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Hannover Ungelöste Mordfälle: So arbeitet Hannovers neue Cold-Case-Einheit
Nachrichten Hannover Ungelöste Mordfälle: So arbeitet Hannovers neue Cold-Case-Einheit
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00:17 12.06.2019
„Die Einrichtung der Cold Case Einheit ist auch ein Zeichen an die Familien der Opfer“, sagt Lars Wistuba, dem die neue Ermittlungsgruppe untersteht. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Abdrücke von Autoreifen, Folien mit Finger- und Handabdrücken und jede Menge alte Akten – das sind die wichtigsten Arbeitsmittel der Ermittlungsgruppe Cold Case der Polizeidirektion Hannover. Im März haben die sieben Ermittlerinnen und Ermittler innerhalb der Behörde mit ihrer Arbeit begonnen. Sie beschäftigen sich fast ausschließlich mit der Aufklärung lange zurückliegender, unaufgeklärter Tötungsdelikte in der Stadt und dem Umland. Derzeit sind es 83 ungelöste Bluttaten und sechs Vermisstenfälle. Der älteste Fall der Cold Case-Spezialisten datiert auf das Jahr 1951.

„Ein Zeichen an die Familien der Opfer, dass wir nicht aufgeben“

Kriminaloberrat Lars Wistuba ist Leiter der Kriminalfachinspektion 1 bei der Polizei in Hannover. Diese Abteilung kümmert sich unter anderem um die Aufklärung von Kapitalverbrechen. Deswegen ist die neue Ermittlungsgruppe Cold Case auch dort angedockt. Er hat sich lange dafür stark gemacht, eine solche Einheit dauerhaft bei der Behörde einzurichten. „Es ist auch ein Zeichen an die Familien der Opfer, dass wir nicht aufgeben“, sagt Wistuba. Es ist aber gleichzeitig auch ein Zeichen an die Täter, sich nie in Sicherheit zu wiegen, ungestraft davon zu kommen.

Fotostrecke: Das sind Hannovers ungeklärte Mordfälle

Technik der Ermittler ist besser geworden

Einer der Gründe für die Einrichtung einer Cold-Case-Einheit ist die Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten. Jahrzehntelang haben die Kriminaltechniker beispielsweise den Ermittlern erklärt, dass von einem am Tatort gefundenen Haar, dem die Wurzel fehlt, keine DNA-Spuren gewonnen werden können. Das ist jetzt möglich und ändert deshalb unter Umständen die Bewertung mancher alten Fälle.

Eine weitere plausible Rechtfertigung für die Ermittlungen in der Vergangenheit ist das Zeugenaufkommen. „Es vergeht kein Monat, in dem nicht mindestens ein Hinweis auf ein altes Verbrechen bei uns eingeht“, sagt Wistuba. Es melden sich Menschen, die beispielsweise lange ein Geheimnis mit sich herum getragen haben und endlich reinen Tisch machen möchten, aber auch sogenannte Hellseher, die vorgeben, beim Spaziergang im Wald einen Eingebung zu einem bestimmten Verbrechen gehabt zu haben. „Den Hinweisen ist natürlich auch früher schon nachgegangen worden, doch jetzt geht das alles viel gebündelter“, sagt Lars Wistuba.

Psychologen und Profiler helfen bei der Suche

Die Ermittlungsgruppe Cold Case beschäftigt sich mit maximal zwei bis drei alten Fällen parallel. Welche Ermittlungsakten das Team gerade auf den Tischen hat, will der Kriminaloberrat nicht sagen, um Täter oder Mitwisser nicht auszuschrecken. Bei dem neuen, unverstellten Blick auf die Untersuchungsergebnisse der Kollegen ist die Diskussion innerhalb der Gruppe ungemein wichtig. „Polizeiliche Ermittlungen beruhen auf Teamarbeit, das ist anders als im Fernsehen“, sagt Wistuba.

Die Auswahl richtet sich danach, ob die Straftaten zu verjähren drohen. „Bei Totschlag ist das nach 20 Jahren der Fall, deshalb suchen wir die Fälle auch nach diesem Kriterium aus“, sagt der Ermittler. Kommen die Spezialisten der Polizeidirektion Hannover in einem Fall nicht weiter, holen sie sich Hilfe von außerhalb. Beim Landeskriminalamt Niedersachsen stehen dem Team eine Psychologin, die Spezialisten der Kriminaltechnik und die Experten der operativen Fallanalyse, verkürzt gesagt: die Profiler, zur Seite.

Keine zeitlichen Vorgaben an die Ermittler

Bislang haben die Nachforschungen der Cold-Case-Spezialisten noch nicht dazu geführt, dass konkrete Ermittlungen Jahre nach einem Verbrechen wieder aufgenommen werden konnten. Geschieht dies, übernehmen die Beamten der neuen Ermittlungsgruppe auch diesen Fall. „Es ist mir wichtig, dass sie das auch selbst zu Ende bringen, dass sie ihre aktuelle Ermittlungskompetenz behalten und nicht zu einem Verein von Buchprüfern werden“, sagt Wistuba. Deswegen helfen die Cold Case Spezialisten auch von Zeit zu Zeit bei anderen Mordkommissionen aus, wenn dort, in der heißen Anfangsphase, Unterstützung benötigt wird.

„Wir wollen nicht schnellstmöglichst einen Haken an alte Fälle machen, sondern Verbrechen aufklären“, sagt Lars Wistuba. Quelle: Tim Schaarschmidt

Anders als bei regulären Mordkommissionen stehen die Ermittler der Cold-Case-Unit nicht unter dem Druck, schnell Ergebnisse präsentieren zu müssen. Auch haben sie bewusst keine zeitlichen Vorgaben bekommen, nach dem Motto: Wenn in einem Jahr nicht der erste Alt-Fall geklärt ist, wird die Ermittlungsgruppe wieder geschlossen. „Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Wir wollen nicht schnellstmöglichst einen Haken an alte Fälle machen, sondern Verbrechen aufklären“, sagt Lars Wistuba

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