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Nachrichten Digital Der Begriff "Shitstorm" feiert bereits seinen 50. Geburtstag
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14:06 30.04.2013
Der Autor Sascha Lobo behauptet, viel dazu beigetragen zu haben, dass der Begriff "Shitstorm" bekannt geworden ist. Quelle: dpa
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München

Zuletzt traf es Mario Götze und die Deutsche Telekom: Der Fußballer und der Telekom-Riese waren einem "Shitstorm" im Internet ausgesetzt. Als der Fußballer seinen Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Bayern bekanntgab, wuchs die Zahl der wütenden Kommentare auf seiner Facebook-Seite so rasant, dass Götze zeitweise die Kommentarfunktion sperrte. Und die Telekom erntete heftige Kritik und Spott für ihren Plan für Daten-Obergrenzen im Festnetz.

Der "Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets", wie ihn die Duden-Redaktion in ihrem Online-Angebot definiert, sei eine recht neue Erscheinung, darin sind sich die meisten Internet-Nutzer einig. Doch der Begriff ist wesentlich älter als viele denken. Bereits vor einem halben Jahrhundert hat der US-Schriftsteller Kurt Vonnegut das Wortpaar "shit storm" schriftlich niedergelegt, wenn auch mit einer etwas anderen Bedeutung als heute.

Als eine Gruppe von Sprachwissenschaftlern 2011 den "Shitstorm" zum "Anglizismus des Jahres" kürte, sagt der Hamburger Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, der Begriff sei "relativ neu aufgetaucht". Der Internet-Promi Sascha Lobo erklärte im Februar dieses Jahres, er selbst habe wahrscheinlich wesentlich zum Aufschwung des Wortes beigetragen. Im Januar 2010 erstellte Lobo einen Blog-Beitrag über das Phänomen, als Vorbereitung eines Vortrags, den er kurz darauf bei der Internet-Konferenz "re:publica" hielt. Dieser Blog-Eintrag sei der erste zum Thema "Shitstorm" gewesen, meint Lobo. Er selbst habe das Wort "vermutlich im Herbst 2009 aufgeschnappt", erklärt Lobo, ohne näher zu bestimmen, wo das gewesen sein könnte.

Auch im englischsprachigen Raum lässt sich der Begriff zunächst nicht allzu weit zurückverfolgen. Traditionelle Herkunftswörterbücher haben dazu keine Einträge. In der englischen Ausgabe von Wikipedia heißt es, "shitstorm" stehe für eine "chaotische, unangenehme Situation". Als Bezeichnung für Meinungs-Aufruhr im Internet sei das Wort in erster Linie im deutschsprachigen Raum populär geworden, heißt es, und zwar ab dem Jahr 2010. Noch einige Jahre weiter zurück reichen Einträge im amerikanischen Online-Slang-Wörterbuch "Urban Dictionary". Dort taucht der "Shitstorm" eher allgemein im Zusammenhang mit Flüchen auf.

Die wohl früheste schriftliche Erwähnung des Wortes liegt aber etliche Jahrzehnte zurück. Sie findet sich im Roman "Cat’s cradle" von Kurt Vonnegut. Das Erscheinungsjahr ist 1963. In diesem Buch über die Zerstörung der Welt durch eine chemisch-physikalische Superwaffe schildert Vonnegut eine fiktive Religion, die auf einer ebenfalls fiktiven kleinen Karibikinsel von einem Religionsstifter namens Bokonon begründet wurde.

Diese Religion, der "Bokononism", hat einen eigenen religiösen Wortschatz. Dazu gehört der Begriff "pool-pah", über den Kurt Vonnegut schreibt, der fiktive Religionsgründer Bokonon habe zwei Vorschläge für eine Übersetzung ins Englische gemacht: "Wrath of God", also Zorn Gottes, oder "shit storm", was in der deutschen Übersetzung des Buches mit den Worten "Orkan von Scheiße" wiedergegeben wurde. Da ältere schriftliche Belege bislang nicht auffindbar sind, deutet also vieles darauf hin, dass man dieses Jahr den 50. Geburtstag des "Shitstorm" feiern kann.

dpa

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