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Der Norden „Uns fehlt die Anerkennung“: Warum Niedersachsens Lehrer mehr Geld fordern
Nachrichten Der Norden „Uns fehlt die Anerkennung“: Warum Niedersachsens Lehrer mehr Geld fordern
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12:16 30.06.2019
Sie haben für ihre Petition mehr als 31.000 Unterschriften bekommen: Saskia Noort, Caroline Bode, Annika Gold und Annemarie Schuster(v.l.). Quelle: Christian Hoffmann
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Hannover

Vier Grundschullehrerinnen haben im Frühjahr eine Onlinepetition angestoßen, in der sie mehr Gehalt für Pädagogen an Grund-, Ober-, Real- und Hauptschulen fordern. Die Petition wurde von 31.514 Unterstützern unterzeichnet. Im September gibt es eine Anhörung im Landtag dazu. Mit der Forderung nach einer höheren Lehrerbesoldung beschäftigt sich an diesem Wochenende auch die Landesregierung in ihrer Klausurtagung. Die Initiatorinnen der Petition, Caroline Bode, Annika Gold, Saskia Noort und Annemarie Schuster, erläutern in der HAZ ihre Beweggründe – unsere Fragen haben sie gemeinsam schriftlich beantwortet.

Warum haben Sie die Onlinepetition angestoßen?

Wir lieben unsere Arbeit, aber uns fehlt die Anerkennung für das, was wir jeden Tag leisten. Denn schließlich singen und spielen wir nicht nur mit den Kindern, sondern wir legen den Grundstock für Bildung und das Lernen. Wir arbeiten als Lehrer, Sozialarbeiter, Arzthelfer, indem wir auf potenzielle Erkrankungen wie Sehschwäche, ADHS etc. hinweisen, Psychologen und Familienhelfer – alles in einer Person.

Der Lehrermangel an Grundschulen muss derzeit durch Abordnungen von Gymnasiallehrern, die dann an Grundschulen auch weniger Stunden unterrichten müssen, oder durch Quereinsteiger aufgefangen werden. Durch das gestiegene Arbeitspensum (und die geringere Bezahlung) scheint das Studium der Grundschulpädagogik wenig attraktiv.

Wir haben ein gleichwertiges Studium absolviert, also die gleiche Qualifikation. Dennoch werden die Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Realschulen im Gegensatz zu den anderen Schulformen deutlich schlechter bezahlt. Jeden Monat bekommen wir mehrere Hundert Euro weniger, obwohl unsere Arbeit gleichwertig ist. Darum sind wir zur Lehrerdemonstration am 13. September 2018 gegangen, um direkt vor dem Landtag zu zeigen, dass es uns wirklich reicht.

Fühlen Sie sich von der Landesregierung hingehalten, was das Thema Geld für Grundschulpädagogen betrifft?

Ja, in anderen Bundesländern wird der Wert der Arbeit an den Grundschulen bereits anerkannt, hier nicht. Der Kultusminister hatte zwar für 2018 angekündigt, einen Stufenplan zur Anhebung der Bezahlung zu erarbeiten, doch den gibt es noch immer nicht.

Welche Ideen haben Sie für einen stufenweisen Einstieg in eine bessere Bezahlung?

Die Landesregierung muss jetzt sofort einen Anfang machen, sonst laufen viele Lehrkräfte einfach weg oder kommen gar nicht erst zu uns. Und dann muss ziemlich schnell A13 erreicht werden. Der Stufenplan darf die Anhebung also nicht in die Länge ziehen.

Sollte auch die Unterrichtsverpflichtung sinken? Und wenn ja, um wie viel?

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn auch eine Anpassung auf eine gleiche Verteilung der Unterrichtsverpflichtung für alle Schulformen erfolgen würde, aber uns geht es in erster Linie um die Anerkennung unserer Arbeit, um die Gleichstellung und Wertschätzung unserer Arbeit und folglich auch um die Anhebung der Bezüge. Eine Absenkung der Arbeitszeit sollte als Folge der Arbeitszeitstudie erfolgen.

Was macht die Hauptbelastung für Lehrer in der Grundschule aus?

An unseren Schulen steigt die Arbeitsbelastung seit Jahren – unter anderem durch vermehrtes Schreiben von Förderplänen, vermehrtes Schreiben von Fördergutachten und Anträgen, stärkere Differenzierung durch sehr heterogene Klassen, Zusammenarbeit mit Jugendamt, vermehrte Elternarbeit durch Hilfen bei Antragstellungen, schulische Entwicklungsarbeit, Übernahme von Ämtern, und dem Schreiben von Konzepten. Dafür ist aber keine spürbare Entlastung an einer anderen Stelle vorgenommen worden. Was aber den Alltag zusätzlich sehr erschwert, ist, dass zum Beispiel viele Kinder Frustrationstoleranz, Bedürfnisaufschub, Schulreife und Selbstkontrolle nicht mehr mitbringen. Das macht es im Unterricht schwierig, weil alle alles auf einmal und sofort wollen.

Das heißt für uns Kollegen, dass wir im permanenten Einsatz sind, eine hohe Lärmbelastung haben und die Pausen überwiegend nur zum Austausch über oder mit einzelnen Kindern dienen, damit in der nächsten Unterrichtsstunde direkt wieder auf ein bestimmtes Verhalten der Kinder reagiert werden kann.

Warum ist die Teilzeitquote der Pädagogen in den Grundschulen so hoch?

Noch immer wird die Familienarbeit meistens von Frauen geleistet, sodass sie oft in Teilzeit arbeiten. Viele Kolleginnen haben aber einen anderen Grund: Sie reduzieren die Stunden, um die Arbeit überhaupt noch zu schaffen. Die arbeiten dann zwar auf dem Papier weniger, in der Realität aber doch Vollzeit. Der Verdienst ist dadurch im Verhältnis natürlich auch kleiner.

Von Saskia Döhner

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