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Hannover Tür der Bahnhofsmission steht immer offen
Nachrichten Hannover Tür der Bahnhofsmission steht immer offen
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00:18 29.04.2019
Scheckübergabe: Regina Domani (links) und Susanne Barner (rechts) vom Inner Wheels Club unterstützen die Bahnhofsmission. Leiterin Andrea Weber (zweite von links) und Kirsten Heinrich sind dafür dankbar. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Da war der 92-jährige Demenzkranke, der sich verirrt hatte und nicht mehr allein in sein Heim in Laatzen zurückfand. Oder die Frau, deren Elektro-Rollstuhl keinen Strom mehr hergab. Oder die diejenige, die beim Sturm Friederike wie viele andere auch unvermittelt in Hannover gestrandet war und die nun dringend ein Medikament benötigte. Da sind die vielen Obdachlosen aus dem Bahnhofsmilieu, die eine Anlaufstelle für Probleme aller Art finden. Und da sind andererseits die Spender, die Kleidung, Schlafsäcke, Nahrungsmittel hereinbringen – und seien es nur, wie in einem Fall geschehen, zwei Pakete Würfelzucker. „Man weiß nie, was kommt, wenn die Tür aufgeht“, sagt Kirsten Heinrich, ehrenamtliche Helferin bei der Bahnhofsmission Hannover.

Hilfe am Gleis als klassische Aufgabe

Zum bundesweiten Tag der Bahnhofsmissionen hat die Einrichtung unter Gleis 14 im Hauptbahnhof eine Bilanz gezogen. „10.000 Menschen sind 2018 zu uns gekommen, das waren im Schnitt mehr als 25 täglich“, sagt Leiterin Andrea Weber. Darunter befanden 4000 Zugreisende, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und Hilfe am Gleis benötigten – eine klassische Aufgabe der Bahnhofsmission. Aber es kamen eben auch 2900 Menschen mit Migrationshintergrund, häufig Südosteuropäer, die Beratung benötigten oder Unterstützung bei der Rückreise. Und es kamen 1900 Menschen mit psychischen Problemen.

„Die Bahnhofsmission leistet eine Arbeit in der Stille, aber sie ist unverzichtbar“, sagt Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. Als ökumenische Einrichtung wird sie von den Kirchen mit 170.000 Euro im Jahr finanziert, dazu kommen 40.000 Euro aus Spenden wie etwa die vom Inner Wheels Club Hannover, der einmal im Jahr sammelt und für den Regina Domani und Susanne Barner am Donnerstag einen Scheck über 5500 Euro überreichten.

Probleme durch Alkohol

„Wir nehmen als erste wahr, was sich am Bahnhof verändert“, sagt Weber. Die Zahl der Hilfesuchenden ist in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. „Was sich aber verändert, ist, dass die Obdachlosen immer älter werden“, erklärt die Leiterin. Außerdem ist die Klientel manchmal nicht mehr so pflegeleicht wie früher – vor allem dann, wenn viel zu viel Alkohol im Spiel ist. Im Notfall hilft die Bundespolizei, mit der die Bahnhofsmission eng zusammenarbeitet.

Eines unterscheidet die Bahnhofsmission von anderen Hilfseinrichtungen – „unschlagbar gute Öffnungszeiten“, erklärt Müller-Brandes. Die Tür steht an 365 Tagen im Jahr offen; werktags von 6.45 Uhr an und am Wochenende von 9 Uhr an jeweils bis Mitternacht. Um das aufrecht zu erhalten, arbeiten fünf Mitarbeiter und 28 Ehrenamtliche für die Station. Verstärkung ist willkommen. Wer sich engagieren will, kann sich unter der Telefonnummer (05 11) 32 01 68 informieren.

Gegründet als Hilfsstation für junge Frauen

Die Bahnhofsmissionen in Deutschland gehen auf die Zeit der Industrialisierung zurück. Damals zogen viele junge Frauen vom Land in die Städte, weil sie Arbeit in den Fabriken finden wollten. Viele von ihnen gerieten an unseriöse Vermittler, die sie in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse oder in die Prostitution zwangen. Ihnen wollten die kirchlich getragenen Einrichtungen helfen.

Die erste wurde 1894 in Berlin gegründet; Hannover kam als Stadt mit Eisenbahnknotenpunkt relativ zügig im Jahr 1896 hinzu. Heute bieten die Bahnhofsmissionen ihre vielfältigen Hilfsleistungen jedem Menschen anonym und kostenlos an.

Eine besondere Leistung ist „Kids on Tour“, das Kindern getrennt lebender Eltern Wochenendbesuche bei Vater oder Mutter ermöglicht. Ehrenamtliche Helfer nehmen sie in Empfang, begleiten sie auf der Reise und liefern sie am Zielort ab. In Hannover geschieht das auf den Strecken HamburgStuttgart und BerlinDüsseldorf. 850 Kindern ist so im vergangenen Jahr geholfen worden.

Von Bernd Haase

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