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Hannover Das Zoo-Panorama läuft miserabel
Nachrichten Hannover Das Zoo-Panorama läuft miserabel
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00:18 17.11.2018
Strahlende Gesichter bei der Panorama-Eröffnung vor einem Jahr: Zoo-Geschäftsführer Andreas Casdorff (rechts) und der Künstler Yadegar Asisi. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Mit einem großen Fest und großen Hoffnungen hatte Zoo-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff vor knapp einem Jahr das Panorama am Zoo eröffnet, aber die hohen Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil: Im ersten Jahr sind so wenig Besucher gekommen, dass Aufsichtsratsmitglieder sogar schon über einen schnellen Ausstieg aus dem Projekt nachgedacht haben, um die Verluste zu minimieren.

Für das riesige Rundumbild des Amazonas hatte der Zoo für das erste Jahr mit 280.000 Besuchern kalkuliert. Nachdem in den ersten drei Monaten jedoch nur 20.000 Besucher in die Rotunde an Meyers Gasthof gekommen waren, korrigierte Casdorff die Zahlen nach unten: Neues Ziel waren dann 200.000 Besucher.

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Auch nach unten korrigiertes Ziel verfehlt

Nach Informationen der HAZ wird aber auch das korrigierte Ziel weit verfehlt. Im Aufsichtsrat wird die Zahl der Besucher für das erste Jahr auf 50.000 bis 60.000 geschätzt. Der Zoo-Geschäftsführer will zu Besucherzahlen nichts sagen und verweist auf eine entsprechende vertragliche Vereinbarung mit dem Künstler Yadegar Asisi, von dem das Bild stammt. Aber auch dem Aufsichtsrat hatte Casdorff in den vergangenen Sitzungen keine Zahlen zum Panorama vorgelegt. Deshalb sind auch die Verluste, die das Rundumbild macht, nicht bekannt.

In der Regionspolitik werden Casdorff Fehler bei der Werbung für das Zoo-Panorama vorgeworfen. Er sei für den miserablen Start verantwortlich, heißt es. Der Kampagne habe der nötige Druck gefehlt. Es sei zudem eine Fehleinschätzung gewesen, dass Zoo-Besucher auch gleichzeitig ins Panorama gingen. Kritisiert wird außerdem, dass es vor der Eröffnung keine Einigung mit den Finanzbehörden über einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz gegeben hatte. Weil das Finanzamt 19 Prozent und nicht 7 Prozent verlangte, startete die Rotunde zunächst mit einem Eintrittspreis von 12,80 Euro, der später auf 11,50 Euro gesenkt wurde.

Bild wird möglicherweise in einem Jahr ausgetauscht

Casdorff überlegt jetzt, das Bild im Panorama auszutauschen. Möglicherweise in einem Jahr könnte er das Regenwald-Motiv durch ein anderes Riesengemälde ersetzen. Vorstellen kann er sich zum Beispiel das Bild Rom im Jahr 312, das bereits in anderen Städten erfolgreich zu sehen gewesen sei. Um das Zoo-Panorama zu beleben, will der Zoo-Geschäftsführer dort jetzt unter anderem eine Konzertreihe etablieren. Außerdem werde derzeit an weiteren Konzepten gearbeitet.

Denn Castorff ist trotz der Rückschläge vom Erfolg des Panoramas überzeugt. „Ich kämpfe weiter dafür“, sagt er. „Und wenn ich umfalle, stehe ich wieder auf.“ Es sei ein bisschen wie bei der Expo: Viele, die sich das Bild angeschaut hätten, würden bedauern, nicht schon früher gekommen zu sein. Zwar sei das Produkt schwer zu vermitteln, es löse aber bei vielen Leuten Begeisterung aus. Es sei jedoch bedauerlich, dass das Rundumbild in Hannover so schwer angelaufen sei.

Von Mathias Klein