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Der Norden Anbauer von Heidelbeeren laden zum Pflücken ein
Nachrichten Der Norden Anbauer von Heidelbeeren laden zum Pflücken ein
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16:35 01.07.2019
Pflückerin Yana Nechyporuk aus der Ukraine freut sich über die reiche Ernte. Quelle: Gabriele Schulte
Grethem

Schon die ersten Früchte sind blau, dick und süß: Niedersachsens Heidelbeerbauern haben am Donnerstag die Saison eröffnet – in Heermanns Blaubeerland in Grethem (Heidekreis), Deutschlands ältestem Blaubeerhof. Die Anbauervereinigung erwartet eine durchschnittliche Saison. „Für eine Rekordernte sind die Böden noch immer zu trocken“, sagt Heiner Husmann vom Vorstand. Der erste Schwung Beeren, in viel Sonne gereift, geht an den Lebensmittelhandel. Selbstpflücker kommen ab der zweiten Juliwoche zum Zuge.

Stamm von Saisonarbeitern ist jedes Jahr dabei

Noch sind die Profipflücker auf den Plantagen unter sich. Christina Badenhop, Betreiberin des Blaubeerlands, kann auf einen soliden Stamm von Saisonarbeitern setzen. Ivona Braun aus Polen hält zehn Finger hoch und dann noch mal zwei: Zwölf Jahre ist sie schon dabei. Ihre junge Kollegin Yana Nechyporuk verdient sich zum ersten Mal auf diese Weise Geld für ihr Wirtschaftsstudium in der Ukraine. „Harte Arbeit, aber gutes Geld“, sagt die 21-Jährige auf Englisch und zeigt stolz eine randvolle Kiste Blaubeeren vor. Alle erhalten den derzeit für Erntehelfer geltenden Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde.

Es sei trotzdem schwerer als früher, Saisonarbeiter zu finden, berichtet Christina Badenhop. Statt wie einst fast ausschließlich aus Polen kommen die Helfer mittlerweile vermehrt aus Rumänien, Weißrussland und der Ukraine. „Ich kann nicht mehr alle Sprachen“, sagt die 55-Jährige, die den Hof gemeinsam mit ihrem Sohn Hannes (22), 15 Festangestellten und 250 Erntehelfern bewirtschaftet. Badenhop möchte gern weiter auf Handarbeit statt auf Erntemaschinen setzen. Die Arbeiter seien oft derart dankbar für die Verdienstmöglichkeit, dass sie die Chefin zum Abschied umarmten.

Niedersachsen liegt bei Heidelbeeren vorn

Beim Pflücken muss sich niemand mehr bücken. Zwischen den Büschen, die 1,50 Meter und höher sind, lässt es sich erhobenen Hauptes arbeiten. Kulturheidelbeeren sind in Deutschland die meist geernteten Strauchbeeren. Sie sind deutlich größer als die wild im Wald wachsenden Heidelbeeren und innen weiß, sodass sie die Zähne beim Verzehr nicht verfärben. Beide Varianten enthalten viel Vitamin A und C, Karotine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Die Beeren sollen unter anderem Verdauung und Blutdruck regulieren. Drei Viertel der Kulturheidelbeeren wachsen in Niedersachsen. 2018 wurden hier in 162 Betrieben 8457 Tonnen Heidelbeeren geerntet. Angebaut werden die Früchte auch in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die Anbaufläche in Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt seit 2012 um rund zwei Drittel gestiegen und lag 2018 bei 3040 Hektar, davon 1921 Hektar in Niedersachsen.

Ältester Blaubeerhof – seit 1934

Begonnen hat alles in Grethem in der Heide, deren sandiger und vielerorts saurer Boden sich für den Anbau der Beeren besonders gut eignet. Dort siedelte sich 1934 der Botaniker Wilhelm Heermann an. Er hatte sechs Jahre zuvor an der Universität Landsberg begonnen, aus wild wachsenden Waldfrüchten und amerikanischen Zuchtheidelbeeren neue, größere Sorten zu züchten. In der Heide sammelte er wilde Beeren im Ostenholzer Moor und begann damit, eigene Sorten wie Greta, Gila und Herma zu entwickeln und zu vermarkten. „Er war Züchter aus Leidenschaft und fasziniert von diesem Strauch“, erzählt Christina Badenhop, die den Hof seit 25 Jahren bewirtschaftet. Gepflückt hätten früher Schulklassen und Hausfrauen aus der Umgebung.

Internationale Konkurrenz macht zu schaffen

Heute macht die globale ganzjährige Konkurrenz auch im Bioreich – etwa aus Chile – den Anbauern zu schaffen. Auch die wachsende Zahl niedersächsischer Biobetriebe hat es da nicht leicht. Badenhops hatten es schon einmal mit Bioheidelbeeren versucht, konnten dem Preisdruck, den die großen Händler ausübten, damals aber nicht standhalten. Vor zwei Jahren machten sie einen zweiten Versuch und legten in Hodenhagen eine neue Bioland-Plantage an. „Wir können eben nicht billig, wir können nur gut“, sagt die Betreiberin. Da die Ernte bei Biofrüchten um ein Drittel geringer ausfalle, müssten die Beeren im Hofladen auch ein Drittel mehr kosten. Die Kunden können aber auch selbst pflücken, nebenbei ein wenig naschen – und zahlen als Lohn für den eigenen Einsatz ein Drittel weniger.

Hier können Sie Heidelbeeren pflücken

Wer selbst Heidelbeeren pflücken will, kann das in Kürze auf etlichen Höfen in der Nähe von Hannover tun. Da die Ernte vom Wetter abhängt, empfiehlt sich zuvor ein Anruf oder ein Blick auf die jeweilige Internetseite. Behälter bringt man mit. 

  • Heermanns Blaubeerland, Grethemer Hauptstraße 35, 29690 Grethem, www.blaubeerland.de, Pflücken auf der Bioplantage in Hodenhagen täglich von 9.30 bis 18 Uhr
  • Auch hier gibt es Bioheidelbeeren: Corporals Bickbeerland, Meisenbrink 6, 29690 Essel, www.corporals-bickbeerland.de, Pflücken täglich außer mittwochs von 9 bis 18 Uhr an der L 190 zwischen Berkhof und Essel
  • Bioheidelbeeren bietet auch der Bickbeernhof an, Brokeloher Hauptstraße 37, 31628 Landesbergen, www.bickbeernhof.de, Pflücken voraussichtlich ab Mitte Juli täglich von 9 bis 18 Uhr
  • Heidelbeerplantage Leitke, Am Hoper Bahnhof 1, 29690 Schwarmstedt, www.leitke.de, Pflücken montags bis sonnabends von 9 bis 17 Uhr, sonntags auf Anfrage
  • Landwirtschaftlicher Betrieb Deecke, Bahnhofstraße 16, 29331 Lachendorf, www.deecke-heidelbeeren.de, Pflücken täglich von 9 bis 17 Uhr
  • Heidelbeerplantage Vogeler, Zum Weidegut 2, 31634 Steimbke, www.vogeler-heidelbeeren.de, Pflücken in der Plantage an der B 214 täglich von 9 bis 18.30 Uhr
  • Obsthof Rieke, Blaubeerweg 1, 31535 Neustadt am Rübenberge, www.obsthof-rieke.de, Pflücken täglich von 8 bis 19 Uhr
  • Brelinger Heidelbeerplantage, Scharreler Weg 101, 30900 Wedemark, www.hof-soltau.de, Pflücken ab 15. Juli mittwochs bis sonntags von 9.30 bis 17 Uhr
  • Heidelbeerpark Altwarmbüchen, Alter Postweg 10, 30961 Isernhagen, www.heidelbeerpark.de, Pflücken – bei gutem Wetter – sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr, an Werktagen meistens nachmittags (siehe www.heidelbeerpark.de)
  • Heidelbeerplantage Decker und Hahnel, An der Düpe 2, 30900 Wedemark, Inhaber: Thorsten Decker und Kerstin Hahnel, Telefon (05130) 2485 und (05130) 9690821. Website: https://heidelbeerplantage.weebly.com. Heidelbeeren werden ausschließlich an Selbstpflücker abgegeben. Öffnungszeiten: Mittwochs 8 bis 20 Uhr, samstags 7 bis 17 Uhr und sonntags 9 bis 13 Uhr.
  • Eine Liste weiterer Selbstpflückplantagen auch in etwas größerer Entfernung findet sich unter www.die-blauen-hoefe.de.

Von Gabriele Schulte

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