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Hannover Der letzte G8-Jahrgang startet ins Abitur
Nachrichten Hannover Der letzte G8-Jahrgang startet ins Abitur
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20:00 24.03.2019
Motto Zeitreise: Die verkleideten Abiturienten Fabian Siebenthaler, Pauline Tittmann und Mark Chalupa vom Kurt-Schwitters-Gymnasium in Misburg. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

In dieser Woche startet in Niedersachsen der letzte G8-Jahrgang an den Gymnasien ins Abitur. Am Dienstag endet das zweite Halbjahr, viele Abiturienten haben sich mit „Mottotagen“, an denen sie sich verkleideten, vom Schulleben verabschiedet, ehe die Prüfungsphase beginnt. Beliebte Motti in diesem Jahr waren „Helden der Kindheit“, „Länderklischees“ und „Asi-Tage“. Am Donnerstag steht die erste Abiturklausur – in Geschichte –an.

Nach acht Jahren ist dann das Experiment „Turboabitur“ im Land also bald Geschichte. Der erste Jahrgang hatte 2011 das Abitur nach zwölf Jahren gemacht. Niedersachsen ist das erste Land, das konsequent zum Abitur nach 13 Jahren zurückkehrt. Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ziehen nach, in Bayern wird 2024 der letzte G8-Jahrgang verabschiedet.

Das verkürzte Abitur war bundesweit vor allem auf Druck der Wirtschaft eingeführt worden. Die jungen Menschen müssten früher mit dem Studium fertig werden und früher in den Beruf starten, hatten Unternehmer damals argumentiert. In europäischen Nachbarländern sei das doch auch möglich, und in den ostdeutschen Bundesländern kannte man das Abitur nach zwölf Jahren ohnehin schon.

Eltern liefen Sturm gegen „Turboabitur

Doch bei Schülern und Eltern wuchs schnell der Widerstand gegen das „ Turboabitur. Die Integrierten Gesamtschulen machten so viel öffentlichen Druck, dass der damalige Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) von seinem Plan abrückte, auch dort G8 einzuführen. Auch an den Gymnasien wuchs die Unruhe. Eltern beklagten, dass ihre Kinder überlastet seien, die Schulwoche sei länger als eine reguläre Arbeitswoche. Die Schüler hatten bis spätnachmittags Unterricht ohne warmes Mittagessen zwischendurch, ohne dass die Gymnasien damals schon so flächendeckend auf Ganztagsbetrieb umgestellt waren wie heute. Sportvereine und Musikschulen beklagten, dass die Schüler nachmittags keine Zeit mehr für Freizeit hätten. Immer weniger Schüler machten ein Austauschjahr im Ausland, zu groß war die Angst, zuviel Unterrichtsstoff zu verpassen.

Besonders viele Unterrichtsstunden hatten die Zehntklässler, denn in dem Jahrgang wurden alle Fächer beide Halbjahre unterrichtet. Epochalunterricht, also ein Halbjahr Chemie, im nächsten dafür Physik gab es in der zehnten Klasse nicht. 45 Schulstunden die Woche waren keine Seltenheit.

Klagen über „unreife Abiturienten“

Während Eltern von ihren überlasteten Kindern sprachen, wuchs an den Hochschulen und in den Unternehmen zugleich die Kritik an den angeblich unreifen Abiturienten. Das Turboabi habe keine Zeit für Persönlichkeitsbildung gelassen. Unis führten Einführungsveranstaltungen für Eltern ein, in Beratungsgespräche kommen inzwischen oft nicht nur Studienanfänger, sondern auch noch ihre Mütter und Väter mit.

Früher ins Leben starten die G8-Abiturienten auch nicht wirklich. Minderjährige können keine Mietverträge abschließen, für viele Freiwilligendienste muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Viele Abiturienten begannen nicht gleich ein Studium oder eine Ausbildung, sondern gingen erstmal ins Ausland – Schafe hüten in Australien oder Kiwis pflücken in Neuseeland statt Persönlichkeitsbildung in der Schule.

Die Entscheidung der damaligen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) war 2014 ein politisch kluger Schachzug, auch die Lehrerverbände schlossen sich den Forderungen der Eltern und Unternehmen nach und nach an. Die rot-grüne Landesregierung gab den Kindern an den Gymnasien wieder mehr Zeit bis zu Abitur. Monatelang war an einem Runden Tisch auch die Y-Variante oder ein „Abitur der zwei Geschwindigkeiten“ diskutiert worden: Eine Schule hätte dann wahlweise in acht oder neun Jahren zum Abitur führen können oder es hätte reine G8- und G9-Gymnasien nebeneinander bestanden. Am Ende setzte sich der klare Schnitt durch.

Schüler freuen sich über mehr Zeit

Fragt man den Abiturienten des letzten G8-Jahrgang, dann wird deutlich, dass sich viele auch ein Jahr mehr Zeit bis zur Reifeprüfung gewünscht hätten. Sie sagen aber auch, wenn man es nicht anders kenne, denn schaffe man es auch in kürzerer Zeit. Es ist wohl eine Sache der Gewöhnung.

Nach dem Doppeljahrgang 2011, als der erste Jahrgang G8 und der letzte G9 machte, wird es durch die Umstellung 2020 an den Gymnasien - bis auf wenige Ausnahmen – keine Abiturprüfungen geben, 2021 legen dann ersten Schüler wieder nach 13 Jahren ihre Prüfungen ab.

Von Saskia Döhner

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