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Hannover 23-Jähriger greift Stiefvater mit Eiern und Messer an
Nachrichten Hannover 23-Jähriger greift Stiefvater mit Eiern und Messer an
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06:00 26.04.2019
Ömer A. (l.) legte über seinen Verteidiger Holger Nitz ein ausführliches Geständnis ab. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Eine Familienstreitigkeit, die mit Eierwürfen und Messerstichen endete, hat einem jungen Mann am Donnerstag eine Bewährungsstrafe von einem Jahr eingebrockt. Amtsrichter Simon Schnelle sprach Ömer A. der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Der 23-Jährige hatte im Zuge eines ausführlichen Geständnisses über seinen Verteidiger Holger Nitz zugegeben, seinen jetzigen Stiefvater im Zuge einer Auseinandersetzung mit zwei Messerstichen am Oberschenkel und an der Schulter verletzt zu haben. Im Rahmen einer Bewährungsauflage muss A. an einem Modellprojekt des Landes Niedersachsen teilnehmen, das im hannoverschen Mediationszentrum Waage seit 2016 unter dem Stichwort „Restorative Justice Programm“ angeboten wird.

Die Tat spielte sich am 19. März 2018 in und vor einem Mehrfamilienhaus in Badenstedt ab, nachmittags gegen 16.30 Uhr. Dort lebte der Hauptschüler ohne Berufsausbildung mit seiner Mutter in einer Wohnung zusammen. Als sich der 42-jährige Stiefvater – damals noch nicht mit der Mutter des Angeklagten verheiratet – in angetrunkenem Zustand dem Haus näherte, rief ihm Ömer A. zu, er solle verschwinden. Offenbar hegte er eine Aversion gegen den Älteren, weil dieser seine Mutter unter Alkoholeinfluss gelegentlich attackiert haben soll. Doch der 42-Jährige setzte seinen Weg fort, woraufhin ihn A. aus dem ersten Stock heraus mit rohen Eiern bewarf.

Stich war „brandgefährlich“

Die Auseinandersetzung setzte sich – zunächst verbal – vor der Wohnungstür fort, dann verlagerte sich das Geschehen auf den Bürgersteig vor dem Haus. Ein Freund des Angeklagten, so sagte dieser aus, habe dem Stiefvater zunächst Reizgas ins Gesicht gesprüht. Dann habe er diesen mit einem Küchenmesser mit knapp 20 Zentimeter langer Klinge angegriffen, um ihn zu verscheuchen, habe wenig später auch noch selbst das Pfefferspray benutzt. Ein Stich drang 13 Zentimeter tief in den Oberschenkel des Opfers ein; der Stiefvater flüchtete, brach aber nach 50 Metern zusammen.

Der Verteidiger sprach davon, dass der Versuch von A., seine Mutter zu schützen, „völlig nach hinten losgegangen“ sei. Der Stich in den Oberschenkel sei „brandgefährlich“ gewesen; wäre das Messer auf eine Arterie getroffen, hätte das Opfer verbluten können. Unabhängig von dem aktuellen Verfahren sitzt der 23-Jährige derzeit in der Jugendanstalt Hameln eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ab; erst zwölf Tage vor der wüsten Attacke in Badenstedt war er vom Amtsgericht Hannover wegen Drogenhandels und Körperverletzung verurteilt worden.

Aussprache gesucht

Offenbar arbeiten derzeit alle Beteiligten daran, den familiären Frieden wieder herzustellen. Der Stiefvater verweigerte eine Zeugenaussage und wies darauf hin, dass er keinen Wert auf eine Bestrafung von A. lege. Anwalt Nitz erklärte, dass die Familienmitglieder bereits erste Gespräche geführt hätten.

Um diesen Prozess der Annäherung zu vertiefen, muss A. am Restorative Justice Programm teilnehmen. Dies geht über einen klassischen Täter-Opfer-Ausgleich hinaus, bindet das soziale Umfeld – in diesem Fall vordringlich die Mutter – stärker als üblich ein und kann schon während der Haftzeit des Straftäters unter Einbeziehung der Jugendanstalt vorbereitet werden. „Diese Auflage ist wichtig, um die familiäre Situation wieder zu bereinigen“, sagte der Richter. Dass er mit seinem milden – und auch schon rechtskräftigen – Urteil dem Antrag der Verteidigung gefolgt sei, so Schnelle, hänge damit zusammen, dass der Angeklagte mit seinem Geständnis „reinen Tisch“ gemacht sowie den Eindruck vermittelt habe, den Angriff auf den Stiefvater tatsächlich zu bedauern.

Von Michael Zgoll

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