fischen und Vögeln arbeite. Die Hunde beziehe LPT aus den USA, die Katzen aus Spanien und die Affen über einen niederländischen Händler aus China, sagt die „Soko Tierschutz“.

Die „Soko Tierschutz“ hat nach eigener Aussage grausame Bilder aus dem LPT-Labor in Mienenbüttel mitgebracht. Die Firma hat das Material bisher nicht kommentiert.

Das Agrarministerium ist nach eigenen Angaben seit dem 8. Oktober über die Vorwürfe informiert. Der Widerruf der Tierversuchsgenehmigung für in Rede stehende Versuche werde geprüft, sagte Sprecherin Sabine Hildebrandt der HAZ. Das Laves erklärte, man habe umgehend bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg Anzeige wegen des „Verdachts der Tierquälerei“ erstattet. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg will den Fall allerdings an die Kollegen in Stade abgeben, die für Mienenbüttel zuständig seien.

Ein Sprecher des Kreises Harburg sagte, bei einer ersten unangemeldeten Kontrolle habe man festgestellt, dass die Käfige für die Versuchsaffen zu klein seien. Bei anderen Punkten, wie etwa dem Beschäftigungsmaterial für die Tiere, sei die Lage komplexer. Nicht alles, was die Tierrechtler als grausam anprangerten, sei auch tatsächlich ein Verstoß gegen Gesetze und Verordnungen. Nach Angaben des Laves hat die Ethik-Kommission der Behörde im vergangenen Jahr 318 Tierversuche bei 35 Einrichtungen in Niedersachsen genehmigt. Weitere 141 seien angezeigt worden.

Mahnwache ist geplant

Die „Soko“ und die aus England stammende Anti-Tierversuche-Organisation „Cruelty Free International“ weisen darauf hin, dass in Deutschland jedes Jahr 2,8 Millionen Tiere durch Tierversuche umkämen. Die „Soko Tierschutz“ ist in der Vergangenheit unter anderem mit verdeckt aufgenommenen Videos aus den Schlachthöfen in Bad Iburg (Kreis Osnabrück) und Düdenbüttel (Kreis Stade) an die Öffentlichkeit gegangen. Beide Schlachthöfe sind jetzt dauerhaft geschlossen.

Tierschützer fordern seit Langem auch eine Stilllegung des Labors in Mienenbüttel. 1981 befreiten Aktivisten 48 Beagles aus dem Betrieb. Für diesen Sonnabend sind eine Demonstration in Hamburg-Neugraben und eine Mahnwache in Mienenbüttel angekündigt.

Von Bert Strebe und Marco Seng

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