Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Der Norden Sollten Luftballons in Niedersachsen verboten werden?
Nachrichten Der Norden Sollten Luftballons in Niedersachsen verboten werden?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 24.03.2019
So schön sie sind – Luftballons belasten die Umwelt, besonders wenn sie nach Flugwettbewerben irgendwo in der Natur landen. Quelle: dpa-Zentralbild
Anzeige
Hannover

Plastik belastet die Umwelt und ist in Verruf geraten Tüten, Geschirr und Besteck aus Kunststoff sind deshalb auf dem Rückzug. Nun geraten auch mit Helium gefüllte Luftballons in den Fokus, weil sie als Abfall in der Natur landen und Tiere gefährden können. In den Niederlanden hat bereits jede sechste Kommune ein Verbot ausgesprochen. Hierzulande suchen Veranstalter von Ballonwettbewerben freiwillig nach Alternativen. „Es wird mehr darauf geachtet, wie man Veranstaltungen nachhaltig organisiert“, meint Thorsten Bullerdiek, Sprecher des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. „Wir begrüßen es sehr, wenn Plastik vermieden wird.“ Auf der anderen Seite liegen Ballons bei privaten Feiern wie Hochzeiten und Kindergeburtstagen im Trend; auch zum Valentinstag wurden wieder reichlich bedruckte Helium-Herzen verschenkt. Zur wachsenden Zahl der Ballongeschäfte zählen mittlerweile sogar Bringdienste.

Tausende Latexballons über Celle

Der Himmel über Celle wird jedes Jahr im März minutenlang bunt. Mit dem Startschuss zu Niedersachsens größtem Volkslauf, dem Wasa-Lauf, steigen traditionell mehr als 2000 heliumgefüllte Ballons über den Fachwerkhäusern der Altstadt in die Höhe. Doch in diesem Jahr ist etwas anders: Die Sparkasse als Sponsor hat sich auf Anregung zahlreicher Kunden erstmals für Ballons aus Latex entschieden. „Wir wollen die Umweltbelastung, die durch Kunststoffe entsteht, reduzieren“, sagt Vorstand Stefan Gratzfeld. „Die Läufer gehen jetzt mit hundert Prozent biologisch abbaubaren Luftballons an den Start.“

Gefahr für das Wild? Überbleibsel eines Luftballons in einem Kiefernwald im Heidekreis. Quelle: Gabriele Schulte

Umweltbewusste Menschen aus der Region hätten die Ballonaktion im Vorfeld vermehrt infrage gestellt. Man habe lange nach einer Alternative gesucht und schließlich Ballons aus dem natürlichen Kautschuk des Gummibaums gefunden, die mit Lebensmittelfarbe gefärbt wurden. „Der Verrottungsprozess ist mit dem eines Eichenblatts vergleichbar und liegt bei etwa einem Jahr“, sagt Gratzfeld. Die Veranstalter wollen das im kommenden Jahr überprüfen: Sie haben dafür einen leuchtend grünen Ballon vor dem Celler Schloss zwanzig Zentimeter tief eingegraben.

Elmshorn lässt Schaumherzen schweben

Weiter im Norden, in Elmshorn in Schleswig-Holstein, ist man kürzlich noch weiter gegangen. Das Stadtmarketing sagte dort die wie üblich geplante Aktion mit 500 weißen Luftballons zum jährlichen Lichterfest ab, nachdem Naturschützer diese scharf kritisiert hatten. Kurzfristig zauberten die Veranstalter eine Alternative aus dem Hut: Statt Ballons schwebten weiße Herzen aus Schaum in den Himmel. „Das ist eine innovative und umweltfreundliche, aber nicht weniger romantische Alternative“, meint Manuela Kase vom Stadtmarketing. Die Schaumelemente bestehen aus Seifenlauge und werden mit Helium angereichert, eine vom Hamburger Startup Schaumwolke entwickelte und gebaute Maschine katapultiert sie in den Himmel. „In dem Schaum steckt keine Chemie, den kann man sogar trinken“, sagt Gründer Arne Glage, der von großem Kundeninteresse auch aus Niedersachsen berichtet.

Ballonhändler Folkert Blanke freut sich ebenfalls über gestiegenes Interesse an Alternativen zum Plastik. Seit er 1998 seinen Laden in Leer eröffnet hat, verkauft er ausschließlich Ballons aus in Österreich hergestelltem Naturlatex, mit Bändern aus Baumwolle. „Die Leute sollten sich vor dem Kauf vernünftig informieren“, meint Blanke. „Übers Internet kommt aus China jede Menge mit Chemikalien verunreinigte Ware ins Land.“ Die Argumente von Naturschützern, die auch seine Latexballons als für Tiere gefährlichen Müll ablehnen, lässt der Händler nicht gelten: „Warum sollte ein Hase auf der Wiese Ballonreste fressen?“

Jedes zehnte Stück Müll

Umweltorganisationen halten dagegen. Auch Ballons aus Latex verrotteten, wie Eichenblätter, oft erst nach Jahren, sagt Stefanie Sudhoff, Biologin beim BUND: „Vögel, Fische, Rehe und auch Weidetiere sehen Ballons nicht als Müll an. Viele Tiere verhungern, weil ihnen Ballonreste den Magen verstopfen.“ Vögel könnten sich zudem bis zur Flugunfähigkeit in den Bändern verheddern. Auch Nabu-Sprecher Philip Foth in Hannover meint: „Was als Freude des Augenblicks beginnt, fällt uns allen für Jahre als Problem vor die Füße.“ Wenn in Niedersachsen Ballone aufsteigen, könnten sie durch Wind oder Flüsse schnell im Meer landen: „Wir würden es begrüßen, wenn Gemeinden das Aufsteigen von Luftballons untersagen.“

Auch im Umweltministerium in Hannover sind die Luftballons Thema. Dort wurde kürzlich über Vorschläge der Nationalparkverwaltung Wattenmeer gesprochen. „Bei Sammelaktionen stammt bei uns schon jedes zehnte Stück Müll von einem Luftballon“, sagt Nationalpark-Sprecherin Imke Zwoch. Gerade habe ihr ein Ehrenamtlicher eine Karte aus dem Raum Wilhelmshaven geschickt, wo er erschreckend viele Ballonfunde eingezeichnet habe – Aufdrucke oder angehängte Zettel verrieten nicht selten eine Herkunft aus den Niederlanden oder Nordrhein-Westfalen. Die Nationalparkverwaltung überlegt, an die Standesämter heranzutreten, um über Gefahren aufzuklären. Bei Hochzeitsgesellschaften seien Ballons, die oft sogar zusätzlich Aluminium enthielten, besonders beliebt. Latexballons hält auch Zwoch für keine zufrieden stellende Alternative. „Wir müssen den Leuten aber Spaßalternativen bieten“, meint sie. „Sehr schön sind Riesen-Seifenblasen.“

Von Gabriele Schulte

In Brake im Kreis Wesermarsch sind die Leichen eines 48-Jährigen und dessen Vaters entdeckt worden. Die Polizei ermittelt. Zumindest in einem Fall ist ein Fremdverschulden nicht ausgeschlossen.

20.03.2019

Anwohner entdecken in einem Garten in der Gemeinde Hanstedt ein Krokodil und alarmieren Polizei und Feuerwehr. Doch schnell ist klar: Von dem Tier geht keine Gefahr aus.

20.03.2019

Der Arbeitsmarkt befindet sich im Aufschwung. Die Zahl der niedersächsischen Erwerbstätigen liegt auf dem höchsten Stand seit 1991. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat dennoch Bedenken.

20.03.2019