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Hannover Tennisstar Anna-Lena Grönefeld erzählt vom langen Weg zum Glück
Nachrichten Hannover Tennisstar Anna-Lena Grönefeld erzählt vom langen Weg zum Glück
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00:21 06.06.2019
Pause in Hannover, dann reiste Anna-Lena Grönefeld zum nächsten Turnier nach Paris. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Die jüngsten Stationen im beruflichen Leben von Anna-Lena Grönefeld, 34, lesen sich wie Auszüge aus den Top-Ten-Angeboten einschlägiger Reiseveranstalter. Zunächst Madrid, gefolgt von einer Woche in Rom (leider viel Regen), und nun: Paris. Dort hat am vergangenen Montag Roland Garros begonnen, das Grand-Slam-Turnier ist eine der bedeutsamsten Adressen im Tennissport. Zwei Wochen lang spielen Profis um insgesamt 42 Millionen Dollar Preisgeld. Grönefeld, einst als Wunderkind beschrieben, tritt im Doppel und im Mixed an. Die rote Asche dort liegt ihr. Vor fünf Jahren hat sie das Turnier mit ihrem Partner gewonnen, vor zwei Jahren stand sie, wieder im Mixed, im Finale.

Die Tage zwischen den Turnieren in Italien und Frankreich verbringt Grönefeld in Hannover. Hier lebt sie mit ihrem Mann, obwohl etliche Sportmillionäre Monte Carlo bevorzugen, wegen der schönen Betonburgen, auf keinen Fall wegen niedriger Steuersätze. Zu Hause ist Erholung angesagt. „Ausruhen, die neue Wohnung einrichten, Verwandte besuchen.“ Eine Verabredung zu treffen, war unkompliziert. Kein Manager steht dazwischen, keine Agentur mischt sich ein um zu diktieren, worüber nicht gesprochen werden soll. Worüber Anna-Lena Grönefeld nicht reden will, sagt sie später selbst. Sie kommt in Jeans, Sweatshirt und Turnschuhen, keine Extravaganz. Auf den Sitzschalen des Centercourts beim DTV Hannover lächelt sie freundlich und professionell in die Kamera.

Schule und Profisport vertragen sich nicht

Anna-Lena Grönefeld, gebürtig aus Nordhorn, spielt seit mehr als 15 Jahren Profitennis. Zu Beginn ihrer Karriere galt sie als mögliche Nachfolgerin der Jahrhundertspielerin Steffi Graf. Kleiner hatten es manche Experten und Medien nicht. Sie nahm das nie ernst. „Nee, damals war ja jede, die gut in der Jugend war, gleich immer die neue Steffi.“ Grönefeld war sehr gut in der Jugend. Sie gewann das Juniorinnenturnier in Roland Garros und verließ das Gymnasium mit Mittlerer Reife. Professioneller Sport und Schule vertrugen sich nicht. „Und ich wollte es auf jeden Fall probieren.“

Mit 17 Jahren zog Grönefeld nach Scottsdale, Arizona, ins Trainingscamp des Spaniers Rafael Font de Mora. Sportlich war der Wechsel vom beschaulichen Nordhorn in die USA ein Erfolg. Die junge Frau spielte so erfolgreich, dass die Weltrangliste sie im April 2006 auf Platz 14 im Einzel führte. In Paris erreichte sie das Viertelfinale. Grönefeld war zu diesem Zeitpunkt erst 20 Jahre alt und nun erst recht ein Versprechen für die Zukunft. Dann kam der Rückschlag, der schließlich eine Befreiung war. Monate nach ihrer besten Platzierung warf Font de Mora seine Schülerin aus dem Camp, nachdem sie bei den US Open in New York in Runde eins verloren hatte. Die Nordhornerin, die viele als zurückhaltenden Menschen beschreiben, wurde noch mehr zu einer öffentlichen Person.

Der Spanier entpuppte sich als Mann von fragwürdigem Charakter. Ein renommierter Tennis-Journalist charakterisierte ihn als „barschen Schleifer“ und ordnete seine Lehre Methoden zu, die an ein „militärähnliches System von Befehl und Gehorsam“ erinnerten. Grönefeld möchte heute nicht mehr über diese Zeit sprechen. Einige Monate nach dem Rauswurf jedoch beschrieb sie ihren Ex-Trainer als eine Art Manipulator, der ihr suggeriert habe, nur mit ihm allein könne sie erfolgreich sein. Drill, keine Elternbesuche, Gewichtskontrollen. Das Training in Scottsdale brachte Siege, „doch das Leben dort war schrecklich, ich habe unter ihm nur noch wie eine Marionette funktioniert“. Der Preis für außergewöhnlichen Erfolg war persönliches Unglück. Die Trennung wirkte nach, persönlich wie sportlich, in der Rangliste ging es bergab.

Verzicht auf die Königsdisziplin

Alles, was Anna-Lena Grönefeld danach wollte, war ein glückliches Leben zu führen. Sie fing sich, die Ergebnisse wurden besser. Doch Jahre später, mit 26, jung für eine Profispielerin, fand sie Zufriedenheit nicht mehr alleine auf dem Platz. Grönefeld beschloss, kein Einzel mehr zu spielen und nur noch bei Doppelwettbewerben anzutreten. „Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht. Und wenn man keine Freude hat, kommen auch keine guten Ergebnisse. Doppel habe ich immer gerne gespielt. Ich mag es, gemeinsam auf dem Platz zu stehen und zu kämpfen.“

Gab es nie ein Bedauern, die Karriere im Einzel, der Königsdisziplin, so früh aufgegeben zu haben, mit einem Talent, das sie zu den besten Spielerinnen der Welt gemacht hatte? Nein, sagt Grönefeld, sie habe ja gewusst, was sie abseits des Platzes tun musste, um ganz oben mitspielen zu können, all das Training und der Verzicht. „Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist.“ Auch das ist ja eine Kunst: nicht verbissen an etwas festzuhalten, von dem man sich innerlich längst verabschiedet hat. Und im Doppel läuft es bis heute gut. Ein Wimbledonsieg im Mixed und Halbfinals stehen in der Bilanz. Mit ihrer Partnerin Demi Schuurs bildet sie derzeit eines der zehn besten Doppel, mit Glück reicht es am Jahresende für das WM-Turnier.

Doch mit 34 stellt sich die Frage, wie lange sie noch um die Welt fliegen will. Irgendwann möchte sie eine Familie gründen, und klar ist, dass die Karriere beendet ist, wenn ein Baby kommt, „es soll ja zu Hause aufwachsen“. Pläne für einen Job gibt es noch nicht, etwas im Sport kann sie sich vorstellen. Aber noch immer ist da die Sonnenseite des Lebens, die Grönefeld auf Instagram postet. Bilder aus allen Winkeln der Erde, vom Eiffelturm, Wolkenkratzern in Dubai, Siegerehrungen und den Mädels aus der Nationalmannschaft.

Aus Rom, wo der Weg ins Finale führte, stellte sie ein Foto ins Netz, das sie strahlend vor einer Pizza sitzend zeigt, deren Belag sehr nach irgendetwas Überbackenem aussieht, dazu ein Glas Weißwein. Alkohol zum Sport? . „Ja, warum nicht?“, fragt Grönefeld. Wenn das der Spanier wüsste!

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Von Gunnar Menkens

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