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Digital Kinderpornografie: So soll Künstliche Intelligenz den Fahndern helfen
Nachrichten Digital Kinderpornografie: So soll Künstliche Intelligenz den Fahndern helfen
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17:27 05.08.2019
Die Lösung im Umgang mit sensiblen Daten: Die komplette Anonymisierung eines Bildes. Quelle: Microsoft Deutschland
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Hannover

Nach dem jahrelangen und hundertfachen sexuellen Missbrauch auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen rüsten die Ermittler jetzt auf. Ein gemeinsames Projekt von Microsoft Deutschland und der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) der Staatsanwaltschaft Köln will dem digitalen Kinderporno-Problem nun auch digital zu Leibe rücken. Mit KI soll strafrechtlich relevantes Bildmaterial schnell erkannt werden – ohne die strengen rechtlichen Vorgaben bei den Ermittlungen zu verletzen. So darf das kinderpornografisches Material beispielsweise nicht in die Hände Dritter gelangen und Bilder dürfen nicht elektronisch verändert werden.

Die Lösung: Anonymisierung von Bildern

Laut Microsoft ist nun ein weltweit einzigartiges Verfahren erschaffen worden – Anonymisierung soll der Schlüssel zu besseren Ergebnissen der Ermittler sein. Jörg Bartholomy von Microsoft Deutschland erklärt das Verfahren: „Wir haben eine Lösung entwickelt, die es uns erlaubt, die Daten in den Rechenzentren der Polizei und der Staatsanwaltschaft NRW so weit zu abstrahieren, dass das menschliche Auge nicht mehr identifizieren kann, welche Inhalte wirklich zu sehen sind.“

„Es ist nichts mehr erkennbar – keine Szenen, keine Personen“, erklärt Jan Kruse, Architekt für KI bei Microsoft. Sind die Bilder soweit anonymisiert, werden sie in eine Cloud von Microsoft überspielt und dort mit Datenverarbeitungssystem und KI vorab analysiert und priorisiert. „Aus diesen Daten können wir dann einen KI-Analyse-Algorithmus entwickeln, der die Fähigkeit hat, strafrechtlich relevantes Material von nichtrelevantem Material zu unterscheiden“, so Kruse weiter.

Rechtlich abgesichert

Da das Material in den Rechenzentren der Polizei und der Staatsanwaltschaft bereits anonymisiert, aber nicht verändert wird, ist man rechtlich abgesichert. Mit der Anonymisierung der Bilder, ist es dann auch möglich, sie außerhalb geschlossener Rechnersysteme zu verwenden, auf der Cloud von Microsoft.

Somit könne die Polizei zukünftig schnell große Datenmengen analysieren. Am Ende allerdings entscheiden immer noch forensische Experten aus der Vorauswahl der Cloud, ob tatsächlich strafrechtlich relevantes Bildmaterial vorliegt. Dann können sie diese Dateien als gerichtsfestes Beweismaterial sichern.

Laut Microsoft startet nun das „Training“ der Algorithmen. Dafür werden strafrechtlich relevante Bilder anonymisier,t um die Treffgenauigkeit des Programms und damit den Kampf gegen Kinderpornografie zu verbessern. Das KI-basierte Projekt gibt es vorerst nur in Nordrhein-Westfalen.

Kampf gegen Kinderpornografie

Bereits im Juni einigten sich die Innenminister von Bund und Ländern darauf, die vorgesehene Mindeststrafe für den sexuellen Missbrauch von Kindern und für Straftaten im Bereich Kinderpornografie auf ein Jahr anzuheben. Damit würden die Delikte zukünftig als Verbrechen eingestuft. Die Höchststrafe für den Besitz von Kinderpornografie liegt aktuell bei drei Jahren, die Verbreitung von Kinderpornografie bei fünf Jahren.

Problem: Psychische Belastung

Auch ein weiteres Fahndungsproblem löst der Algorithmus: Die psychische Belastung der Ermittler, die sich täglich mit kinderpornografischen Inhalten und Kindesmissbrauch auseinandersetzen müssen, ist enorm. So auch bei drei Beamten, die an der Sichtung des Materials aus Lügde beteiligt waren: Seit Ende Februar sind sie aufgrund der psychischen Belastung dienstunfähig.

Bei dem Material aus Lügde soll es sich um die riesige Datenmenge von 15 Terabyte handeln, das sind mehr als drei Millionen Bilder und gut 960 000 Videos – und nur ein Bruchteil von dem, was im Jahr 2018 in NRW im Zusammenhang mit Kinderporno-Ermittlungen sichergestellt wurde: Zwei bis drei Petabyte, das sind 2000 bis 3000 Terabyte.

Ein Ermittler bräuchte mehr als 2000 Jahre zur Sichtung

Die Westdeutsche Zeitung macht eine erstaunliche Gleichung des LKA auf: Geht man davon aus, dass ein Ermittler eine Sekunde pro Bild braucht, dann hätte er nach neun Monaten lediglich ein Terabyte Daten gesichtet. Ein einziger Ermittler bräuchte somit für die 2018 sichergestellte Datenmenge 1500 bis 2250 Jahre.

Es muss schnell gehen

Wegen dieser Datenflut geraten auch die weiteren Ermittlungen in Verzug. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) schilderte kürzlich die Dramatik des ungleichen Kräftemessens zwischen Pädo-Kriminellen im Netz und den unzureichenden Ressourcen der Fahnder anhand ernüchternder Zahlen: Demnach waren von rund 1900 Verfahren, die Mitte Juni in NRW wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch oder Kinderpornografie anhängig waren, nur zwölf Prozent in der Auswertung. Allein 557 Durchsuchungsbeschlüsse warteten auf Vollstreckung.

Gelingt es den Behörden, Datenträger auf strafrechtliche Relevanz hin auszuwerten, muss es schnell gehen. Denn Beweismittel dürfen nicht unverhältnismäßig lange einbehalten werden: „Andernfalls besteht das Risiko, dass Beweismittel herausgegeben werden müssen, bevor sicher festgestellt ist, ob kinderpornografisches Material auf ihnen enthalten ist“, erklärt Leiter der ZAC NRW, Oberstaatsanwalt Markus Hartmann.

Künstliche Intelligenz als Ermittler

Von der neuen Fahndungshilfe versprechen sich die Ermittler also viel: gewaltige zeitliche Einsparungen, die psychische Entlastung der mit dem Fall beschäftigten Beamten – und nicht zuletzt Rechtssicherheit im Umgang mit dem Beweismaterial. Funktioniert der Feldversuch in NRW, könnte er in Zukunft durchaus auch bundesweit zum Einsatz kommen.

Von Alice Mecke/RND

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