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Der Norden Feuerwehr aus Niedersachsen hilft bei Waldbrand in Lübtheen
Nachrichten Der Norden Feuerwehr aus Niedersachsen hilft bei Waldbrand in Lübtheen
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12:49 12.07.2019
Bei den verheerenden Waldbränden in Mecklenburg-Vorpommern helfen nun 120 Feuerwehrleute aus Niedersachsen. Quelle: Jens Büttner
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Hannover/Lübtheen

Der größte Waldbrand in der Geschichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern bei Lübtheen an der Grenze zu Niedersachsen hält die Rettungskräfte weiter in Atem. Ein Löschen des immensen Feuers sei nicht möglich, nur dessen Eindämmung, sagte Landrat Stefan Sternberg am Montagmittag.

Der Landrat hatte bereits am Sonntagabend den Katastrophenfall ausgelöst. Hunderte Menschen mussten mittlerweile ihre Häuser verlassen, am Montag wurde das Dorf Trebs evakuiert. Am Sonntag musste bereits Alt Jabel geräumt werden – genauso wie ein Kinderferienlager in der Region. Auch die Menschen in Jessenitz/Werk mussten ihre Häuser verlassen. Insgesamt waren 650 Menschen von den Evakuierungen betroffen.

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Munition im Boden rund um den Truppenübungsplatz bei Lübtheen und drehende Winde machen den Feuerwehrleuten zu schaffen. Der Brand hat sich laut Landrat Sternberg inzwischen auf einer Fläche von mehr als 400 Hektar ausgebreitet.

Feuerwehrleute löschen in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel einen großflächigen Waldbrand. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp

Besondere Sorge macht den Einsatzkräften, dass das Gebiet mit alter Munition verseucht ist. Das Feuer befindet sich nach Angaben des Landrats 50 Meter vor dem Truppenübungsplatz Lübtheen entfernt. Dazu kommt, dass der Wind ständig dreht. „Es ist nicht voraussehbar, wie sich das Feuer ausbreitet.“ Immer wieder kommt es zu Explosionen.

Um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen sind zu den etwa 400 Einsatzkräften von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Polizei weitere Hilfskräfte angefordert worden.

Hilfe aus Niedersachsen

Niedersächsische Feuerwehren sind seit Montag an dem größten Löscheinsatz in der Geschichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. Am Montagmorgen um 5:30 Uhr rückte eine niedersächsische Brandschutzeinheit von Scheeßel im Kreis Rotenburg/Wümme nach Lübtheen aus.

Der Trupp besteht nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums aus rund 110 Kräften und 27 Fahrzeugen. Beteiligt sind Züge zur Wasserförderung, zum Wassertransport und für technische Hilfeleistung. Dabei sind nach Angaben von Feuerwehrsprecher Dennis Preißler Einsatzfahrzeuge mit 1000 bis 2000 Meter langen Schläuchen und Pumpen an Bord sowie Löschfahrzeuge mit 3000 bis 5000 Litern Fassungsvermögen.

Die Kreisfeuerwehrbereitschaft war nach Angaben des Sprechers in der Nacht zu Montag um 0:20 Uhr alarmiert worden. Die Feuerwehrleute aus Niedersachsen wurde für zunächst zwei Tage nach Alt Jabel geschickt. Die Einsatzkräfte kamen am Morgen gegen 9 Uhr im Einsatzgebiet an, gegen Mittag erhielten die Brandbekämpfer der Freiwilligen Feuerwehren im südlichen Kreis Rotenburg ihren Einsatzauftrag. Sie sollen frühestens nach zwei Tagen durch die Kreisfeuerwehrbereitschaft im Landkreis Stade abgelöst werden. Planungen für weitere Entsendungen laufen, erklärte das Niedersächsische Innenministerium am Montag.

Hubschrauber bringen Wasserbehälter zum Einsatzort

Außerdem schickt das Land Niedersachsen drei riesige Löschwasserbehälter in das Katastrophengebiet. Sie fassen jeweils 900 Liter und werden von der Bundeswehr mit einem Hubschrauber von der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz in Celle-Scheuen zum Einsatzort gebracht.

Am Sonntag war bereits das Flugzeug des Feuerwehrflugdienstes in Lünburg zur Erkundung über das Gebiet im Nachbarlandkreis geflogen.

Wind steht aus niedersächsischer Sicht günstig

Lübtheen liegt Luftlinie etwa 25 Kilometer östlich von Amt Neuhaus im niedersächsischen Landkreis Lüneburg. In Amt Neuhaus ist der Rauch nach Angaben von Gemeindebrandmeister Dirk Baumann zu sehen. „Aber eine besondere Sicherheitslage wegen des Brandes in Lübtheen gibt es hier derzeit nicht“, sagte Baumann. Der Rauch sei auch nicht zu riechen. Der Wind aus nord-nord-west hält Feuer und Rauch fern.

Mecklenburg-Vorpommern bittet Niedersachsen um Hilfe

Eine Sprecherin des niedersächsischen Innenministeriums in Hannover sagte am Montagvormittag, derzeit werde bei den Bereitschaften der Kreisfeuerwehren in Niedersachsen angefragt, von wo welche Kräfte zur Hilfe ins Nachbarland geschickt werden können. Es habe eine Unterstützungsanfrage aus Mecklenburg-Vorpommern gegeben. 

Allerdings herrscht derzeit auch in mehreren Landkreisen in Niedersachsen akute Waldbrandgefahr. Das gilt auch in den an das Brandgebiet grenzenden Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg. Von dort würden keine Kräfte nach Mecklenburg-Vorpommern entsandt, sagte die Sprecherin.

THW, Bundeswehr und DRK unterwegs nach Lübtheen

Inzwischen sind weitere Kräfte von Technischem Hilfswerk, der Bundeswehr und des Deutschen Roten Kreuzes auf dem Weg ins Brandgebiet. Zwei Löschhubschrauber der Bundeswehr und zwei Hubschrauber der Bundespolizei wurden angefordert ebenso wie weitere Löschpanzer der Bundeswehr. Ein Löschpanzer eines privaten Unternehmens ist bereits seit Sonntagabend im Einsatz.

Ein Polizeihubschrauber erkundet das bewaldete Gebiet bei der Ortschaft Volzrade. Quelle: Bodo Marks/dpa

Im Video: Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern

Nach Angaben des mecklenburg-vorpommerschen Landwirtschaftsministers Till Backhaus (SPD) ist die Lage für die Feuerwehr enorm schwierig. Das Feuer sei an drei verschiedenen Stellen ausgebrochen – es brennt eine Fläche von 430 Hektar, und das Feuer droht sich in dem 4000 Hektar großen Waldgebiet weiter auszubreiten. Das Gebiet sei zudem „munitionsverseucht“, sagte Backhaus. „Wir laufen in eine gefährliche Lage hinein.“ Der Wald bestehe zu großem Teil aus Kiefern. „Das brennt wie Zunder.“

Laut Backhaus ist es „der größte Waldbrand seit Bestehen des Landes Mecklenburg-Vorpommern“. Auch zu DDR-Zeiten habe es einen solchen Brand nicht gegeben.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) erklärte: „Ich gehe davon aus, dass der Einsatz noch lange dauern wird.“ Er appellierte an die Bundesregierung, Mecklenburg-Vorpommern mit dem Brand nicht alleine zu lassen. Niemand solle aus Neugier in das Gebiet reisen, mahnte Caffier.

Dürreperiode droht

Nach dem trockenen Sommer 2018 hat es auch in diesem Juni zu wenig geregnet. Das lässt die Waldbrandgefahr in vielen Teilen von Niedersachsen steigen. So gilt laut Deutschem Wetterdienst in der Lüneburger Heide die höchste Warnstufe.

Lesen Sie auch: Alte Munition explodiert bei Waldbrand bei Eschede.

Von Karl Doeleke und Stefan Bürgel

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