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Der Norden Nach Insolvenz: Oberbürgermeister will die Warnemünder Werft kaufen
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Rostock: Oberbürgermeister will insolvente Warnemünder Werft kaufen

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21:47 11.01.2022
Ein Bild aus besseren Tagen: Die damaligen Werftchefs Carsten Haake (l.) und Peter Fetten (r.) mit Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen. Nun will der OB die Werft kaufen.
Ein Bild aus besseren Tagen: Die damaligen Werftchefs Carsten Haake (l.) und Peter Fetten (r.) mit Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen. Nun will der OB die Werft kaufen. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Macht es Rostock jetzt wie Stralsund? Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen will das Gelände der MV Werften in Warnemünde kaufen – damit die größte Stadt des Landes langfristig die Kontrolle über das Industriegebiet direkt am Wasser bekommt. Das sagt der Rathaus-Chef am Dienstag der OZ. Bereits in den kommenden Tagen will Madsen mit den Fraktionen der Bürgerschaft sprechen – und dem Insolvenzverwalter der Werften-Gruppe.

„Immer wieder dasselbe Problem“

„Wir haben in Rostock seit Jahrzehnten dasselbe Problem“, so Madsen. Geraten die Werften in Not, sei die Stadt zum Zuschauen verdammt: „Wir können nichts machen, keine neue Investoren locken – weil uns die Flächen nicht gehören.“ In Warnemünde gehöre der Stadt bisher nur ein kleines Teilstück am sogenannten Werftbecken. Das hatte Madsens Amtsvorgänger Roland Methling für die Stadt erworben, als Genting neu in Warnemünde einstieg. Passiert ist an der Kai-Kante aber bis heute nichts, die Pläne für einen neuen Kreuzfahrt-Hafen in dem Bereich haben sich zerschlagen – weil der Platz dafür nicht reichte.

Madsen will das ändern, spricht von einer Art „Betreiber-Modell“ für das Werft-Gelände. Die Idee: Die Stadt kauft die Flächen, bleibt jederzeit Eigentümer. Unternehmen sollen dann Land und auch Gebäude von der Stadt pachten. „Bisher sind wir darauf angewiesen, was Investoren am anderen Ende der Welt wollen. Das kann es nicht sein“, so der OB. Das Wichtigste sei es, nun schnell Optionen für die Schiffbauer zu schaffen: „Sie sind in Wirklichkeit das größte Kapital der Werft. Sie haben bewiesen, dass sie immer wieder Neues schaffen können. Innovatives!“

Zukunftsgewerbe statt nur ein Betrieb

Und: Madsen will im Idealfall mehr als „nur“ ein großes Unternehmen auf dem Werft-Gelände ansiedeln. „Gehört uns das Gelände, können wir als Stadt entscheiden, was wir dort wollen – und was für Rostocks Zukunft das Beste ist. Wir brauchen mehr als eine Kerze am Baum.“ Der OB will Rostock zum führenden Standort für die Energiewende auf See machen. Die Pläne von Nordic Yards, in Warnemünde wieder Konverterplattformen für Offshore-Windparks zu bauen, würden bestens dazu passen. Aber Madsen träumt auch von Betrieben, die saubere Antriebe für die Schifffahrt entwickeln und bauen.

Seit Monaten arbeitet Rostock an Plänen für einen Energie-Hafen: Strom aus Ostsee-Windparks soll genutzt werden, um Wasserstoff zu erzeugen. Der wiederum könnte genutzt werden, um klimafreundliche Düngemittel oder Treibstoffe herzustellen. „Das Land muss sich jetzt dazu bekennen, die Wasserstoff-Forschungsfabrik in Rostock zu bauen. Wir brauchen diese Investitionen jetzt.“ Der OB hofft dabei auf Unterstützung von Jochen Schulte: Der Rostocker SPD-Mann ist neuer Wirtschaftsstaatssekretär in Schwerin: „Wir brauchen jetzt einen Hoffnungsschimmer.“

Von Andreas Meyer