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Hannover Anwalt wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt
Nachrichten Hannover Anwalt wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt
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00:16 09.06.2019
Der Prozess gegen Mitglieder des Hamelner Schießsportvereins wegen Bestechlichkeit begann im Januar 2017. Quelle: dpa
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Hannover

Ein Anwalt aus Hannover, der schon lange als Strafverteidiger tätig ist, sitzt seit Mittwoch selbst auf der Anklagebank. Der 51-Jährige muss sich wegen versuchter Strafvereitelung und Anstiftung zur uneidlichen Falschaussage verantworten. Er soll einem Zeugen im Oktober 2017 kurz vor Beginn eines Bestechungsprozesses am Amtsgericht Hannover – wahrheitswidrige – Tipps gegeben haben, wie dieser eine dubiose Zahlung an einen Hamelner Schießsportverein begründen soll. Ein auf dem Flur wartender Polizeibeamter hörte dieses Gespräch, an dem auch der Mandant des Strafverteidigers teilnahm, jedoch mit. „Ich hatte das Gefühl, dass der Anwalt den beiden eine Aussage in den Mund gelegt hat“, erklärte der Kriminaloberkommissar gegenüber Amtsrichterin Alma Sartorius-Vellguth. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe „mit Nachdruck und Entschiedenheit“.

Kassenwart verurteilt

Hintergrund dieses Prozesses ist der Skandal um den unrechtmäßigen Erwerb von Waffenbesitzkarten, von dem zahlreiche Interessenten zwischen 2013 und 2016 profitiert hatten. Im Juli 2017 wurde Vincenzo B., Ehrenpräsident und Kassenwart des Schießsportvereins Hameln 2000, vom Landgericht Hannover wegen Bestechlichkeit in 37 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt, gegen andere Beteiligte wurden Bewährungsstrafen verhängt. Es folgte eine Prozesslawine gegen die Nutznießer der illegalen Machenschaften. Viele dieser Angeklagten wurden wegen Bestechung verurteilt, weil sie sich gegen Zahlung von Beträgen zwischen rund 600 und 1500 Euro Sachkundeprüfungen, Schießtrainingszeiten sowie Mitgliedschaften bescheinigen ließen, die in dieser Form nur auf dem Papier existierten.

Auch gegen zwei Mitglieder eines Sicherheitsdienstes – mit ihnen sprach der jetzt angeklagte Anwalt im Oktober 2017 auf dem Gerichtsflur – wurde wegen Bestechung ermittelt, später wurden sie verurteilt. Vor dem Sitzungssaal drehte sich das Gespräch auch um ein Dokument, auf dem Beträge von 500 sowie 3500 Euro vermerkt waren. Laut dem Polizeioberkommissar soll der Strafverteidiger den beiden Security-Mitarbeitern gut zugeredet haben, sie sollten behaupten, dieses Geld sei für den Kauf einer Waffe bestimmt gewesen – nicht etwa für falsche Bescheinigungen zu Sachkundeprüfungen oder Vereinsmitgliedschaften, um mehreren Personen auf illegalem Wege Waffenbesitzkarten zu verschaffen.

„Aktiv zugehört“

„Ich habe auf meiner Bank gesessen und aktiv zugehört, aber extra nicht hochgeschaut, um keinen Verdacht zu erwecken“, schilderte der Beamte die Situation im Gerichtsflur. Der Redeanteil des Anwalts sei sehr hoch gewesen, dieser habe mehrere Waffenmodelle erwähnt und Preise genannt. Allerdings habe er höchstens 50 Prozent des Gesprächs und kaum einmal ganze Sätze mitverfolgen können; geflüsterte Passagen seien für ihn gänzlich unverständlich gewesen.

Gegen den angeklagten Juristen war im Juli 2018 ein Strafbefehl über 60 Tagessätze à 150 Euro verhängt worden. Doch mochte dieser die 9000 Euro nicht zahlen und legte Einspruch ein. „Es geht um meine Reputation, ich will einen Freispruch“, machte der Anwalt vor Gericht klar.

Anwalt ist selbst Schütze

Er wolle ja gar nicht in Abrede stellen, so der 51-Jährige, dass der Polizeibeamte einzelne Worte richtig aufgeschnappt habe. Tatsächlich sei er selbst aktiver Sportschütze und kenne sich mit bestimmten Pistolentypen gut aus, doch koste eine von ihm im Gespräch angeblich empfohlene SIG Sauer P226 nur rund die Hälfte der in Rede stehenden 4000 Euro. Keineswegs habe er die ihm schon seit vielen Jahren bekannten Männer 2017 vor Verhandlungsbeginn überreden wollen, vor Gericht falsche Angaben zu machen, sondern das Gegenteil sei der Fall gewesen: Er habe sie von der Schnapsidee abbringen wollen zu behaupten, die 4000 Euro seien für einen Waffenkauf bestimmt gewesen. „Vielleicht habe ich etwas aufgegriffen und wiedergegeben, was die beiden gesagt haben“, erklärte der Anwalt die Wahrnehmung des Polizeibeamten.

Zu den Zeugen, die Richterin Sartorius-Vellguth bereits vernommen hat oder noch vernehmen will, zählen Vincenzo B. sowie eine Staatsanwältin und ein Amtsrichter. Der Prozess wird nach Pfingsten fortgesetzt.

Von Michael Zgoll

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