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Digital „Discovery Tour“: Wenn „Assassin’s Creed“ zum virtuellen Museum wird
Nachrichten Digital „Discovery Tour“: Wenn „Assassin’s Creed“ zum virtuellen Museum wird
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15:40 27.09.2019
„Discovery Tour: Ancient Greek“ Quelle: Ubisoft
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Hannover

Wenn Lehrer von Knossos erzählen, brechen Schüler in der Regel nicht in Jubel aus. Das liegt manchmal auch daran, dass die Lehrmittel fast so antiquiert sind wie ionische, dorische und korinthische Säulen. Im Schulbuch entdecken sie oft nicht mehr als die Bilder schwer zu entschlüsselnder Hieroglyphen.

Besonders anschaulich ist das nicht. Eine bessere Einführung in die antike Kultur wäre es natürlich, einfach durch die Ruinen zu laufen, in Begleitung eines fachkundigen Experten, der alles erklärt. Und noch schöner wäre es, wenn ein Geschichtsschreiber der Antike den Ausflug anmoderiert – Herodot zum Beispiel.

„Discovery Tour: Das antike Griechenland“ sieht aus wie ein modernes Spiel

Genau so eine Tour hat der Historiker Maxime Durand entwickelt. Sie gehört zu den 15 bis 20 Stunden Inhalt der „Discovery Tour: Das antike Griechenland“, einem opulenten Lehrprogramm. Das Attraktive: Es sieht aus wie ein modernes Videospiel, ist aber eher ein virtuelles Museum. Spieler steuern eine zeitgenössische Figur, mit der sie durch die Ägäis reisen, 30 geführte Touren unternehmen und mehr als 500 historische Orte entdecken können. Man könnte fast sagen, das antike Griechenland erwacht auf dem Computerbildschirm zum Leben – es wirkt fast fotorealistisch. An der Küste brechen Wale aus dem blauen Meer, auf der Akropolis streiten Philosophen. Heureka!

Spielefans kennen den Anblick der „Discovery Tour“ bereits. Durand hat sein Museum mit einem kleinen Team von 25 Entwicklern erbaut, die Welt aber haben sie sich von einem Videospiel-Blockbuster geliehen. Der internationale Spielekonzern Ubisoft steht hinter „Assassin’s Creed Odyssey“, einem Actionspiel in der griechischen Antike. In „Assassin’s Creed“ werden Spieler zu legendären Helden, segeln zu den Inseln, plaudern mit Platon und messen sich schließlich mit Sagengestalten wie dem Minotaurus.

„Assassin's Creed Odyssey": Neuer Modus „Discovery Tour"

Spielwelten werden zu Freilichtmuseen

„Die Medusa ist auch bei uns zu finden“, gibt Durand lachend zu. „Ich hoffe, niemand glaubt deswegen, die hätte es wirklich gegeben.“ Durand ist bei Ubisoft ein Vermittler zwischen Spiel und Wissenschaft. Er betreut Spieleprojekte mit historischem Hintergrund, wie die „Assassin’s Creed“-Serie. Hier schlüpfen Spieler in die Rollen pseudohistorischer Geheimagenten. Sie klettern auf Dächer, tauchen in Menschenmassen unter und meucheln im Verlauf eines Spiels gleich mehrere berühmte Tyrannen. Authentisch ist vieles davon nicht, aber die Kulissen werden gründlich recherchiert. So wirkt das Ergebnis auf eine verspielte Art glaubwürdig – ähnlich wie historische Filmaufnahmen, in denen plötzlich Forrest Gump durchs Bild läuft.

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Schon lange hat Durand davon geträumt, diese Spielwelten auch als eine Art Freilichtmuseum zu nutzen. Letztes Jahr hat es dann erstmals geklappt: Aus dem Ägypten-Abenteuer „Assassin’s Creed Origins“ wurde das Lehrspiel „Discovery Tour: Ancient Egypt“. Durand nutzte die Kontakte zu Museen und Experten, um sein Spiel mit Bildern und Fachtexten zu füllen. In Tests mit Schülern ermittelten sie, wie tief die Informationen gehen, und wie lang die Touren seien dürfen, bevor das Interesse nachlässt: „Etwa 20 Minuten“, schätzt Durand. Aber er bemerkte auch, wie gut sich Videospiele als Lockmittel eignen. Kinder würden vor Begeisterung „ausflippen“. Und sie würden bei aller Aufregung auch bei der Sache bleiben.

Echte Vergangenheit oder poppige Fantasieversion?

2018 erschien die „Discovery Tour: Ancient Egypt“. Wer das dazu passende „Assassin’s Creed“-Spiel bereits besaß, bekam sie gratis als Download. Das Programm wurde auch als Einzeltitel für 20 Euro auf dem PC angeboten; es richtete sich ja auch an Nichtspieler. Im Vorfeld war Durand unsicher, ob die Idee funktioniert. Schüler und einige Pädagogen liebten das Konzept, aber war das genug?

Bis heute haben 2,3 Millionen Menschen die „Discovery Tour: Ancient Egypt“ gespielt. Das war genug Erfolg, um eine größere, verbesserte Fortsetzung im antiken Griechenland zu entwickeln. Auch eine multimediale Wanderausstellung in den USA zum alten Ägypten hat Hunderttausende Besucher angelockt.

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Kritik am Konzept gab es auch. Nicht alle Pädagogen finden Bildschirme im Klassenraum angemessen, einige sehen in Videospielen immer noch pauschal eine Zeitverschwendung. Und manche Experten finden den digitalen Nachbau alter Stätten bei unsicherer Quellenlage problematisch. Was wird da am Ende wirklich gebaut? Eine echte Annäherung an die Vergangenheit oder eine poppige Fantasieversion?

„Das Spiel ist eine Quelle“

Den Praxischeck hat Tobias Bürger gemacht, Geschichtslehrer an einer Plauener Oberschule. „Ex­trem gut“ sei die Resonanz gewesen, erklärt er. Die Kinder würden geradezu „in die Geschichte eintauchen“. Kritik an der Authentizität mag er zumindest für den Einsatz im Unterricht nicht gelten lassen. Ihm ist wichtig, dass so eine Tour richtig bewertet und eingestuft wird: „Das Spiel ist eine Quelle“, sagt Bürger. Die Schüler in seinem Unterricht lernen, dass Quellen auch kritisiert und hinterfragt werden müssen.

Auch Durand verteidigt die kreativen Freiheiten: „Die Bronzestatue Athena Promachos ist laut dem Infotext zehn Meter hoch, sie sieht im Spiel aber größer aus. Ich will, dass sich die Spieler fragen, warum.“ Wer sich kritisch umschaut, der findet nicht nur Ungereimtheiten, sondern sogar offizielle Hinweise darauf.

Durand begreift seinen Titel nur als Anfang. Er hat schon an begleitenden Lehrmitteln zur Tour mitgearbeitet, die Lehrer in einem privaten Forum gratis herunterladen können – bisher allerdings noch nicht auf deutsch. Letztendlich will der Historiker die Neugier der Spieler wecken. Wenn das gelungen ist, wüsste Durand noch eine lohnende Entdeckungstour: ins Museum.

„Discovery Tour: Ägypten“ und „Discovery Tour: Das antike Griechenland“ sind für jeweils 20 Euro als Download erhältlich.

Von Jan Bojaryn/RND

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