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Hannover Drogenabhängige bestiehlt Seniorinnen in Klinik
Nachrichten Hannover Drogenabhängige bestiehlt Seniorinnen in Klinik
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12:41 28.12.2017
Der Platz auf der Anklagebank ist Jana R. bestens vertraut. In ihrem Vorstrafenregister finden sich 31 Einträge. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

 Fünf Monate ist es her, dass zwei Seniorinnen  in der Sophienklinik bestohlen wurden. Einer Patientin wurden aus einer Schublade in ihrem Krankenzimmer in der Dieterichsstraße ein Paar Goldohrringe im Wert von 500 Euro, ein Mobiltelefon und eine Handtasche mit Papieren und 35 Euro Bargeld entnommen. Einer anderen kamen aus einem Schließfach Handtasche und 30 Euro abhanden. Besonders unverfroren ging die Täterin, die 38-jährige Jana R., am Folgetag in einem nahegelegenen Altenpflegeheim des Henriettenstifts vor. Dort stahl sie aus einem Nachttisch ein Nagelpflegeetui, während sich die Bewohnerin im Badezimmer aufhielt. Am Donnerstag verurteilte das Amtsgericht R. wegen Diebstahls zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten; einbezogen wurde eine vorherige Verurteilung wegen des Stehlens mehrerer Flaschen Whiskey in einem Südstädter Supermarkt.

Polizei fand noch mehr Diebesgut

Die Opfer der gewerbsmäßig handelnden Täterin waren zwischen 80 und 90 Jahre alt. Bis auf das Bargeld haben die Seniorinnen das Diebesgut wieder ausgehändigt bekommen, aber der Schock über das Eindringen von Jana R. in Klinik und Pflegeheim wirkt noch nach. Aufgrund einer genauen Personenbeschreibung war die drogenabhängige Täterin schnell gefasst worden. In ihrer Wohnung fand die Polizei noch weiteres Diebesgut, darunter ein Damenfahrrad, einen DVB-T-Receiver, ein Handy und einen Rucksack.

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In der Verhandlung bei Amtsrichter Hendrik Nee gestand die schwer verstehbare und schläfrig wirkende Angeklagte die Taten ein.  Seit ihrem 17. Lebensjahr kommt R. mit dem Gesetz in Konflikt, hat bereits 31 Einträge in ihrem Vorstrafenregister stehen. Es ist die klassische Beschaffungskriminalität, mit der die kokain- und tablettenabhängige Frau ihre Sucht zu finanzieren versucht, doch wurde sie auch schon wegen Beleidigung, Sachbeschädigung und Schwarzfahren verurteilt.

Nickerchen bei Urteilsverkündung

R. hätte sich nicht wundern dürfen, wenn in dem Prozess am Donnerstag eine Haftstrafe ohne Bewährung herausgekommen wäre. Doch Richter Nee nahm ihr ab, dass sie ab Januar einen stationären Drogenentzug beginnen will, schrieb dies auch als Auflage in den Bewährungsbeschluss hinein. Ob Jana R. dieses Entgegenkommen zu schätzen weiß und es wirklich ernst meint mit ihrem Therapieversprechen, muss sich aber noch erweisen. Fest steht, dass die 38-Jährige während der Urteilsbegründung mehrmals einnickte und nur die Hälfte der richterlichen Ermahnungen und Hinweise mitbekam. 

Von Michael Zgoll