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Der Norden Was wird aus dem Speermuseum?
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20:04 26.03.2019
Leuchtturmprojekt? Das Museum in der ehemaligen Braunkohleregion Schöningen soll neu konzeptioniert werden. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Schöningen

Sie sind die ältesten bekannten Wurfwaffen der Menschheit: Mit acht Speeren und einem beidseitig angespitzten Wurfholz jagten Menschen bereits vor mehr als 300.000 Jahren Mammuts und andere Beutetiere. Der Fund der Waffen im Jahr 1994 war für die Forschung eine Sensation – und sorgte nicht nur bei Wissenschaftlern für leuchtende Augen.

Was soll aus dem Paläon werden?

Das Museum rund um die Fundstelle der Speere in Schöningen, so malten es sich Landes- und Kommunalpolitiker aus, sollte ein Leuchtturmprojekt für den Landkreis Helmstedt werden. Doch die Realität war nüchterner: Die erhofften Besucherströme blieben aus, das Defizit wurde immer größer – und inzwischen scheint es immer fraglicher zu werden, wie es mit dem Paläon genannten Museum weitergehen soll.

Im Dezember hatte das Land bekannt gegeben, das Museum retten zu wollen, doch ein Vierteljahr später sei bei den rund 30 Beschäftigten nur Unsicherheit zu spüren, heißt es bei der Gewerkschaft Verdi. Im Juli soll das Landesamt für Denkmalpflege das Museum übernehmen und als Forschungsmuseum neu organisieren. Fünf neue Stellen sind dafür ausgeschrieben, wie das Wissenschaftsministerium in Hannover bestätigt. Doch die 30 bisherigen Mitarbeiter gehen größtenteils leer aus, fürchtet Verdi: Sie würden nicht übernommen, kritisiert Gewerkschaftssekretär Frank Ahrens. Ihnen müsse nun gekündigt werden. „Sie haben keine gesicherten Erkenntnisse, wie es weitergeht.“

Verdi sorgt sich um Bildungsbereich des Paläon

Der Vorwurf der Gewerkschaft: Aus Gesprächen sei herauszuhören, dass der geplanten Neuordnung das lebendige Konzept des Paläons zum Opfer fallen könne. „Unsere Befürchtung ist: Da liegen dann die Speere und weiter nichts“, sagt Ahrens.

Besonders um den Bildungs- und Wissenschaftsbereich macht sich der Gewerkschaftssekretär Sorgen. Dabei sieht er insbesondere in diesem Bereich gute Chancen für das Museum. Etwa 8000 Schüler besuchten das Paläon im Jahr. „Es gibt Anfragen weit ins Jahr 2019 hinein“, sagt Ahrens. Die Mitarbeiter würden sich im Museum gut auskennen und seien speziell geschult, sagt Ahrens. Besonders Schulklassen profitierten davon. Doch die Unsicherheit unter den Beschäftigten bremse viele aus: „Da die Mitarbeiter nicht wissen, wie es weitergeht, nehmen sie ab 1. Juli vorerst keine Buchungen mehr an.“

Die Sprecherin des Wissenschaftsministeriums, Anna Anding, weist die Kritik der Gewerkschaft zurück. Momentan arbeite das Landesamt für Denkmalpflege an einem Konzept für das Museum, sagte sie auf Anfrage der HAZ. Die Paläon GmbH, die noch die Geschäfte des Museums führt, solle den Erlebnisbereich des Museums neu aufstellen, womit unter anderem Restaurant und Museumsshop gemeint sind. „Ziel ist es, dass Forschungsmuseum und Paläon GmbH gemeinsam und abgestimmt dazu beitragen, das Museum mit Leben zu füllen“, sagt Anding.

Schöninger Speere sind kein Besuchermagnet

Ein Streitobjekt war das Paläon schon von Beginn an. Bereits der Bau des Museums 2013 am Fundort der Speere in der ehemaligen Braunkohleregion Schöningen kostete 5 Millionen Euro. Niedersachsens früherer Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) witzelte vor dem Bau, er hätte die 300.000 Jahre alten Speere lieber im Kamin verschwinden lassen, anstatt ein Museum um sie herumzubauen. Fünf Jahre nach Eröffnung war klar: Das Projekt kann sich nicht selbst tragen. Statt der erwarteten 100.000 Besucher pro Jahr kamen im Schnitt nur die Hälfte. Die Defizite wuchsen auf etwa eine Million Euro jährlich.

Vor dem Bau war auch erwogen worden, die Speere in Braunschweig oder Hannover auszustellen. Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) musste das Projekt bereits im Haushaltsausschuss des Landtages verteidigen. Die Opposition konnte er aber nicht überzeugen. FDP-Finanzexperte Christian Grascha hält das Museum für „ein Fass ohne Boden“, und auch der Haushaltssprecher der Grünen, Stefan Wenzel, hält die Bezuschussung des Ministeriums für eine „fragliche politische Entscheidung“.

Dennoch kündigte das Ministerium an, das Museum in das Landesamt für Denkmalpflege einzu­gliedern und mit jährlich 500.000 Euro zu finanzieren. Weitere 100.000 Euro sollten von der Stadt und dem Landkreis Helmstedt kommen, 300.000 Euro durch eigene Erträge des Paläons. Der Steuerzahlerbund protestierte: „Es besteht die Gefahr, dass Defizite des öffentlichen Ausstellungsbetriebes in Schöningen im riesigen Etat des Wissenschaftsministeriums verschwinden“, warnte der Chef des Steuerzahlerbundes Bernhard Zentgraf in einem Brief an die Politiker des Landtages bereits im Herbst 2018.

Von Lisa Neugebauer

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