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Der Norden Polizei nimmt IS-Rückkehrerinnen aus Osnabrück und Bremen fest
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Polizei nimmt IS-Rückkehrerinnen aus Osnabrück und Bremen fest

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21:26 07.10.2021
Die Bundesregierung hat in Zusammenarbeit mit der US-Armee deutsche Anhängerinnen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und ihre Kinder aus einem Gefangenenlager in Syrien geholt. In Deutschland wurden fast alle sofort in Haft genommen.
Die Bundesregierung hat in Zusammenarbeit mit der US-Armee deutsche Anhängerinnen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und ihre Kinder aus einem Gefangenenlager in Syrien geholt. In Deutschland wurden fast alle sofort in Haft genommen. Quelle: Boris Roessler/dpa
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Karlsruhe/Osnabrück/Bremen

Nach ihrer Rückkehr von Syrien nach Deutschland hat die Bundesanwaltschaft drei deutsche Frauen wegen mutmaßlicher Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) festnehmen lassen. Wie aus einer Mitteilung vom Donnerstag hervorgeht, wird ihnen außerdem vorgeworfen, ihre Kinder im Sinne der radikal-islamistischen Ideologie der Gruppe erzogen zu haben. Unter ihnen ist eine Mutter aus Osnabrück. Sie soll Anhängerinnen für den IS angeworben haben.

Den Angaben zufolge reiste sie 2014 mit ihrer minderjährigen Tochter in das damals vom IS kontrollierte Gebiet. Zudem soll sie für eine 16-Jährige die Ausreise nach Syrien organisiert haben. Die nun zurückgekehrte Frau habe in Syrien nacheinander mindestens sechs IS-Mitglieder nach islamischem Ritus geheiratet, heißt es. In sozialen Medien habe sie ihre Zustimmung zu Terroranschlägen in Europa ausgedrückt. Ihrer Tochter habe sie Hinrichtungsvideos gezeigt. Im syrischen Al-Rakka soll sie 2016 eine vom IS versklavte Jesidin angewiesen haben, Arbeiten im Haushalt zu verrichten und das muslimische Gebet zu sprechen.

Kontakt zu anderen Terrorverdächtigen

Insgesamt waren in der Nacht zum Donnerstag acht Frauen mit insgesamt 23 Kindern in einer von der Bundesregierung gecharterten Maschine in Frankfurt am Main gelandet. Ein Großteil der Rückkehrerinnen sei nach der Landung in Haft genommen worden, teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) mit. Eine Festnahme erfolgte aufgrund eines Haftbefehls des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg. Dabei handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um eine 33-Jährige aus Bremen.

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Die Mutter aus Osnabrück hatte nach dpa-Informationen engen Kontakt zu der damals noch in Deutschland lebenden Jennifer W. aus Lohne (Kreis Vechta), die seit 2019 in München vor Gericht steht. Sie soll der Anklage zufolge mit ihrem Ehemann – einem IS-Kämpfer – im Irak eine Jesidin und deren Tochter als Sklavinnen „gekauft“ haben. Jennifer W. soll zugesehen haben, wie das kleine Mädchen ungeschützt in praller Sonne unter anderem an einer Atemlähmung verstarb, nachdem ihr Ehemann es angebunden hatte.

Innenminister Pistorius: Rückholung ist „alternativlos“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius bezeichnete die Rückholung der IS-Anhängerinnen als „alternativlos“. Dem Fernsehsender Welt sagte der SPD-Politiker: „Das ist keine Frage, ob wir das wollen oder ob uns das gefällt. Das ist eine Frage des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts.“

Eine organisierte Rückholung und Aufnahme von deutschen Staatsangehörigen könne nicht verweigert werden – und sei außerdem „in unserem Interesse“, so der Innenminister weiter. „So wissen wir, wo sie sind, können in Haft nehmen, wer in Haft zu nehmen ist, und haben die Sache besser unter Kontrolle.“ Bei der Rückholung von IS-Sympathisanten sei es wichtig, schon im Vorfeld die Sicherheitsbehörden einzubinden, damit eine solche Aktion nicht zum Sicherheitsrisiko werde, betonte der Minister.

Von RND/dpa