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Hannover E-Rollstuhlfahrer wegen Trunkenheit im Verkehr verurteilt
Nachrichten Hannover E-Rollstuhlfahrer wegen Trunkenheit im Verkehr verurteilt
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00:19 15.04.2019
Der 66-Jährige rollte im motorisierten Krankenfahrstuhl in den Gerichtssaal. Quelle: Thomas Nagel
Hannover

Der Radfahrer glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Auf der vierspurigen Hildesheimer Straße, südlich der Kronsbergstraße in Laatzen, kam ihm in dunkler Nacht gegen 21.30 Uhr auf den für Autos vorgesehenen Fahrspuren ein elektrischer Krankenfahrstuhl entgegen, auf der falschen Seite. Eine andere Zeugin berichtete der Polizei wenig später, der Fahrer des nur schwach beleuchteten Gefährts habe zudem mehrere rote Ampeln ignoriert.

Zum Glück stieß dem 66-Jährigen, den eine Streifenwagenbesatzung wenig später stoppen konnte, an jenem 7. November 2018 nichts zu, auch verursachte er keinen schweren Unfall, bei dem andere zu Schaden kamen. Allerdings ermittelten die Beamten bei dem schwer kranken Mann in jener Nacht einen Blutalkoholwert von 2,4 Promille, und so bekam der im Stadtteil Burg wohnende O. einen Strafbefehl über 30 Tagessätze à 10 Euro zugestellt – wegen Trunkenheit im Verkehr.

Trinken mit Bekannten

Weil der 66-Jährige Einspruch einlegte, kam es diese Woche zu einem Prozess vor dem Amtsgericht. Der Mann mit dem Schwerbehindertenausweis rollte mit eben dem Krankenfahrstuhl in den Gerichtssaal, mit dem er auch fünf Monate zuvor auf der Hildesheimer Straße unterwegs war; in seinem vor dem Lenker montierten Korb steckte dieses Mal aber nur eine Flasche Apfelschorle. Wie er Strafrichter Koray Freudenberg erklärte, habe er an jenem Abend im Kreis von Bekannten eine halbe Flasche Wein getrunken, aber dann müsse wohl jemand Hochprozentiges nachgefüllt haben.

Der Richter schaute etwas ungläubig und erinnerte den Mann daran, dass er schon einmal wegen Trunkenheit im Verkehr verurteilt wurde. Im Juni 2015 war der von Grundsicherung lebende Mann auf seinem motorisierten Krankenfahrstuhl mit 1,55 Promille nahe seiner Wohnung in Burg erwischt worden. Wie Freudenberg erläuterte, wird der Nutzer eines solchen Gefährts bei einer Trunkenheitsfahrt strafrechtlich ähnlich wie ein Radfahrer behandelt, nicht wie ein Autofahrer.

Nach einigem Hin und Her zog der Rollstuhlfahrer seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Den Betrag von 300 Euro darf der Senior nun aber in Raten von 10 Euro pro Monat abstottern.

Von Michael Zgoll

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