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Hannover Ex-Häftling will in seine alte Wohnung zurück – und verklagt den Vermieter
Nachrichten Hannover Ex-Häftling will in seine alte Wohnung zurück – und verklagt den Vermieter
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16:13 09.08.2019
Der klagende Ex-Mieter war beim jüngsten Verhandlungstermin im Amtsgericht nicht anwesend - obwohl das Gericht sein persönliches Erscheinen angeordnet hatte. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Ein eigenwilliger Mietstreit beschäftigt derzeit das Amtsgericht Hannover. Ein Mann, der viereinhalb Monate im Gefängnis verbracht hat, möchte zurück in seine alte Wohnung in Linden-Mitte – doch die ist inzwischen weitervermietet. Er behauptet, ihm sei nicht rechtmäßig gekündigt worden und will die 54 Quadratmeter große und 390 Euro teure Wohnung im 3. Obergeschoss partout zurückbekommen. Im Zuge mehrerer gerichtlicher Verfahren hat er bereits vier einstweilige Verfügungen gegen den Vermieter beantragt, doch dieser beharrt darauf, dem Ex-Häftling ordnungsgemäß gekündigt zu haben.

Mit Tochter zerstritten

Was den Fall noch ungewöhnlicher erscheinen lässt: Die neue Mieterin ist die 21-jährige Tochter des Klägers, die mit ihrem Vater offenbar total zerstritten ist. Ex-Mieter und Vermieter haben im Laufe der vergangenen Monate zwei eidesstattliche Erklärungen abgegeben – doch eine von beiden muss falsch sein.

Vom Erdboden verschluckt

Wie der Wohnungseigentümer Zivilrichterin Dagmar Frost schilderte, sei sein damaliger Mieter im Herbst 2018 plötzlich wie vom Erdboden verschluckt gewesen. Er habe erst Monate später erfahren, dass der alkoholkranke Mann in der Justizvollzugsanstalt Sehnde saß. Als er die Lindener Räumlichkeiten um den Jahreswechsel herum inspizierte – mithilfe der Tochter, die einen Schlüssel besaß –, sei er über den Zustand seines Eigentums entsetzt gewesen. „Ich habe inzwischen einige 1000 Euro investiert, um die zertrümmerte Wohnung instand zu setzen“, sagte der ältere Herr vor Gericht.

Tätlich angegriffen

Weil sein Mieter verschollen war, schrieb der Vermieter eine Kündigung und teilte dies dem Sozialamt mit, das bis dato die Mietzahlungen übernommen hatte. Ab Januar 2019 wurden diese Überweisungen eingestellt, gleichzeitig schloss der Eigentümer mit der Tochter des Häftlings (die sich derzeit in der Ausbildung befindet) einen neuen Mietvertrag. Doch als der Vater im März aus dem Gefängnis entlassen wurde, wollte er zurück in seine Lindener Heimstatt – was ihm der Vermieter verwehrte. Inzwischen sei er von dem Mann schon zweimal tätlich angegriffen worden, berichtete der Senior; seine Anwältin wusste zu berichten, dass „Schergen“ des Ex-Mieters im Haus bereits Erkundigungen über die neue Mieterin eingezogen hätten.

Kein Unbekannter bei Gericht

Der Kläger ist bei Gericht kein Unbekannter, geriet bislang vor allem wegen Ladendiebstählen mit dem Gesetz in Konflikt. Derzeit soll der Mann obdachlos sein und häufig in einem Männerwohnheim in Vahrenwald übernachten. Obwohl die Richterin das persönliche Erscheinen des Ex-Mieters angeordnet hatte, ließ er sich nicht im Gerichtssaal blicken.

Vergleich auf Widerruf

Schlussendlich konnte Dagmar Frost die Parteien zum Abschluss eines Vergleichs auf Widerruf bewegen; der Kern ist, dass der frühere Mieter die Kündigung anerkennt. Sein Anwalt versprach, auf seinen Mandanten einzuwirken, den Verlust seiner Wohnung endlich zu akzeptieren. Sollte sich der Ex-Häftling nicht darauf einlassen, so die Richterin, werde sie seine jüngste eidesstattliche Versicherung – deren Wahrheitsgehalt ihr zweifelhaft erscheint – an die Staatsanwaltschaft weiterleiten. Sollte dies wiederum strafrechtliche Ermittlungen nach sich ziehen, dürfte der Kläger keine Prozesskostenhilfe mehr bekommen – und damit wäre der Prozessmarathon gegen seinen früheren Vermieter dann auch beendet.

Von Michael Zgoll

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