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Hannover Kunden ärgern sich über Knöllchen auf Supermarktparkplätzen
Nachrichten Hannover Kunden ärgern sich über Knöllchen auf Supermarktparkplätzen
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00:16 27.04.2019
Die Beschilderung am Parkplatz An der Weide ist eindeutig. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

 Es waren nur ein paar kleine Besorgungen, die der 70-Jährige in einem Supermarkt in der Sutelstraße in Hannover-Bothfeld machte. Gerade einmal 15 Minuten war Werner Hartmann (Name von der Redaktion geändert) in dem Laden. Als er wiederkam, hatte er ein Knöllchen am Auto. 24,90 Euro sollte er zahlen, dabei hatte sein doch nur auf dem Parkplatz des Einkaufsmarktes gestanden.

Erst als Hartmann sich mit der Angelegenheit näher beschäftigte, wurde ihm einiges klar: Seit einiger Zeit muss auf dem Supermarktparkplatz eine Parkscheibe ausgelegt werden, darauf weisen Schilder hin. Aber nicht nur dort. Immer mehr Parkplätze von Supermärkten und anderen Geschäften werden im Auftrag der Grundstücksinhaber oder der Verbrauchermarktfirmen von privaten Parkunternehmen überwacht. Das Parken ist zwar kostenlos, wer aber keine Parkscheibe auslegt oder die zulässige Zeit (meist gilt eine Parkzeit von ein bis zwei Stunden) überschreitet, wird zur Kasse gebeten.

Ich fühle mich abgezockt

So wie Werner Hartmann. „Ich fühle mich abgezockt“, sagt er. Dabei hatte Hartmann einfach nur vergessen, eine Parkscheibe auszulegen. Und schon dann wird eine Vertragsstrafe fällig, sagt Referentin Mona Semmler von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Viele Menschen wissen nicht, dass sie sich schon durch die Nutzung des Parkplatzes mit den Nutzungsregeln einverstanden erklären“, betont Semmler.

So benutzt man eine Parkscheibe

Die Scheibe muss so im Auto liegen, dass sie von außen gut sichtbar ist, sagt der ADAC, am besten auf dem Amaturenbrett. Die Parkscheibe laut Paragraph 13 der Straßenverkehrsordnung auf die nächste halbe Stunde nach der Ankunft eingestellt. Wenn also das Auto um 9.02 Uhr abgestellt wird, soll der Fahrer die scheibe auf 9.30 Uhr stellen.

Das Weiterdrehen der Parkscheibe nach Ende der Parkdauer ist verboten. Denn mit der Beschränkung soll erreicht werden, dass möglichst viele verschiedene Autos nacheinander auf einem Parkplatz parken können. Eine Verlängerung der Parkzeit ist dennoch möglich, indem man einmal um den Block fährt und dann sein Auto wieder abstellt. Die Regeln können auf privaten Parkplätzen variieren, dort gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der jeweiligen Parkfirma.

Voraussetzung sei allerdings, dass die Schilder gut sichtbar seien. Meist liegt die Höhe der Vertragsstrafen zwischen 10 und 30 Euro, berichtet Semmler, oft mehr als das Bußgeld bei Parkverstößen auf öffentlichen Straßen. Wer auf einem öffentlichen Parkplatz die Parkscheibe vergisst oder sie falsch einstellt, muss bei einem Verstoß innerhalb der ersten halben Stunde 10 Euro zahlen, erst ab drei Stunden werden 30 Euro fällig.

60 Euro für ein paar Besorgungen

Neben vielen anderen Parkplätzen in Hannover gilt die Parkscheibenpflicht auch vor dem Verbrauchermarktzentrum An der Weide (Südstadt), wo es schon öfter Ärger wegen unberechtigt parkender Autos gegeben hatte. Dort wollte Gabriele Windhorst (Name geändert) vor einigen Wochen in der Mittagspause eigentlich nur ein paar Besorgungen in einem Bioladen machen. Jetzt soll Windhorst fast 60 Euro zahlen, denn zu den 30 Euro Vertragsstrafe, die dort fällig sind, kommt bei Windhorst noch die Gebühr für das Inkassounternehmen, weil sie erst nicht gezahlt hat.

Der Parkplatz wird seit dem vergangenen Jahr von der Firma Park&Control „betreut“, wie es das Unternehmen selber nennt. Durch Fremd- und Dauerparker blockierte Parkplätze seien ein weit verbreitetes Problem, schreibt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. „Private Parkplätze werden zugestellt, und Kunden finden vielfach nicht mehr genug Stellplätze.“ Daher führe Park&Control auf den Parkplätzen einheitliche Parkregeln ein.

Städtische Gebührenkataloge gelten nicht

Die Höhe der Vertragsstrafe ergebe sich aus verschiedenen Komponenten, berichtet die Sprecherin. Eingeschlossen darin seien die Auswahl und qualifizierte Schulung von Mitarbeitern sowie eine klar erkennbare Arbeitskleidung und Arbeitsausrüstung der „Parkraumbetreuer“. Und das Unternehmen stellt klar: „Da von Park&Control betreute Gelände immer in privater Hand sind, sind städtische Gebührenkataloge hier nicht anwendbar.“

Manchmal gibt es aber doch einen Weg, berichtet Verbraucherschützerin Semmler. Denn einige Unternehmen reagierten kulant, wenn Kunden mit einem Einkaufsbon nachweisen können, dass sie zur fraglichen Zeit tatsächlich in einem Geschäft war.

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Von Mathias Klein

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