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Hannover Dachdeckermeister schickt Mitarbeiter auf lebensgefährlichen Einsatz
Nachrichten Hannover Dachdeckermeister schickt Mitarbeiter auf lebensgefährlichen Einsatz
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17:19 01.09.2019
Dachdecker arbeiten naturgemäß in Höhen, die gefährlich sind – wirksame Absturzsicherungen können Leben retten. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Der Chef einer Dachdeckerfirma, der zwei Mitarbeiter auf einen lebensgefährlichen Einsatz schickte und ihre Besorgnis beiseitewischte, hat vom Amtsgericht Hannover einen Bußgeldbescheid von 2000 Euro kassiert. Richter Melle Klinkenborg attestierte dem Dachdeckermeister einen fahrlässigen Verstoß gegen die Unfallverhütungsvorschriften – wie dies zuvor auch die Berufsgenossenschaft (BG) Bau Nord getan hatte, die gegen Stefan W. wegen dieser Ordnungswidrigkeit sogar ein Bußgeld von 2700 Euro verhängt hatte.

Löcher durch Hagelschlag

Der Vorfall ereignete sich im Februar 2018. Der Dachdeckerbetrieb, der westlich der Region Hannover angesiedelt ist und mehrere Dutzend Mitarbeiter beschäftigt, sollte Sturmschäden auf einem Hallendach beseitigen. An einem Wasserablauf hatten sich Abdichtungsbahnen losgerissen, auch war in einem Eternit-Wellplattendach eine Lichtplatte demoliert worden. Diese Schäden wurden an einem Montag behoben – doch dabei stellten Firmenmitarbeiter fest, dass Hagelkörner diverse Löcher in die Eternitplatten geschlagen hatten und viele Schraubenlöcher nicht mehr hinreichend versiegelt waren.

Vier Tage nach dem ersten Einsatz beauftragte der Firmenchef einen Dachdeckerhelfer und einen Auszubildenden, die Löcher auf dem zehn Meter hohen Flachdach zu verschließen. Offenbar wusste Stefan W., dass Eternit-Welldachplatten nicht durchtrittsicher sind – besonders dann nicht, wenn sie längere Zeit Wind und Wetter ausgesetzt waren. Häufig schon sind Arbeiter in solchen Platten eingebrochen und zogen sich bei dem darauf folgenden Absturz schwere oder gar tödliche Verletzungen zu. Deshalb erteilte der Meister seinen Mitarbeitern den Auftrag, vier 4,50 Meter lange und 25 Zentimeter breite Laufbohlen mitzunehmen und auf das Dach zu legen, um ihr Körpergewicht besser zu verteilen.

Seil und Winde fehlten

Doch müssen vorschriftsmäßige Laufbohlen 50 Zentimeter breit sein und können Abstürze durch eine Plattendecke hindurch auch nicht hundertprozentig verhindern. Abgesehen davon sahen sich die Mitarbeiter außerstande, die Latten über ihren zweistufigen Zuweg – eine sechs Meter hohes Nebengebäude und die nochmals vier Meter höhere Halle – überhaupt nach oben zu schaffen. Denn sie hatten weder Seil noch Winde dabei, auch fehlte ein persönlicher Anseilschutz. Auf dem Dach gab es an den Außenseiten keine Absturzsicherungen, unter die Eternitplatten hatte die Firma keine Auffangnetze spannen lassen.

Weil dem Dachdeckerhelfer die Situation allzu bedrohlich erschien, rief er um 8.30 Uhr seinen Chef an und teilte ihm mit, dass er die Reparatur auf diese Weise nicht ausführen könne. Doch das beeindruckte W. in keiner Weise. „Ich will nicht wissen, was nicht geht. Ich will wissen, was geht“, blaffte er seinen Mitarbeiter an. Und dann folgte die glasklare Anweisung: „Das wird heute fertig gemacht. Egal wie.“

Stopp nach anonymem Anruf

So begann der Gehilfe, zur besseren Lastenverteilung auf einem kleinen Brett kniend, mit dem lebensgefährlichen Löcherstopfen. Doch nach einer Stunde wurde er erlöst: Ein anonymer Anrufer hatte die Berufsgenossenschaft über das bedrohliche Szenario informiert, und deren Mitarbeiter unterband die Arbeiten auf der Stelle.

Richter Klinkenborg stufte die Einlassungen des Firmenchefs, er habe seinen Mitarbeitern am frühen Morgen eine Sicherheitsunterweisung zuteil werden lassen, als Schutzbehauptung ein. Zudem hatte W. den Inhalt des Telefonats auch gar nicht bestritten und die Absturzsicherungen für entbehrlich erklärt. Der Dachdeckerhelfer arbeitet inzwischen nicht mehr in diesem Betrieb – und ist froh, den lebensgefährlichen Einsatz auf dem Hallendach unbeschadet überstanden zu haben.

Von Michael Zgoll

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