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Hannover Landesregierung will härter gegen Gaffer vorgehen
Nachrichten Hannover Landesregierung will härter gegen Gaffer vorgehen
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00:17 24.06.2017
Zahlreiche Autofahrer machen lieber Fotos und Videos an Unfallorten, anstatt selbst zu helfen. Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

Rettungskräfte eilen zu einem Autobahnunfall und quälen sich durch den Stau, weil wieder keine Rettungsgasse gebildet wurde. Gleichzeitig stehen Dutzende Schaulustige am Einsatzort und machen Fotos oder Videos. „Ich finde das Verhalten der Menschen, die solche Bilder machen und posten, schlicht und ergreifend abstoßend“, sagt Innenminister Boris Pistorius (SPD). Aus diesem Grund beteiligt sich die Landesregierung zum Auftakt der Sommerferien zusammen mit anderen Organisationen an der Aktion „Helfen statt Gaffen“.

Kaum Rücksicht auf Opfer

Ziel sei es, die Menschen zum Umdenken zu animieren. „Das Smartphone ist nicht zum Gaffen da, sondern um die 112 zu wählen“, sagt Frauke Engel, Pressesprecherin der Johanniter. Die Hilfsorganisation ist neben dem ADAC, dem Landesfeuerwehrverband, dem Wirtschafts- und Innenministerium sowie der Landesverkehrswacht im neuen Bündnis aktiv. „Es wird kaum Rücksicht auf die Opfer oder das Leid der Angehörigen genommen“, sagt Erwin Petersen, Vizepräsident der Landesverkehrswacht. „Unfallopfer sind häufig schneller im Internet zu sehen, als auf dem OP-Tisch.“

Aus diesem Grund hat „Helfen statt Gaffen“ ein knapp vierminütiges Aufklärungsvideo gedreht, das auf Youtube zu sehen ist und am Mittwoch an der Raststätte Lehrter See vorgestellt wurde. Darin sind unter anderem Lkw-Fahrer zu sehen, die mit ihrem Smartphone ungeniert aus der erhöhten Kabine herausfilmen. „Ich will nicht, dass mein Beruf fremde Menschen unterhält“, sagt Johanniter-Notfallsanitäterin Denise Deni.

Polizei filmt Gaffer

Zudem muss die Feuerwehr immer öfter Unfallorte abschirmen und Gaffer vom Fotografieren abhalten - die Retter fehlen dadurch als Helfer. Karl-Heinz Banse, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, sagt: „Es hilft uns und allen Beteiligten, wenn wir unsere Aktivität auf die Hilfe für die Betroffenen konzentrieren können.“ Sogar Rettungshubschrauber werden behindert. Bernward Franzky, Vorstand für Verkehr beim ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, betont: „Sind sie im Einsatz, geht es zumeist um Leben und Tod.“

Inzwischen filmt die Polizei sogar selbst Gaffer in ihren Autos, um sie später zu belangen. „Es ist überhaupt nicht akzeptabel, wenn aus reiner Sensationsgier und Wichtigtuerei Rettungskräfte behindert werden“, sagt Pistorius. „Das dürfen wir nicht hinnehmen.“ Das Land treibe zurzeit eine Initiative voran, das Gaffen unter härtere Strafen zu stellen.

Doch Pistorius will nicht nur mahnen, sondern auch appellieren. „Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit denen wirklich jeder schnell helfen kann“, sagt er. „Einfache, aber effektive Maßnahmen“ seien das Absetzen eines Notrufs, das Leisten von Erster Hilfe oder das Bilden einer Rettungsgasse.

Von Peer Hellering

Tipps für einen entspannten Urlaubsstart

In vier Bundesländern haben die Sommerferien begonnen. Die Johanniter geben deshalb Tipps, wie der Start in den Urlaub möglichst entspannt gelingt. Lange Autofahrten sollten ausgeruht angetreten werden, außerdem sollten ausreichend Getränke und Essen an Bord sein. Gleichzeitig sollte eine Route ausgearbeitet und genügend Zeit für eventuelle Staus eingeplant werden.

Sind Kinder mit im Auto, raten die Johanniter zur Abfahrt am frühen Abend anstatt in der Mittagshitze. Phasenweise können Spiele, Smartphones und Tablets ablenken, aber bei Pausen sollte sich der Nachwuchs bewegen und toben. Darüber hinaus sollte an ein schnell greifbares „Notfallköfferchen“ mit Ersatzkleidung, Windeln und ähnlichem gedacht werden.

Sollte das Auto wider Erwarten liegen bleiben, müssen der Warnblinker eingeschaltet und das Warndreieck aufgestellt werden – auf Landstraßen etwa 100 Meter entfernt, auf Autobahnen 200.

pah

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