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Hannover Spedition verkauft Tchibo-Retouren direkt vom Lkw
Nachrichten Hannover Spedition verkauft Tchibo-Retouren direkt vom Lkw
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18:32 07.08.2019
Firmenchef Eduard M. (l.) soll in die Unterschlagung der Tchibo-Retouren verstrickt sein. Sein Verteidiger Jean-Peter Gutschalk wehrt sich dagegen, dass die von einer privaten Detektei aufgenommenen Filme und Fotos vor Gericht verwendet werden dürfen. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Der Inhaber einer Spedition aus Langenhagen und sein Geschäftsführer mussten sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Hannover wegen Unterschlagung verantworten. Eduard M. (43) und Viktor S. (42) sollen Retouren der Firma Tchibo – Kleidung, Elektrogeräte, Haushaltswaren und Dekoartikel – auf einem Industriegelände direkt von der Lkw-Laderampe herunter an private Abnehmer verkauft haben.

Die Produkte stammen aus verschiedenen Filialen des Hamburger Einzelhandelsunternehmens. Tchibo hatte das Fuhrunternehmen mit der Abwicklung dieser Retouren beauftragt. Bei fünf Käufern wurden später zum Schnäppchenpreis erworbene Tchibo-Produkte sichergestellt, auf der Anklagebank landete schließlich auch die 40 Jahre alte Hauptabnehmerin.

Auch Käuferin muss Geldbuße zahlen

Nach einem Verständigungsgespräch zwischen Amtsrichter Koray Freudenberg und den drei Verteidigern erließ das Gericht gegen den Geschäftsführer einen Strafbefehl von 90 Tagessätzen à 40 Euro, das Verfahren gegen die Frau wurde gegen Zahlung einer Geldbuße von 600 Euro eingestellt. Der Prozess gegen den Firmenchef aber wird in drei Wochen fortgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft listet in der Anklageschrift acht zwischen dem 16. Mai und dem 14. Juni 2017 begangene Taten auf, der Schaden soll 2710 Euro betragen. Tchibo hatte einen Tipp bekommen, dass die Spedition krumme Geschäfte mache, und hatte daraufhin eine Detektei beauftragt, die verdächtigen Unternehmer observieren.

Tatsächlich wurden zwei Detektive fündig: Sie lieferten eine Reihe von Filmen und Fotos, die den Verkauf der Tchibo-Produkte frei von der Lkw-Ladefläche weg dokumentieren. Zu sehen ist, wie Ikea-Tüten, Tragetaschen und Mülltüten mit im Einzelfall unbekanntem Inhalt an die Kunden – meist war die 40-jährige Frau beteiligt – übergeben wurden. Zu erkennen ist auch, wie die Käufer ihre Geldbörsen zückten und den Speditionsmitarbeitern Scheine in die Hand drückten.

Detektive machten Aufnahmen

M.s Verteidiger Jean-Peter Gutschalk machte klar, dass sich der Firmenchef nicht auf einen Deal und einen mit einem Schuldeingeständnis verbundenen Strafbefehl einlassen werde. Sein Mandant wolle freigesprochen werden – auch, um seine berufliche Existenz als Fuhrunternehmer nicht zu gefährden. Aus diesem Grund verlas der Anwalt eine Erklärung, wonach die von den Detektiven aufgenommenen Bilder nicht als Beweismittel eingeführt werden dürften.

Es sei nicht zulässig, so Gutschalk, Verdächtige auf einem Privatgrundstück rund um die Uhr mit einer Kamera zu observieren. Die Überwachung sei von keinem Richter angeordnet worden, und die Verwertung der Tonspur sei ohnehin unrechtmäßig.

Richter Freudenberg wies darauf hin, dass Filme und Fotos auch ohne Ton überaus aussagekräftig seien – abgesehen davon werde er beim nächsten Sitzungstermin am 28. August zum Antrag des Anwalts Stellung beziehen.

Dann kommt vielleicht auch zur Sprache, wie die mutmaßlichen Betrüger ihre Taten verschleiern wollten. Denn laut Angaben eines Tchibo-Sprechers waren die meist noch original verpackten Produkte ausgelaufener Wochenwelt-Kollektionen keineswegs zur Vernichtung bestimmt, sondern sollten im Onlinegeschäft oder – zu einem späteren Zeitpunkt – in den Läden des Filialisten erneut in den Verkauf kommen.

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