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Digital Bessere Noten dank Whatsapp – geht das?
Nachrichten Digital Bessere Noten dank Whatsapp – geht das?
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14:17 13.05.2019
Der 17 Jahre alter Österreicher Benjamin Hadrigan. Quelle: Lukas Beck/edition a/dpa
Hannover

Benjamin Hadrigan ist wirklich wütend. Für ihn ist das alles nicht einfach irgendein x-beliebiges Alltagsärgernis. Nein, wenn Hadrigan über das Schulsystem spricht, kann der 17-Jährige sich in Rage reden. „Das ist furchtbar“, sagt er dann. Oder: „Das ist erschreckend.“ Dabei müsste sich Hadrigan eigentlich nicht mehr um die Tücken des Schulsystems scheren. Er selbst hat das Problem für sich gelöst. Vor ein paar Jahren noch, zu Beginn seiner Zeit am Gymnasium, war der junge Österreicher noch ein „Schulversager“, der nur schlechte Noten schrieb. Bis er eines Tages beschloss, eine Eins zu schreiben. Eine Lehrerin, so erzählt er es selbst, habe ihn ausgelacht und gesagt, das könne er nicht, er sei zu dumm. Das weckte seinen Ehrgeiz. Mittlerweile schreibt Hadrigan nur noch Einsen, studiert gleichzeitig schon Wirtschaftsrecht und hat nebenbei noch ein Buch geschrieben. Es soll anderen Schülern zu einer ähnlichen Erfolgsgeschichte verhelfen.

Denn das Problem ist nicht der Stoff. Nein, die Ungerechtigkeit, sagt Hadrigan, sei, dass viele Schüler nicht wüssten, wie man richtig lernt. Beibringen würde es ihnen aber auch niemand – weder in deutschen Schulen noch in österreichischen. Stattdessen würden Millionen in die Nachhilfe fließen und die Schüler „zu 70 Prozent die Schule hassen“, wie er sagt. Hadrigan will sie stattdessen dort abholen, wo sie schon sind: in den sozialen Netzwerken.

„#Lernsieg. Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und Whatsapp“ heißt folglich der volle Titel seines Buches. Und darin wird es sehr schnell konkret. Während Pädagogen und Bildungswissenschaftler noch über die Chancen und Gefahren von sozialen Netzwerken im Unterricht diskutieren, erklärt Hadrigan anschaulich ein Lernkonzept, dass er auch schon an zahlreiche Nachhilfeschüler weitergegeben hat.

Zuerst, erklärt Hadrigan, muss man herausfinden, welcher Lerntyp man ist. Behält man etwa mehr, wenn man sich den Stoff durch Bilder visualisiert, ihn mit anderen durchspricht oder etwa hört? Im zweiten Schritt kann man die Stärken der jeweiligen Social-Media-Plattformen nutzen, um den Lernstoff zu verinnerlichen. Während die Ablenkung durch Whatsapp und Co. oft als Ursache für schlechte Schulleistungen gilt, macht Hadrigan sie zu seinem Erfolgsrezept.

Lernen mit dem Social-Media-Trio

Wenn sich der Schüler zum Beispiel auf eine Lateinklausur vorbereitet, dann nutzt er Social Media. Aus dem Schulbuch sucht Hadrigan dazu heraus, was wichtig ist. Im nächsten Schritt erstellt er einen neuen, privaten Instagram-Account, nennt ihn etwa „Latein 13. März“. Als „visueller Lerntyp“ sucht Hadrigan sich dann zum Beispiel im Netz ein Bild von Cicero heraus, lädt es auf Instagram hoch und schreibt die wichtigsten biografischen Fakten dazu. „Wenn man das mit dem ganzen Stoff macht, hat man schon mal einen riesigen Schritt in die richtige Richtung gemacht: Man hat sich mit dem Stoff befasst, hat ihn vereinfacht und strukturiert und an einem Ort gesammelt.“ Mittels Snapchat festigt er das Wissen, dort fragt ihn ein Lernpartner ab. Komplettiert wird das Social-Media-Trio durch Whatsapp, das bei Hadrigan als „administrative Basis“ zum Beispiel zur Organisation von Lerngruppen genutzt wird. Damit das funktioniert und man sich beim Lernen auf Social Media wirklich aufs Lernen konzentriert, müssen die Accounts aber privat sein, sagt Hadrigan. „Das ist ganz wichtig. Man muss sich einen virtuellen Ort erstellen, an dem keine Ablenkung ist.“ Schließlich würde man in der realen Welt ja auch nicht anfangen, auf einem Justin-Bieber-Konzert zu lernen.

Lerninhalte lesen, das Wichtigste zusammenfassen, wiederholen, sich gegenseitig abfragen – das sind keine neuen, bahnbrechenden Erkenntnisse. Früher – vor Social Media – machte man das mit Lernkarten, Schaubildern oder in Lerngruppen. Auch Hadrigan hat zunächst mit Karteikarten gearbeitet, sie dann aber öfters verschlampt und etwa in der Waschmaschine wiedergefunden. Also ist er erst auf Fotos und von dort auf die sozialen Netzwerke umgestiegen. Aus den praktischen Überlegungen ist für Hadrigan inzwischen eine tiefe Überzeugung geworden: „Die Welt hat sich rasant geändert“, findet er – jeder hat nun mal inzwischen ein Smartphone. Warum also nicht den Schülern entgegenkommen, an die Orte gehen, wo sie sich wohlfühlen, die sie bisher aber nur zur Unterhaltung nutzen?

Schlechte Schüler werden durch digitale Medien abgelenkt

Wenn Hadrigan über seine Ideen spricht, tut er das mit einem sympathischen, jugendlichen Eifer. Andere, wie die Medienpädagogin Paula Bleckmann, sind da etwas zurückhaltender. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk sagte sie, man müsste nun eine „Technikfolgenabschätzung“ machen. Heißt, man untersucht wissenschaftlich, ob Social Media beim Lernen wirklich etwas taugen. Dass alles durch Social Media nur besser werde, glaubt Bleckmann jedenfalls nicht. Sie sieht zwar bei älteren Schülern durchaus Potenzial, aber gerade schlechte Schüler würden sehr stark durch digitale Medien abgelenkt. Auch das Alter spielt eine Rolle, zeigt eine Untersuchung der Uni Leipzig: Werden Kinder schon sehr früh mit Smartphones oder anderen Bildschirmen für mehrere Stunden allein gelassen, zeigen sich später Lernschwierigkeiten – vor allem in Mathe.

Für Hadrigan führt dagegen kein Weg zurück. Im Gegenteil: Im Endeffekt, so ist sich der 17-Jährige sicher, wird auch seine Methode nicht alles richten. Denn das Lernen mit Social Media ist quasi nur eine Optimierung für ein völlig veraltetes System. Ein System, das sich seit Jahrzehnten nicht verändert hat. Hadrigan fordert: „Das Schulsystem muss radikal geändert werden.“ Eine Möglichkeit, findet er, könnte zum Beispiel das Lernen mit Videos statt mit Lehrern sein. Seine Wunschvorstellung: eine beinahe komplett digitale Schule.

Benjamin Hadrigan: „#Lernsieg. Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und Whatsapp“. Edition a. 224 Seiten, 20 Euro.

Von Anna Schughart/RND

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