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Hannover „Im Zweifel für den Angeklagten“: Rechtsanwalt wird vor Gericht freigesprochen
Nachrichten Hannover „Im Zweifel für den Angeklagten“: Rechtsanwalt wird vor Gericht freigesprochen
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20:23 13.06.2019
Der angeklagte Anwalt konnte das Amtsgericht mit einem Freispruch in der Tasche verlassen. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Ein 51 Jahre alter Strafverteidiger aus Hannover ist am Donnerstag am Amtsgericht vom Vorwurf der versuchten Strafvereitelung und der Anstiftung zur uneidlichen Falschaussage freigesprochen worden. Richterin Alma Sartorius-Vellguth sprach in der Urteilsbegründung davon, dass zwar erhebliche Zweifel geblieben seien, ob der Anwalt einen Zeugen kurz vor einer Gerichtsverhandlung nicht doch zu einer unwahren Aussage überreden wollte. Doch seien die Beobachtungen des Hauptbelastungszeugen so bruchstückhaft gewesen, dass sich damit keine Verurteilung begründen lasse: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Auch der Staatsanwalt hatte – ebenso wie der Angeklagte selbst – auf Freispruch plädiert.

Der Hauptbelastungszeuge war ein 45-jähriger Kriminaloberkommissar, der im Oktober 2017 auf einem Flur des Amtsgerichts am Volgersweg ein Gespräch des Verteidigers mit einem Mandanten und einem Zeugen belauscht hatte. Dieser Mandant war wegen Bestechung angeklagt, musste sich wie Dutzende anderer Beteiligter vor Gericht verantworten, weil er sich von korrupten Mitgliedern eines Hamelner Schießsportvereins gefälschte Sachkundebescheinigungen sowie Papiere über Mitgliedschaften und Schießtrainingszeiten erkauft hatte. Mit diesen falschen Dokumenten kamen die Käufer in den Besitz von Waffenbesitzkarten. Der Drahtzieher aus dem Schießsportverein wurde später wegen Bestechlichkeit in 37 Fällen zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt; der damalige Mandant des jetzt freigesprochenen Anwalts kassierte eine Geldstrafe von 160 Tagessätzen à 20 Euro.

Nicht alles mitgehört

Laut dem Kriminalbeamten soll der Verteidiger dem Zeugen 2017 nahegelegt haben, die Geldzahlungen an den Hamelner Schießsportverein mit dem Ankauf einer Pistole zu begründen, nicht mit dem Erwerb gefälschter Papiere. Doch stellte sich in der Verhandlung heraus, dass der Polizist höchstens 50 Prozent des Gesprächs auf dem Gerichtsflur mitgehört hatte. Der angeklagte Anwalt sagte aus, er habe die beiden Security-Mitarbeiter von der Idee einer Falschaussage abbringen wollen, nur in diesem Zusammenhang seien die Namen von Waffenherstellern gefallen.

Richterin Sartorius-Vellguth hörte im Zuge des Prozesses auch noch andere Zeugen an, darunter eine Staatsanwältin und einen Amtsrichter. Doch niemand konnte beweiskräftige Angaben zum Tatvorwurf machen, so dass der Freispruch die logische Konsequenz war.

Von Michael Zgoll

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