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Digital Abzocke bei Rückruf: So fallen Sie nicht auf Ping-Anrufe herein
Nachrichten Digital Abzocke bei Rückruf: So fallen Sie nicht auf Ping-Anrufe herein
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09:22 17.06.2019
Bei der Displayanzeige +387 handelt es sich um die Landesvorwahl von Bosnien-Herzegowina (00387). Beim schnellen Hinschauen kann man sie leicht mit deutschen Ortsvorwahlen verwechseln, die mit 0387 beginnen. Quelle: : Sebastian Gollnow/dpa
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Köln

Das Telefon klingelt nur kurz. So schnell ranzugehen, schafft kaum jemand. Auf dem Display erscheint ein Anruf in Abwesenheit. Viele rufen jetzt instinktiv zurück. Und tappen so in die Kostenfalle. Dahinter steckt die Masche der Ping-Anrufe.

Betrüger wollen mit diesen Lockanrufen einen Rückruf provozieren – und auf diese Weise Geld machen. Das Ganze funktioniert sowohl über das Smartphone als auch über Festnetz-Anschlüsse. Das Problem: Viele Verbraucher merken gar nicht, dass sie abgezockt werden.

Ping-Anrufe habe eine Vorwahl aus dem Ausland

Wer zurückruft, hört am anderen Ende der Leitung manchmal nichts, legt auf und denkt sich nichts weiter dabei. In anderen Fällen gibt es Bandansagen, etwa zu angeblichen Paketlieferungen. Das Ziel: Den Nutzer möglichst lange in der Leitung halten. Das böse Erwachen folgt bei Vertragskunden dann auf der Telefonrechnung. Prepaid-Nutzer bemerken die Abzocke unter Umständen gar nicht.

Doch Verbraucher können vorbeugen – vor allem, indem sie sich die Nummer des Anrufers genau ansehen. Ping-Anrufe haben fast immer eine Vorwahl aus dem Ausland, erkennbar an einem „+“ oder den Ziffern „00“ zu Beginn der Nummer.

Ping-Anrufen lassen sich leicht mit Städte-Vorwahlen verwechseln

Viele Beschwerden gab es zuletzt vor allem über Anrufe aus Burundi und Tunesien. Die Tücke: Die Vorwahlen der Länder – 00257 und 00216 – ähneln denen von Emsdetten (02572) und Mönchengladbach (02161). So ist es auch bei vielen anderen Vorwahlen von meist eher exotischen Ländern: Sie lassen sich leicht mit Städte-Vorwahlen verwechseln.

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Dazu kommen unabhängige Nummern, die von Mobilfunkanbietern vergeben werden. Sie beginnen häufig mit „+88“. „Diese Nummern erinnern an bayrische Vorwahlen oder 0800er-Nummern“, erklärt Kathrin Körber, Juristin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Der Tipp: Wer einen unbekannten Anruf erhält, sollte die angerufene Nummer in jedem Fall genau prüfen und überlegen, ob man überhaupt einen Anruf erwartet, zum Beispiel auf dem Ausland. „Wenn es wichtig ist, wird sich der Anrufer nochmal melden“, sagt Körber.

Nummer bei Bundesnetzagentur überprüfen

Wer unsicher ist, kann die Nummer auch auf der Website der Bundesnetzagentur überprüfen. Dort sind viele Nummern gelistet, gegen die die Behörde bereits Maßnahmen eingeleitet hat. Wer schon zurückgerufen und die Abzocke bemerkt hat, kann den Anruf auf der Seite der Bundesnetzagentur melden.

Dazu rät auch Rechtsanwalt Christian Solmecke. Denn bei der Masche handele es sich um einen vollendeten Betrug. „Betroffene sind aber nicht verpflichtet, einen solchen Betrug bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft zu melden.“ Möglich sei dies natürlich immer.

iOS 13 schickt Spam-Anrufer direkt zur Mailbox

Apples für den Herbst angekündigtes iPhone-Betriebssystem iOS 13 schickt unerwünschte Anrufe direkt zur Mailbox. Laut Apple wird das für alle iPhone-Modelle ab dem iPhone 6S nämlich nur noch Anrufe von Nummer durchlassen, die in Kontakten, Chats oder Mails gefunden wurden. Alle anderen Anrufe werden zunächst automatisch zur Mailbox umgeleitet. Apple nutzt dabei den Assistenten Siri zur Filterung.

Hintergrund der Neuerung ist der vor allem in den USA massive Zuwachs unerwünschter Anrufe durch Unternehmen oder Betrüger. Googles Android bietet schon seit einiger Zeit auch Filtermöglichkeiten für Spam-Anrufe an.

Apple-Nutzer können bislang unerwünschte Anrufer von Hand blockieren. Dazu ruft man mit einem Tipp auf das „i“-Symbol die erweiterten Informationen eines bestimmten Anrufers in der Anrufliste auf und kann ganz unten auf der folgenden Seite einen Anrufer blockieren.

Eine effektive Strafverfolgung ist allerdings eher selten möglich. Zwar sind bereits Täter gefasst und belangt worden. In den meisten Fällen kommen die Betrüger aber nicht aus Deutschland oder der EU, sondern aus dem außereuropäischen Ausland – das macht die Sache schwieriger für die Ermittler. „Die Betrüger arbeiten häufig mit einem ausländischen Telekommunikationsanbieter zusammen, wobei sich die Vernetzungen im Einzelnen meist schwer nachweisen lassen“, erklärt Solmecke.

Der Rechnung schriftlich widersprechen

Interessanter für den Verbraucher: Ist die Nummer des Ping-Anrufs bereits bei der Bundesnetzagentur gemeldet, gibt es in vielen Fällen ein sogenanntes Verbot der Rechnungslegung. Der Mobilfunkanbieter darf den Kunden für den Anruf dann nichts mehr berechnen.

In so einem Fall sollten Betroffene sich beim eigenen Anbieter melden, der Rechnung schriftlich widersprechen und lediglich einen entsprechend gekürzten Betrag überweisen – oder bereits gezahltes Geld zurückfordern. Steht die Nummer noch nicht auf der Liste der Bundesnetzagentur, gibt es keinen rechtlichen Anspruch. Trotzdem empfiehlt Solmecke, um eine Kürzung des Betrages zu bitten. Häufig seien die Anbieter kulant.

Nummern werden per Zufall generiert oder stammen aus Datenlecks

Ein weiterer Schutz: Für 56 Länder gibt es inzwischen verpflichtende Preisansagen zu Beginn des Gesprächs. Wer zurückruft, wird dann sofort über die anfallenden Kosten informiert.

Doch wie kommen die Betrüger eigentlich an meine Nummer? In einigen Fällen werden die Nummern von einem Computer generiert, dann ist es tatsächlich Zufall, erklärt Kathrin Körber.

Doch immer wieder kommt es auch vor, dass etwa bei Datenlecks abgeschöpfte Daten in die Hand von Betrügern gelangen. Dagegen hilft vor allem, persönliche Daten wie die Telefonnummer oder die Adresse generell nur sparsam preiszugeben.

Von RND/dpa

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