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Digital Streamingdienste: Music to go
Nachrichten Digital Streamingdienste: Music to go
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00:15 29.05.2013
Von Karsten Röhrbein
Mit Streaming-Apps, etwa vom Anbieter Spotify, kann man auch unterwegs übers Internet Musik hören. Quelle: Warren Goldswain (Fotolia)
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Hannover

Für den Preis einer CD einen Monat lang unbegrenzt Musik hören, das klingt verlockend. Kein Wunder also, dass Musik-Streamingdienste in Deutschland immer mehr Abonnenten finden. Bei Spotify und Co. können Kunden gegen eine monatliche Gebühr ganz legal Hunderttausende von Alben und Millionen von Titeln durchstöbern und sie auf dem heimischen Computer, im Büro oder auf den Tablet oder Smartphone abspielen.

Der Markt wächst rasant: Um 40 Prozent legte der Umsatz der Streamingdienste 2012 im Vergleich zum Vorjahr zu. Allein in Deutschland konkurriert etwa ein Dutzend Anbieter um Abonnenten. Neben Napster, dem Telekom-Streamingdienst Musicload Nonstop und Simfy gibt es mit Deezer, Juke, Rdio, Rara, Spotify oder Wimp zahlreiche Alternativen. Demnächst will auch der Suchmaschinengigant Google mitmischen. In den USA startete vor zwei Wochen der Google-Streamingdienst Play All Access, der bald auch in anderen Ländern verfügbar sein soll. Doch wie findet man den passenden Dienst? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Musik-Streaming:

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Was sind Musik-Streamingdienste?

Bei Streamingdiensten kaufen Nutzer nicht mehr einzelne Lieder oder Alben.Nach der Registrierung bekommen sie über das Internet Zugang zum gesamten freigegebenen Angebot des jeweiligen Anbieters. Einzelne Songs, ganze Alben oder individuelle Playlist-Zusammenstellungen können dann beliebig oft abgespielt werden – vorausgesetzt, das Datenvolumen der Internetverbindung ist nicht erschöpft. Beim Streaming wird die Musik  wie beim Internetradio oder den Online-Mediatheken der TV-Sender in kleinen Datenpaketen auf den Computer, das Smartphone oder Tablet übertragen, ohne dass die Titel dauerhaft gespeichert werden. Die Auswahl der Songs, das Erstellen und Verwalten von individuellen Playlists und der Austausch mit anderen Nutzern erfolgt bei den meisten Diensten am Computer über Browser-basierte Menüs. Für Smartphones und Tablets gibt es entsprechende Apps der unterschiedlichen Streamingdienste – allerdings funktioniert nicht jedes Programm auf jedem mobilen Gerät. Wer ein Windows Phone, ein Blackberry oder ein Nokia-Smartphone hat, ist in der Auswahl eingeschränkter als etwa mit einem iPhone oder einem Gerät mit Android-Betriebssystem. 

Ist man beim Musikhören auf eine Internetverbindung angewiesen?

Nicht zwingend. Angebote wie Musicload Nonstop, die Streaming ohne jede Speicheroption anbieten, sind die Ausnahme.  Die meisten anderen Dienste haben abgestufte Abonnements: Wer sich für das Premium-Abo entscheidet, kann die Musik meist nicht nur auf dem PC, sondern auch auf dem Smartphone hören – und dort auch speichern. So kann man auch unterwegs Musik hören, ohne Datenvolumen zu verbrauchen. Bei vielen Anbietern ist die Offline-Speicherfunktion aber auf eine bestimmte Zahl von Titeln begrenzt.

Was kostet Streaming pro Monat?

Funktion, Umfang und Preis der verschiedenen Anbieter liegen dicht beieinander: Für etwa fünf Euro im Monat bekommen Abonnenten Zugriff auf das komplette Repertoire und können es sich auf dem PC anhören. Wer etwas tiefer in die Tasche greift und rund zehn Euro pro Monat in ein Premiumpaket investiert, schaltet die Offline-Funktion frei und kann seine Lieblingsmusik auch lokal speichern – zumindest solange das Abo läuft. Dienste wie Spotify, Wimp, Deezer, Simfy, Juke  etc. können dann auch auf dem Smartphone genutzt werden. Gratis sind die sogenannten Freemium-Modelle: Dabei wird der Stream von Werbeeinblendungen unterbrochen. Allerdings ist die Nutzungsdauer beschränkt: Wer den französischen Dienst Deezer im kostenlosen „Discovery“-Modus nutzt, kann nach Ablauf eines Jahres nur noch zwei Stunden pro Monat Musik hören. Beim schwedischen Konkurrenten Spotify endet diese Frist im Gratistarif „Spotify Free“ nach sechs Monaten: Pro Woche kann man dann nur noch 2,5 Stunden Musik am Computer hören – unterbrochen von Werbung. 

Gibt es versteckte Kosten?

Zusätzliche Kosten können etwa entstehen, wenn das Datenvolumen des Handyvertrags durch Streaming vorzeitig erschöpft ist. Wer den  Rest des Monats nicht im Schneckentempo unterwegs im Internet surfen möchte, muss zusätzliches Volumen bei seinem Netzbetreiber nachkaufen. Handynutzer ohne komfortable Datenflatrate sollten deshalb darauf achten, Musik nicht in der höchsten Qualität zu streamen, da die übertragenen Dateien dann auch am größten sind. Auch wer keine DSL-Flatrate am heimischen PC hat, sollte überlegen, ob es nicht lohnender ist, in ein Premium-Abo zu investieren, um Musik bei Gefallen speichern zu können, statt sie wieder und wieder aus dem Internet abzuspielen.

Wie groß ist die Musikauswahl?

Das Angebot der großen Streaming-Plattformen umfasst nach eigenen Angaben meist etwa 20 Millionen Songs – Tendenz steigend. Doch Masse allein sollte kein Kriterium sein, ein Abo abzuschließen. Um den passenden Dienst zu finden, sollte man deshalb das Angebot nach den Lieblingsbands durchstöbern: Beim in Deutschland mit Abstand beliebtesten Anbieter Spotify findet man neben Popgrößen wie Daft Punk oder Zaz etwa auch kleine Indie-Bands wie Johnny Remember Me aus Hannover. Alben von den Beatles und Led Zeppelin sucht man dort aber vergeblich. Bei der Konkurrenz von Wimp klaffen andere Lücken, dafür kann man dort aber den Backkatalog von Jimmy Page und Kollegen streamen. Überschaubar ist auf den großen Portalen das Klassikangebot. Eine Alternative ist da zum Beispiel die Naxos Music Library (naxosmusic­library.com): Mehr als 85 000 Alben stehen zum Streaming bereit: Nach einer 30-tägigen Probephase kostet ein Monatsabo dort, abhängig von der Soundqualität, 16,50 oder 24,75 Euro.

Was ist neben dem Repertoire der Dienste noch zu beachten?

Die Dienste unterscheiden sich nicht nur in der Optik. Der Anbieter Wimp etwa hat eine eigene Redaktion, die Alben vorstellt und kommentiert. Deezer bietet Nutzern die Möglichkeit, Songs zu mixen. Wie bei Wimp und Deezer kann man sich auch bei Konkurrent Spotify mit seiner Facebook-Kennung anmelden. Wer am PC die Spotify-Software installiert, kann dann sehen, was Facebook-Freunde gerade hören, oder mit ihnen Playlisten austauschen. Anders als bei der spartanischen Browser-Ansicht kann man am PC auch zusätzliche Apps installieren, die etwa den Songtext des gerade laufenden Liedes anzeigen. Da alle Dienste eine bis zu 30-tägige Probephase anbieten, sollten Streaming-Neulinge so viele Anbieter wie möglich testen. Dabei stellt sich dann mitunter auch heraus, ob die von Dienst zu Dienst stark variierende Soundqualität den eigenen Ansprüchen genügt und ob Apps und Browserfenster verständlich aufgebaut sind. Für den einen mag es ausschlaggebend sein, welchen Künstlern man folgen kann (um zu hören, was die gerade so hören), andere legen mehr Wert darauf, Playlisten importieren und exportieren zu können oder die eigene digitale Musiksammlung komfortabel in den Streamingdienst zu integrieren.

Was sind die Nachteile von Musik-Streaming?

Mit den Streamingabos kaufen die Nutzer die Musik nicht, sie erhalten nur eine Nutzungslizenz. Zugang zur Musik haben Verbraucher deshalb nur, solange sie Kunde eines Dienstes sind. Der vielleicht wichtigste Unterschied zum CD-Kauf oder Download ist aber, dass die Künstler pro gespieltem Titel nur Centbruchteile bekommen. Viele unbekanntere Musiker akzeptieren Streaming deshalb nur zähneknirschend: Es mag ein Sprungbrett sein, um schnell bekannt zu werden. Weil es für Nutzer verhältnismäßig preiswert ist, mag es auch eine Alternative zu illegalen Filesharing-Plattformen darstellen. Ehe eine Band aber damit Geld verdient, müssen ihre Lieder in vielen Playlists stehen – und wieder und wieder gespielt werden. 

„Die Wertschöpfungskette einer Musikaufnahme verändert sich mit dem Streaming“, sagt Andreas Leisdon, Sprecher vom Bundesverband Musikindustrie. „Man muss sich die Einnahmen über einen langen Zeitraum anschauen, bislang ist das ein Zusatzgeschäft.“ Zurzeit machen Spotify & Co. mit 36 Millionen Euro nur etwa 2,5 Prozent des Umsatzes auf dem deutschen Tonträgermarkt aus. Rund eine Milliarde Euro (70,8 Prozent) erwirtschaftete die Branche 2012 mit CDs. Das wird aber nicht so bleiben: Während die Einnahmen mit CDs im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent zurückgingen, legten Streamingportale 2012 um 40 Prozent zu. Und ihre Bedeutung wird wachsen. In einer Prognose für das Jahr 2016 geht der Bundesverband Musikindustrie davon aus, dass physische Tonträger, CD, Musik-DVDs und LPs, nur noch 53,5 Prozent des Umsatzes ausmachen werden. Elf Prozent will die Branche dann mit dem Streaming von Musik erwirtschaften, 35,5 Prozent entfallen 2016 demnach auf Downloads von Songs und Alben.

56 Euro geben die Deutschen laut Bundesverband Musikindustrie pro Jahr im Schnitt für Musik aus. Zumindest statistisch. Tatsächlich zahlen 63 Prozent gar kein Geld für Musik. Das könnte sich durch das Streaming ändern. Fraglich ist aber, ob viele Nutzer Spotify und Co. auch künftig hauptsächlich dafür nutzen, um zu entscheiden, welches Album sie im Laden oder als Download kaufen und welches nicht: Die Musikflatrate, das fürchten nicht nur Plattenladenliebhaber, könnte den Albenkauf für das Gros der Hörer unattraktiv machen.

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