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Hannover Verschwundene Matratzen beschäftigen die Justiz
Nachrichten Hannover Verschwundene Matratzen beschäftigen die Justiz
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09:00 05.04.2019
Rocco D'Agostino beharrt darauf, nur zwei Matratzen bekommen zu haben.
Rocco D'Agostino beharrt darauf, nur zwei Matratzen bekommen zu haben. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Rocco D’Agostino ist empört. Seit fast anderthalb Jahren regt sich der ehemalige Wirt des (inzwischen nicht mehr existierenden) Ristorante la Calabrisella aus der Südstadt darüber auf, dass er für vier Matratzen zahlen soll. Bestellt habe er beim Otto-Versand, so schwört der 68-Jährige Stein auf Bein, jedoch nur zwei, die habe er selbstredend auch bezahlt. Geliefert wurden ihm am 24. November 2017 allerdings vier. Angeblich. Es gibt zwei Lieferscheine, einen von 9.19 Uhr und einen von 9.21 Uhr. Fatal für D’Agostino: Offenbar hat er beide gegengezeichnet, auch wenn die krakeligen Namenskürzel recht unterschiedlich ausfallen. „Ich dachte, ich unterschreibe für jede der beiden bestellten Matratzen einzeln“, verteidigte er sich am Dienstag vor Amtsrichter Adrian Kramer. Der nannte den Fall „kurios“ und sprach von einem Rätsel: „Ich habe keine Ahnung, wo die überzähligen Matratzen gelandet sind.“

Einmal per Vorkasse gezahlt

Zunächst hatte D’Agostino Mitte November 2017 zwei Federkernmatratzen über sein altes Bestellkonto bei Otto geordert, 1 x 2 Meter und 1,40 x 2 Meter groß. Doch weil dieses Konto nach der Aufgabe des italienischen Restaurants in der Alten Döhrener Straße nicht mehr gültig war, richtete ihm das Versandunternehmen ein neues ein. Der Wirt bezahlte per Vorkasse 659,98 Euro, alles schien glatt zu laufen.

Am 24. November, es war ein Freitag, trugen ihm zwei Hermes-Boten die beiden Matratzen in den Flur seiner Misburger Wohnung. Völlig verblüfft war der 68-Jährige, so seine Schilderung, als er kurze Zeit später eine weitere Rechnung über 650,93 Euro zugeschickt bekam, für zwei exakt gleich große Matratzen des gleichen Herstellers. „Wir sind doch nur zu zweit, wozu brauche ich vier Matratzen?“, lautete seine rhetorische Frage während der Verhandlung. Außerdem habe man die Lieferung der Irrläufer-Sendung über das Konto abgewickelt, das angeblich gesperrt sein sollte – das sei doch auch nicht erklärlich. Nun werde er seit Monaten mit Zahlungsaufforderungen und Mahnschreiben bombardiert, klagte D’Agostino, und dies gehe ihm – der eh schon gesundheitlich belastet sei – erheblich an die Nieren.

Vergleich abgelehnt

Der Zivilrichter wog alle Möglichkeiten ab. Hatte der Otto-Versand etwas falsch verbucht? Rissen sich die Hermes-Fahrer zwei Matratzen unter den Nagel? Oder landete die Ware doch im Haushalt der D’Agostinos? Einen Vergleichsvorschlag, 440 Euro zu zahlen, lehnte der frühere Wirt entschieden ab: „Warum soll ich für etwas bezahlen, das ich nie bekommen habe?“ Doch musste er sich von Kramer belehren lassen, dass er aufgrund seiner Unterschriften auf den Lieferscheinen in der Hinterhand ist: „Sie müssen beweisen, dass Sie die zwei in Rede stehenden Matratzen tatsächlich nicht bekommen haben.“

Immerhin will das Gericht weitere Anstrengungen unternehmen, den mysteriösen Fall zu klären. So möchte Kramer nun noch die Ehefrau des Beklagten als Zeugin laden, möglicherweise auch die Hermes-Fahrer. Ein Satz des Richters aber hat schon jetzt Gültigkeit, über ein späteres Urteil hinaus: „Man sollte immer nur das abzeichnen, was man wirklich geliefert bekommen hat.“

Von Michael Zgoll