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Nachrichten Digital Wie Fake-Accounts Hass in sozialen Medien schüren
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15:49 07.08.2019
Auf Twitter sind verschiedene Arten von Fake-Accounts aktiv. Quelle: AP Photo/Matt Rourke
Hannover

Nachdem ein Mann in Frankfurt eine Mutter und ihr Kind vor einen ICE gestoßen hat, schreibt Gesundheitsminister Jens Spahn auf Twitter eine lange Nachricht. Darin gibt er unter anderem zu bedenken, dass 2019 in Deutschland wesentlich mehr Kinder an Masern als bei „Unfällen“ mit Zügen gestorben sind. Seine Gedanken seien bei den Flüchtlingen, die jetzt „wieder Tag für Tag abwertende Blicke von Einheimischen kassieren“. Die Empörung ist groß – genau wie es geplant war. Denn Jens Spahn hat diese Nachricht nicht geschrieben. Sie wurde gefälscht, mit dem Ziel, so viel Hass wie möglich zu produzieren.

Nach den Verbrechen in Frankfurt und Stuttgart wird in den sozialen Netzwerken besonders viel diskutiert. Oft so heftig, dass man dabei gar nicht mehr von “diskutieren" sprechen kann. Besonders aktiv, das zeigt das “Political Dashboard” der Technischen Universität München, sind dabei Anhänger der AfD. “Sie haben sehr viel mehr zu diesen beiden Hashtags getwittert als die Anhänger anderer Parteien”, sagt Juan Carlos Medina Serrano von der Technischen Universität München. Dabei wird die Wut auch ganz bewusst geschürt. Auf etwa 15 bis 20 Prozent schätzt Medina Serrano den Anteil der sogenannten Fake-Accounts auf Twitter. Ihre Aktivität schwankt - je nach Thema und Ereignis.

Fake-Accounts: Social Bots und Menschen

Dabei muss man zwei verschiedene Arten von Fake-Accounts unterscheiden, erklärt Medina Serrano. Das eine sind die Social Bots – auf Twitter häufiger als auf Facebook zu finden. Sie produzieren automatisch Tweets, retweeten andere, ohne dass ein Mensch ihnen das jedes Mal befehlen muss. Nicht alle Bots wollen Hass verbreiten. Manche hängen an ihre Tweets, die eigentlich dazu gedacht sind etwa ein Medikament zu verkaufen, einfach den derzeit beliebtesten Hashtag dran. Und wenn das eben gerade #Stuttgart ist, dann twittert der Bot eben zu #Stuttgart. Andere haben dagegen die Aufgabe, gezielt Hass und Desinformationen zu verbreiten. Indem sie zum Beispiel viele Nachrichten verbreiten, können sie Themen nach oben pushen, sie künstlich aufblasen. Von wem sie diesen Auftrag erhalten haben, das, sagt Medina Serrano, ist nur schwer herauszufinden.

Lesen Sie hier: Hass im Netz: Wie ein Sonderermittler Internet-Hetzer vor Gericht bringt

Doch die automatisierten Bots sind nur der eine Teil. Daneben gibt es noch die von Menschen betriebenen Fake-Accounts. Dazu zählen Twitter- oder beispielsweise Facebook-Konten, die von einem Menschen gehegt und gepflegt werden, der zum Beispiel vorgibt, jemand anderes zu sein - oder zehn Accounts gleichzeitig betreibt. Darunter zählen aber auch die sogenannten „False Flag“-Aktionen. Das sind Konten, die im wahrsten Sinne des Wortes „unter falscher Flagge segeln“.

False-Flag-Aktionen: Posts unter falscher Flagge

Das ist nicht neu. Solche Manöver gibt es schon seit Jahren - sogar offline. „Dabei wird versucht, mit der Reputation einer anderen Person bestimmte Handlungen zu legitimieren, die man vorhat“, erklärt der Politikberater Martin Fuchs. Ein Beispiel ist das Profil von “Tobias Weihrauch”, einem vermeintlichen Grünen-Politiker, der 2016 forderte, vor der Bundestagswahl noch “so viele Afrikaner und Syrer wie möglich in unser Land zu holen”. Nur: Tobias Weihrauch gibt es nicht, stellten die Grünen damals klar.

Das falsche Facebook-Profil wurde mit “viel Aufwand” betrieben, sagt Fuchs. Das Ziel solcher Accounts sei es, Menschen in ihrem Gefühl zu bestätigen. Denkt etwa jemand “Die Grünen lassen kriminelle Flüchtlinge ins Land”, dann bestätigt der “False-Flag-Account” denjenigen in genau dieser Meinung - lässt ihn sich echauffieren und aufregen.

_Naschkatze88_ gibt es nicht

Auch im Fall von Frankfurt trieben „False-Flagg“-Accounts ihr Unwesen – nicht nur mit dem Namen von Jens Spahn. So enttarnte zum Beispiel ein Faktenfinder-Team der “Tagesschau” einen False-Flag-Twitter-Account. „_Naschkatze88_“ erklärte demnach unter anderem, der tatverdächtige Afrikaner habe noch sein Leben vor sich, mit ihm könne man noch arbeiten. Doch das Profilbild war geklaut, die angebliche Frau hinter dem Account _Naschkatze88_ existierte nicht.

Es sei kein Zufall, dass der False-Flag-Account sich ausgerechnet als junge - vermeintlich naive - Frau ausgegeben habe, sagt Fuchs. Die Urheber der Accounts würden häufig aus dem rechten Lager kommen, aus dem Umfeld von rechten, aktivistischen Bewegungen. Daher würden sie besonders häufig Accounts von Grünen oder sogenannten “Gutmenschen" erfinden. „Ich würde aber nicht behaupten, dass das ausschließlich Rechte tun. Ich glaube, es wird auch von anderen instrumentalisiert", sagt Fuchs. Wahrscheinlich sind sie darin nur nicht so erfolgreich. Denn hinzukommt: “Rechte sind sehr gut darin, diese Accounts in die Breite zu tragen.” Auf diese Weise finden die False-Flag-Posts sehr schnell Verbreitung.

Lesen Sie hier: Können Fake News wirklich Wahlen beeinflussen?

Schutz vor Fake-Accounts: Skeptisch sein

Die Aktionen wollen provozieren und Wut entfachen oder einfach bedienen, sagt Fuchs. “Sie halten ein gewisses Wut- und Frustpotenzial am Köcheln.” Medina Serrano erklärt es so: “Das Ziel der meisten Fake-Accounts in Deutschland ist es, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Am Besten funktioniert das über Destabilisierung - und Hass verbreitet sich in sozialen Netzwerken schneller als andere Inhalte.” Welche realen Auswirkungen die Fake-Accounts haben, sei jedoch schwer zu messen, so der Forscher.

Doch wie kann man verhindern, dass man auf solche Posts hereinfällt? Wie erkennt man sie? Medina Serrano rät Nutzern, besonders bei komplizierten und stark polarisierenden Themen extra aufmerksam zu sein. “Das sind genau die Momente, in denen es mehr Desinformationen gibt.” Politische Parteien dagegen sollten Zeit investieren, um solche False-Flag-Accounts aktiv zu suchen und aufzuspüren, sagt Fuchs. “Normale Nutzer sollten alles im Netz mit einer gesunden Skepsis betrachten.” Besonders bei Posts, die das eigene Weltbild bestätigen, sollte man kritisch sein.

Von Anna Schughart/RND

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