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Hannover Hochemotionaler Prozess um Kratzer auf Autolack
Nachrichten Hannover Hochemotionaler Prozess um Kratzer auf Autolack
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00:15 01.04.2019
Einige Kratzer auf dem Lack des roten Nissan haben die hintere rechte Tür beschädigt. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Die Angeklagte weinte schon vor Prozessbeginn, hemmungslos, eine Viertelstunde lang auf einem der Flure des Amtsgerichts. Ihr Vater und ihr Lebensgefährte konnten die 52-Jährige kaum beruhigen. Dabei ging es in dem Verfahren um kein Kapitalverbrechen, sondern nur um den Vorwurf, in Misburg-Süd das Auto eines Rentners bei zwei Gelegenheiten an verschiedenen Stellen zerkratzt zu haben. Am Ende einer sehr emotionalen Gerichtsverhandlung stellte Richter Simon Schnelle das Verfahren ein. Der Wahrheitsgehalt der Aussagen der psychisch angeschlagenen Angeklagten war ebenso schwer einzuschätzen wie die Glaubwürdigkeit des 79-jährigen Geschädigten, der einen altersverwirrten Eindruck machte. Ursprünglich war die Misburgerin per Strafbefehl zu einer Zahlung von 600 Euro verurteilt worden, doch die auf ihrem Einspruch basierende Einstellung pulverisierte diese Bestrafung.

Laut Anklage soll die 52-Jährige die Türen eines roten Nissan Almera, der dem zwei Häuser weiter wohnenden Rentner gehört, in Oktober und November 2018 mit einem Schlüssel zerkratzt haben. Das will der Mann vom Balkon seiner Wohnung beobachtet haben. Doch trotz intensiver Befragung konnte sich der 79-Jährige an nichts anderes mehr erinnern – nicht mehr an Streitereien mit der jüngeren Frau (die er noch bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte), nicht mehr an Details der Sachbeschädigung. Stattdessen behauptete er, der Schaden an seinem – sehr betagten – Fahrzeug liege bei 20.000 bis 25.000 Euro, erzählte von seiner Liebe zu der Angeklagten, die er mit Blumen beglückt habe, drohte sie aber auch zu erschlagen, wenn sie seinen Nissan noch einmal zerkratze. Eine Werkstatt hatte die Reparaturkosten auf rund 1000 Euro taxiert.

Überraschender Vorwurf

Die Stimmungslage der Angeklagten wechselte zwischen Weinkrämpfen, ungläubigem Gelächter und heftigen Anwürfen angesichts der Aussagen des 79-Jährigen, untermalt von dem immer wiederkehrenden Satz: „Ich war’s nicht.“ Später überraschte die 52-Jährige, die vom Richter mehrfach zur Ordnung gerufen werden musste, Verfahrensbeteiligte und Publikum mit der Behauptung, der Rentner habe sie vor einem Monat vergewaltigt. Tatsächlich soll die Polizei in diesem Fall bereits ermitteln – doch noch ist unklar, ob in diesem schwerem Vorwurf auch nur ein Fünkchen Wahrheit steckt. „Der Mann ist total verknallt in mich“, offenbarte die Angeklagte dem Gericht, „den kriege ich überhaupt nicht mehr von der Backe.“ Auffällig fand Richter Simon die Tatsache, dass sie den Anhörungsbogen zum ersten Tatvorwurf genau an dem Tag ausfüllte und unterschrieb, als der Rentner sie erneut beim Beschädigen seines Autos gesehen haben will – war sie so wütend ob der Anschuldigungen, dass sie tatsächlich Hand an den Nissan legte?

Ob der unübersichtlichen Gemengelage blieb Schnelle im Einklang mit der Staatsanwaltschaft schließlich nichts anderes übrig, als das Verfahren einzustellen. Einen guten Rat hatte er aber noch für die 52-Jährige parat: „Was immer in Ihrer Straße passiert ist – halten Sie sich vom Wagen Ihres Nachbarn fern.“

Von Michael Zgoll

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