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Digital „Mario Kart Tour“ im Test: Nintendo bittet zur Kasse
Nachrichten Digital „Mario Kart Tour“ im Test: Nintendo bittet zur Kasse
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18:58 26.09.2019
Nintendo bringt „Mario Kart Tour“ für Android- und iOS-Geräte heraus. Quelle: MarioKartTour - Facebook
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Hannover

Nintendo wird von Spielefans verehrt. Dafür gibt es gute Gründe. Trotz gelegentlicher Fehltritte steht der Name Nintendo wie kein anderer in der Spielebranche für bunte, großzügige und familienfreundliche Unterhaltung. So war das seit Jahrzehnten.

Doch Spiele wie „Mario Kart Tour“ hinterlassen Kratzer in dem Image. Das Spiel erschien am 25. September für Smartphones mit iOS oder Android. Wie die meisten anderen Handyspiele ist es Free to Play – der Start ist gratis, bezahlen muss man für Bonusinhalte in dem Spiel. Und weil Free-to-Play-Spiele mit dem Verkauf solcher Bonusinhalte finanziert werden, stehen die Macher solcher Spiele vor der ständigen Versuchung, ihre Kunden anzubetteln und ihnen funkelnden Klimbim vor die Nase zu halten. Gute Spiele bemühen sich um eine Balance – hier haben Kunden zuerst Spaß, und vielleicht geben sie nachher auch ein paar Euro für virtuelle Accessoires aus.

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Wer mit Mario spielen will, soll 21,99 Euro zahlen

Mario Kart Tour“ dagegen ergibt sich der Versuchung voll und ganz. Spieler bekommen anfangs exakt eine Spielfigur zugelotst, und das ist nicht etwa der von allen Kindern geforderte Mario, sondern der pilzköpfige Toad. Wer als Mario spielen will, der findet ihn, gemeinsam mit anderen Extras, zum „Sonderangebot“ von 21,99 Euro. Auch heiß beworben wird der Gold-Pass. Er soll mehr Belohnungen im Spiel bringen, außerdem schaltet nur der Gold-Pass den höchsten Schwierigkeitsgrad frei. Der Kostenpunkt liegt bei 5,49 Euro – pro Monat.

Damit sind die Investitionsmöglichkeiten aber noch längst nicht erschöpft. Mit virtuellen Rubinen können Spieler das Recht kaufen, an einer Röhre zu ziehen, die dann wie eine Wundertüte irgendeine Belohnung ausspuckt, die Spieler – möglicherweise – auch haben wollten. Die roten Klunker gehen zu Paketpreisen von 2,29 Euro bis 74,99 Euro über die Ladentheke. Außerdem schaffen wechselnde Tagesangebote mit Fahrern und Karts einen ständig nagenden Kaufanreiz. Im Ergebnis blinkt und leuchtet das Spiel wie ein Schaufenster.

Mario Kart Tour Quelle: Jan Bojaryn

Die fehlende Auswahl bei „Mario Kart Tour“ vermiest den Spielspaß

Das ist das Gegenteil von familienfreundlich. Eltern müssen vor solchen Spielen gewarnt werden. Vielleicht kennen sie solche Marktpraktiken schon, von anderen Spielen wie dem Free-to-Play-Shooter „Fortnite“. Aber „Fortnite“ zielt weniger exklusiv auf Kinder, es ist ab zwölf Jahren freigegeben. „Mario Kart“ ist dagegen ab dem Kindergartenalter beliebt, es ist eine Institution in Grundschulen. Statt an dieser Zielgruppe orientiert sich Nintendo aber an den zweifelhaften Marktpraktiken einer oft und zu Recht kritisierten Branche.

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Das eigentliche Spiel ist nicht schlecht – aber doch viel schlechter als „Mario Kart“ auf Spielkonsolen. Die fantasievollen Rennstrecken aus den Originalspielen überleben nur in abgespeckten Versionen mit eher simpler Grafik. Merkwürdigerweise wird das Handy beim Spielen zwingend hochkant gehalten, dabei würde das Querformat mehr Überblick schaffen. Gelenkt wird durch Wischbewegungen nach links und rechts. Das funktioniert zwar, aber andere Rennspiele auf dem Handy haben elegantere Lösungen gefunden. Und pausenlos nagt die fehlende Auswahl der Fahrer und Karts am Spielspaß.

Vielleicht bessert Nintendo nach

Mit diesem Fehlstart ist das Rennen noch nicht entschieden. Bei den Verkaufspraktiken, den Optionen, der Steuerung könnte Nintendo noch nachbessern. Das Spiel ist erst seit dem 25. September erhältlich. Wichtige Inhalte fehlen noch, etwa ein Mehrspielermodus. Vielleicht ist „Mario Kart Tour“ in ein paar Monaten ein ganz anderes Spiel. Aber bis dahin ist es eine Enttäuschung für Fans – und für Eltern Mario-begeisterter Kinder eine Zumutung.

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