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Der Norden Neues Bündnis für günstiges Wohnen in Niedersachsen
Nachrichten Der Norden Neues Bündnis für günstiges Wohnen in Niedersachsen
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08:07 21.03.2018
Regierung, Mieter- und Vermieterverbände wollen sich in Niedersachsen zusammenschließen, um für mehr günstige Wohnungen in Niedersachsen zu sorgen.
Regierung, Mieter- und Vermieterverbände wollen sich in Niedersachsen zusammenschließen, um für mehr günstige Wohnungen in Niedersachsen zu sorgen. Quelle: dpa
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Hannover

Bezahlbarer Wohnraum ist schon lange ein drängendes Thema. Warum haben bisherige Lösungen nicht funktioniert? Fragen und Antworten rund ums Wohnen und Bauen:

Warum steigen die Mieten in Niedersachsen immer weiter?

Mietpreise belasten vor allem Menschen in den großen Städten. Dorthin ziehen viele neue Bewohner, weil der Arbeitsmarkt dort mehr Chancen bietet als etwa ländliche Gebiete. Gleichzeitig ist die Anzahl der Single-Haushalte gestiegen - die Nachfrage nach kleinen Wohnungen also größer als früher. Vor allem günstige Wohnungen sind knapp geworden. Hausbesitzer können deshalb immer höhere Mieten verlangen.

Warum werden nicht einfach mehr Wohnugen gebaut?

Investoren- und Bauvertreter wollen nicht viel mehr günstige Wohnungen bauen. Ihre Argumente: Sie müssen zu viele Bauauflagen erfüllen und die Bodenpreise steigen. Damit sich das Bauen lohne, fordern sie mehr finanzielle Unterstützung vom Staat. Der Staat habe Investoren zu lange zu wenig Anreize gegeben, um mehr günstige Wohnungen zu bauen, betont zum Beispiel Hans Reinold Horst, der Verbandsvorsitzende von Haus & Grund Niedersachsen. Auf dem Land ist das Problem dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen und Bremen zufolge weniger oder sogar nicht spürbar.

Werden die Mieten also weiter steigen?

Wahrscheinlich ja. Immerhin sind einige Experten der Meinung, dass die Mietpreise günstiger Wohnungen in den nächsten Jahren langsamer ansteigen werden als bisher. Ein zentrales Problem sind zudem die Sozialwohnungen. Von denen gibt es immer weniger: 2012 zählte das Bauministerium landesweit knapp 98 000 Wohnungen. Ende 2017 waren es nur noch rund 82 500. In den nächsten zwei Jahren könnte sich die Zahl sogar halbieren. Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft geht von weniger als 40 000 aus.

Auf welche Lösungen gegen den Preisanstieg setzt die Landesregierung?

Unter anderem auf die Mietpreisbremse. Auch die Bundesregierung, die sie beschloss, sah darin anfangs ein wirksames Mittel gegen die Mieten. In Niedersachsen gilt die Bremse seit Ende 2016 in 19 Kommunen, unter anderem in Hannover, Osnabrück, Braunschweig, Göttingen, Oldenburg und in den sieben ostfriesischen Inselgemeinden. Ein Vermieter darf dort von einem neuen Mieter höchstens zehn Prozent mehr Miete verlangen als in dem Ort für eine ähnliche Wohnung üblich ist.

Warum funktioniert die Mietpreisbremse nicht wie erhofft?

Vermieter, die sich nicht an die Mietpreisbremse halten, müssen keine Strafe bezahlen, selbst wenn ein Mieter vom Verstoß erfährt. Darüber klagen Mietervertreter. Außerdem könnten Mieter nur schwer herausfinden, wie viel ihr Vormieter für dieselbe Wohnung bezahlt hat oder wie hoch die örtliche Vergleichsmiete ist. Außerdem gäbe es zu viele Ausnahmen - die Bremse gilt etwa nicht, wenn es bestimmte Renovierungen gab oder wenn eine Wohnung erstmals vermietet wird.

Die Vermieterseite ist auch unzufrieden: Durch die Mietpreisbremse könnten Investoren mit Mieten nicht mehr so viel Geld verdienen, um es dann wieder in soziale oder günstige Wohnungen zu investieren, erklärt Reinold Horst von Haus & Grund Niedersachsen. Das Problem des knappen Wohnraums bleibt somit bestehen. Die Preisbremse schafft keine neuen Wohnungen, betonen viele Vermieter-Vertreter.

Was könnte das neue Bündnis in Zukunft tun?

Das Problem wollen Vertreter der Regierung sowie von Vermieter- und Mieterverbänden mit verschiedenen Maßnahmen anpacken. Investoren- und Bauvertreter pochen als Lösung besonders auf weniger Bauauflagen. Auch günstigeres Bauland und mehr finanzielle Unterstützung vom Staat könnten eine Rolle spielen. „Bezahlbare Wohnungen gibt es nur, wenn mehr gebaut wird“, sagt Peter-Georg Wagner vom Immobilienverband Deutschland. Eine weitere Lösung für die Städte könnte vertikales Bauen sein. Das heißt: Weitere Geschosse auf bestehende Häuser oder weitere Häuser auf bestehende Grundstücke zu bauen. Dazu rät etwa Immobilienökonom Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Der Staat könnte diese Bauart fördern.

Von dpa

20.03.2018
20.03.2018