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Hannover Fußgänger bringt Radler zu Fall – und muss zahlen
Nachrichten Hannover Fußgänger bringt Radler zu Fall – und muss zahlen
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08:00 23.03.2019
Zu einem erneuten Zusammentreffen der beiden Streithähnen im Amtsgericht kam es nicht - der Fußgänger war verhindert. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Der Umgang von Verkehrsteilnehmern mit ihresgleichen ist manchmal recht ruppig, und gelegentlich beschäftigen solche Ruppigkeiten auch die Justiz. Jüngst musste sich Amtsrichter Simon Schnelle mit einem handfesten Streit in Hemmingen befassen: Ein Fußgänger, 60 Jahre alt, hatte einen 66-Jährigen von seinem Rad gestoßen. Die beiden waren an einem Augustvormittag des Vorjahres aufeinander getroffen, auf einem Schotterweg am Rande des Ricklinger Holzes. Der Jüngere hatte einen Hund bei sich und fühlte sich von dem Radler offenbar bedrängt; als dieser an ihm vorbeirollte, versetzte er ihm – so die Darstellung des Opfers – einen so heftigen Schubser, dass dieser stürzte. Sein unbehelmter Kopf, so der 66-Jährige, sei knapp neben einem Baumstumpf am Wegesrand aufgeschlagen. Verantworten musste sich der Fußgänger nun wegen Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Zu der anberaumten Verhandlung erschien der Angeklagte nicht, nach Angaben von Verteidiger Rolf Bubikat hinderte ihn die schwere Erkrankung eines Familienmitglieds am persönlichen Erscheinen. Nach einem Gespräch unter den Verfahrensbeteiligten stellte Richter Schnelle das Verfahren schließlich ein – gegen Zahlung einer Geldauflage von 400 Euro. 200 Euro wandern in die Landeskasse, 200 Euro gehen an den Radler. Der hatte sich bei dem Sturz das Bein aufgeschürft, außerdem wurden Bremse, Scheinwerfer und Flaschenhalter seines Gefährts in Mitleidenschaft gezogen.

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Versteckspiel in Hemmingen

Eigentlich wäre es ja gar nicht seine Sache, sagte der 66-Jährige am Rande des Prozesses, jemanden anzuzeigen. Doch das eigenwillige Verhalten des Hundehalters nach der Attacke auf dem Spazierweg habe ihm keine Wahl gelassen. Dieser bot ihm zunächst 10 Euro an, um die Sache aus der Welt zu schaffen, doch der Radler hielt aufgrund seiner Schürfwunden und der Beschädigungen am Rad 50 Euro für angemessen. Daraufhin sei man zum Haus des 60-Jährigen gegangen, der dann aber nicht hineinkam – angeblich, weil er seinen Schlüssel vergessen hatte.

Weil die versprochene Zahlung ausblieb, schaute das Opfer gelegentlich am Domizil des Fußgängers vorbei. Irgendwann stellte sich heraus, dass der Jüngere gar nicht in dem angegebenen Haus wohnte und der Geschädigte ständig an der falschen Tür geklingelt hatte. Doch weil eines schönen Tages der Hund des 60-Jährigen im Nachbarhaus laut bellte, kam der Radfahrer dem aggressiven Hemminger schließlich doch noch auf die Schliche. Und so verschafften ihm seine Beharrlichkeit und die Einstellungsauflage des Amtsgerichts letztlich eine Entschädigung von 200 Euro – nicht zu viel für so viel Ärger.

Von MIchael Zgoll

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