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Hannover Jörn König von der AfD verliert Prozess
Nachrichten Hannover Jörn König von der AfD verliert Prozess
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00:16 26.10.2018
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jörn König – hier ein Foto aus Januar 2017 – ließ sich im Arbeitsgericht nicht blicken. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Bis zur Bundestagswahl 2017 machte Jörn König als Vorsitzender des Kreisverbands Hannover-Stadt der Alternative für Deutschland (AfD) häufig von sich reden. Doch seitdem er für die Rechtspopulisten zusätzlich auch noch im Bundestag sitzt, hört man im Hannöverschen nur noch wenig von ihm. Am Dienstag hätte sich der Politiker öffentlichkeitswirksam zu Wort melden können – als Beklagter in einem Arbeitsgerichtsprozess. Doch der 51-Jährige erschien nicht zu der Güteverhandlung, wurde auch nicht von einem Anwalt vertreten. So musste er denn ein Versäumnisurteil von Arbeitsrichter Axel von der Straten hinnehmen: Die von König ausgesprochene Kündigung eines Mitarbeiters, der die Öffentlichkeitsarbeit des Politikers befeuern sollte, ist unwirksam. Der 46-Jährige aus Barsinghausen ist zu 50 Grad schwerbehindert; König hätte vor der Kündigung das Integrationsamt einbeziehen müssen – was nicht geschah.

Kündigung nach neun Monaten

Richter und Kläger äußerten ein gewisses Unverständnis, dass es König versäumte, seine Sicht der Dinge darzustellen. Nun hat der gelernte Ingenieur eine Woche Zeit, Einspruch einzulegen; möglicherweise kommt es später doch noch zu einer Konfrontation im Fachgerichtszentrum.

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Der Mitarbeiter des AfD-Politikers hatte seinen Vollzeit-Job erst zum 1. Januar 2018 begonnen. Der gelernte Bürokaufmann und Webdesigner sollte, so berichtete dieser am Rande der Verhandlung, die hannoversche AfD-Website und die Homepage von König auf Vordermann bringen, den Politiker bei Twitter hörbar machen und eine Facebook-Präsenz erstellen. Das Ergebnis, so der 46-Jährige, könne jedermann einsehen, etwa auf Königs Facebook-Seite. Dort erfährt der geneigte Betrachter, dass Ester Vilars „Der dressierte Mann“ – erschienen 1971 – zu Königs Lieblingslektüre zählt und dass er im Fernsehen nur noch Sport guckt. Doch offenbar sei der AfD-Politiker mit seiner Arbeit unzufrieden gewesen, so der Webdesigner: Am 17. September bekam er nach eigenem Bekunden „völlig überraschend“ die Kündigung zum 30. November 2018 auf den Tisch, wurde sofort freigestellt.

Sehnsucht nach mehr Likes

Jörn König wollte mehr Likes bei Facebook. Da habe ich ihm gesagt: Wenn Du sie nicht kaufen willst, musst Du halt mehr Werbung machen“, sagte der Kläger, der auch schon als Anzeigen-Verkaufsleiter unterwegs war. Doch sei der Politiker häufig nicht erreichbar gewesen. Er selbst habe gelegentlich im AfD-Büro in der Herrenstraße gearbeitet, aber auch oft Home Office in Barsinghausen betrieben. „Ich habe gute Referenzen, auch schon ein Multimedia-Video für den AfD-Politiker Guido Reil gedreht“, erzählte der 46-Jährige. Er verhehle nicht, dass er persönlich gewisse Sympathien für die Rechtspopulisten hege, wolle der Partei mit seiner Klage auch keineswegs schaden und gerne mit König weiterarbeiten.

Doch ob dieser gestimmt ist, den gefeuerten Mitarbeiter wieder in seiner bisherigen Stellung zu beschäftigen oder ob er nun einen erneuten Anlauf nimmt, den Webdesigner rauszuschmeißen, ist offen. Gut zu sprechen sein dürfte König auf den Mann auch deshalb nicht, weil er laut dem 46-Jährigen gar nichts von der Schwerbehinderung seines Mitarbeiters wusste. Diesen Tatbestand offenbarte ihm der Geschasste erst am Tag der Kündigung – und da war es natürlich viel zu spät, das Integrationsamt zu informieren.

Von Michael Zgoll