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Der Norden Zahl der A2-Unfalltoten hat sich mehr als verdoppelt
Nachrichten Der Norden Zahl der A2-Unfalltoten hat sich mehr als verdoppelt
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00:20 28.03.2019
Die Zahl der Unfälle auf der A2 nahm auch 2018 zu – im Januar des vergangenen Jahres verunglückte dieser Lkw bei Lehrte. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Trotz aller Prävention und vermehrter Kontrollen hat es im vergangenen Jahr in Niedersachsen deutlich mehr schwere Autobahnunfälle gegeben. Betroffen ist vor allem die viel befahrene A2. Dort stieg die Zahl der Unfälle mit Personenschaden von 394 auf 478 und die der Getöteten von 11 auf 24. Insgesamt starben 59 Menschen auf den Autobahnen in Niedersachsen im Jahr 2018.

Weiterlesen: Wird der neue Strecken-Blitzer bald auf der A2 eingesetzt?

Zu Unfällen kommt es insbesondere vor Baustellen, wo die Zahl der Fahrstreifen reduziert wird und deshalb der Verkehr stockt. Häufig sind durch Lastwagen verursachte Auffahrunfälle die Ursache. Auch zu hohe Geschwindigkeit oder eine Ablenkung durch das Handy stehen bei den Unfallursachen weit oben. Die Polizei hat alleine 2018 mehr als 25.000 Verstöße festgestellt.

Was bringt schnelleres Arbeiten an Baustellen?

Um die Unfallzahl zu senken, hatte Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) im Mai 2018 unter anderem schnellere Arbeiten in den Baustellen angekündigt. Außerdem sollten weniger Fahrstreifen gesperrt werden. Doch die Maßnahmen des Verkehrsministeriums für eine bessere Baustellensituation und mehr Sicherheit auf der A2 griffen noch nicht optimal, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) bei der Präsentation der Unfallstatistik 2018. „Ein bisschen mehr Wirkung hätte ich mir natürlich erhofft.“

Insgesamt 212.137 Verkehrsunfälle

Die Zahl der insgesamt von der Polizei in Niedersachsen erfassten Unfälle ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 1,95 Prozent auf 212.137 gesunken. Die Zahl der Unfälle mit Verletzten liegt praktisch unverändert bei 32.931, auch die Zahl der Schwerverletzten bleibt mit 6198 nahezu auf Vorjahresniveau. Die Zahl der Verkehrstoten indes stieg landesweit von 403 auf 417. Als Risikogruppe gelten neben jungen Erwachsenen vor allem Senioren. 128 ältere Personen ab 65 Jahren wurden 2018 im Verkehr getötet, einer mehr als im Vorjahr, aber in etwa so viel wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Pistorius appellierte an alle Fahrer: „Es gibt immer mehr Verkehr und Fahrzeuge, der Verkehr wird immer vielschichtiger, und wir haben neue Elemente wie E-Bikes und Pedelecs, das macht es nicht einfacher. Passen Sie darum auf sich und andere so gut wie möglich auf.“

Betrunkene Lkw-Fahrer auf der A7

Keine Rolle spielt in der Statistik das Thema Alkohol. Vor allem in Südniedersachsen geht die Polizei seit einigen Wochen verstärkt gegen Lkw-Fahrer vor, die betrunken am Steuer sitzen. Am Sonntagabend haben die Beamten auf Parkplätzen an der A7 erneut zahlreichen Truckern die Weiterfahrt verboten. Von 264 kontrollierten Fahrern seien 13 so stark alkoholisiert gewesen, dass sie nicht weiterfahren konnten, berichtete eine Polizeisprecherin. Den mit 2,9 Promille höchsten Wert erreichte ein auf dem Rastplatz Harz (Kreis Goslar) kontrollierter Fahrer aus Bulgarien.

Bereits an den beiden Sonntagen zuvor hatten die Beamten an der A7 jeweils mehr als 20 Weiterfahrverbote wegen überschrittener Promille-Grenzen verhängt. Viele der vorwiegend aus Osteuropa stammenden Lastwagenfahrer verbringen die Wochenenden auf Parkplätzen entlang den Autobahnen.

Mehr Unfälle mit Fahrradfahrern

Deutlich mehr Radfahrer starben 2018 auf den Straßen in Niedersachsen. Die Zahl stieg von 48 auf 60 – darunter sind 35 Senioren und fünf Kinder. Seit dem Jahr 2009 gab es nicht mehr so viele getötete Radfahrer in Niedersachsen. Damals waren es 64. Innenminister Boris Pistorius ist trotzdem gegen eine Helmpflicht. Helme könnte viele schwere Verletzungen vermeiden helfen, er setze aber mehr auf Prävention und Aufklärung. Auffällig ist die rasch steigende Zahl der verunglückten Pedelecfahrer, die seit 2015 erfasst werden. Bei 7689 Unfällen mit solchen E-Bikes wurden 19 Menschen getötet (gegenüber 13 im Vorjahr). Betroffen sind vor allem Senioren. „Wir müssen gerade ältere Pedelecfahrer noch intensiver auf die Gefahren aufmerksam machen“, sagte Pistorius mit Blick auf das Tempo, das E-Bikes erreichen können.

Unfälle mit Motorradfahrern

Der stark zunehmende Motorradverkehr aufgrund des langen Sommers 2018 spiegelt sich in der Statistik wider. Die Anzahl der motorisierten Zweiradfahrer, die im vergangenen Jahr auf Niedersachsens Straßen verstarben, ist erneut gestiegen: von 76 auf 87. Betroffen sind insbesondere Fahrer von Motorrädern mit einem Hubraum von mehr als 125 Kubikzentimetern – unter ihnen gab es 73 Tote, das sind zehn mehr als 2017. Innenminister Boris Pistorius betonte, dass es zudem im vergangenen Jahr bei Motorradunfällen mehr als 1000 Schwerverletzte gegeben habe. Das sage noch mehr über die Gefahren aus. Als Hauptgrund für Motorradunfälle gilt zu hohe Geschwindigkeit – vor allem auf Bundes- und Landesstraßen. Das Risiko für Motorradfahrer ist größer, weil das Fahrzeug im Vergleich zum Auto weniger Schutz bietet.

Unfälle mit Kindern und jungen Menschen

Im vergangenen Jahr wurden mehr junge Menschen im Straßenverkehr getötet. Zwölf Kinder bis 14 Jahren kamen 2018 bei Verkehrsunfällen ums Leben und somit fünf mehr (in dieser Altersgruppe) als 2017. Auch bei der Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren gab es eine Zunahme um 5 auf 55 Todesopfer. Von den zwölf getöteten Kindern kamen fünf im Auto ums Leben, fünf auf dem Fahrrad und zwei als Fußgänger. Darunter ist auch ein tragischer Fall aus Hannover, der zu einem stärkeren Ruf nach Abbiegeassistenten für alle Lkw geführt hatte. Im April 2018 war ein Elfjähriger, der mit seinem Rad unterwegs war, von einem abbiegenden Lkw erfasst und tödlich verletzt worden. Im November starb eine 16-Jährige in Burgdorf bei einem Abbiegeunfall, im Januar 2019 eine Elfjährige in Lehrte.

Unfälle mit Bäumen

Die Anzahl der sogenannten Baumunfälle ist in Niedersachsen im vergangenen Jahr erneut gesunken. 3304 Fälle gab es – das ist ein Rückgang um fast 10 Prozent. Laut Innenministerium wurden in diesem Bereich noch nie so wenige Unfälle registriert. Als Grund wird eine bessere Aufklärung der Autofahrer genannt. Die Anzahl der Verkehrstoten nahm um knapp 7 Prozent auf 96 Personen ab. Damit sind jedoch immer noch rund 23 Prozent aller Unfalltoten auf diese Weise ums Leben gekommen. Es handelte sich im Regelfall um Unfälle auf Landstraßen, bei denen die Fahrer aufgrund eines Fahrfehlers, nicht angepasster Geschwindigkeit und anderer Ursachen die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren haben und gegen einen Baum an der Fahrbahn prallten. 2013 noch war Niedersachsen im Vergleich der Bundesländer Spitzenreiter.

Von Marco Seng

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