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Der Norden Urteil zum Kükenschreddern: So reagiert Niedersachsens Politik
Nachrichten Der Norden Urteil zum Kükenschreddern: So reagiert Niedersachsens Politik
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00:21 16.06.2019
Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden: Das massenhafte Töten männlicher Küken bleibt zunächst erlaubt. Quelle: Peter Endig/zb/dpa
Hannover/Leipzig

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, das massenhafte Kükenschreddern vorübergehend noch zuzulassen, hat in Niedersachsen unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die Politik ist sich aber weitgehend einig, dass das Kükentöten so schnell wie möglich beendet werden muss. „Für mich steht schon lange fest: Der Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken der Legelinien muss mit Nachdruck vorangetrieben werden“, sagt Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Sie erwarte von der Geflügelwirtschaft, dass sie sich mehr anstrenge, um die Geschlechterbestimmung im Ei in der Praxis schnell anwenden zu können. Mit dieser Methode sollen künftig die Eier mit männlichen Embryonen beizeiten aussortiert werden. Das Gericht in Leipzig hatte am Donnerstag geurteilt, dass Brutbetriebe bis zur Einführung alternativer Verfahren männliche Küken weiter töten dürfen.

SPD in Niedersachsen fordert Ausstieg

Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Wiard Siebels, begrüßt, dass die Praxis der Kükentötung mittelfristig bundesweit beendet wird. Er sagt allerdings auch: „Die technischen Möglichkeiten zur Geschlechtserkennung im Ei sind längst da, sie sind serienreif und bereits partiell im Einsatz. Wir fordern für Niedersachsen deshalb einen verbindlichen Ausstieg aus der Kükentötung noch in diesem Jahr.“ Die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Karin Logemann betont zudem, dass Landwirte Unterstützung bei der Umsetzung erhalten müssten.

Grüne: „Ein schlechter Tag für den Tierschutz“

Miriam Staudte, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, kritisiert die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. „Heute ist ein schlechter Tag für den Tierschutz in Deutschland. Die Geflügelwirtschaft spielt ohne fixes Ausstiegsdatum weiter auf Zeit“, sagt sie. Staudte fordert Agrarministerin Otte-Kinast auf, jetzt ein Enddatum für das Kükentöten festzulegen. Auch Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbands Niedersachsen, sagt: „Wir hätten uns eine konkretere Entscheidung gewünscht, da das Thema ja bereits seit mehreren Jahren bekannt ist. Jetzt setzten wir alles daran, dass diese Übergangsfrist so kurz wie möglich gehalten wird.“

Der Vorsitzende des Verbands der Geflügelwirtschaft Friedrich-Otto Ripke lobt dagegen die „kluge Entscheidung, die der Realität gerecht wird und der Wissenschaft Zeit gibt, die Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei erfolgreich zum Abschluss zu bringen“. Er sagt aber auch: „Wir wollen lieber heute als morgen aus dem Kükentöten aussteigen.“

FDP: „Dauert schon viel zu lange“

CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Toepffer betont, dass in Niedersachsen seit 2011 keine Küken mehr geschreddert, sondern in Zoos und Greifvogelgehegen verfüttert werden. „Aber auch das kann nur eine Zwischenlösung sein. Wir wollen, dass das Töten männlicher Küken aus allein ökonomischen Erwägungen heraus bundesweit ein Ende hat“, sagt Toepffer. Und auch Hermann Grupe, agrarpolitischer Sprecher der FDP im Landtag, fordert: „Das muss so schnell wie möglich beendet werden, das dauert mir schon viel zu lange.“

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Von Johanna Stein

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