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Hannover Arzt beleidigt JVA-Leiter als "Stück Scheiße"
Nachrichten Hannover Arzt beleidigt JVA-Leiter als "Stück Scheiße"
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17:29 23.10.2017
Von Michael Zgoll
Wurden massiv beleidigt: JVA-Leiter Matthias Bormann und JVA-Beamter Ahmet Bilmez. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Dass hinter Gefängnismauern ein rauer Ton herrscht, ist bekannt. Doch gelegentlich nehmen Beleidigungen ein Ausmaß an, die selbst ein gestandener Anstaltsleiter wie Matthias Bormann (53) nicht mehr hinnehmen mag. Ein Radiologe hatte den Chef der hannoverschen Justizvollzugsanstalt (JVA) in schriftlicher Form als „Stück Scheiße“ beschimpft und mit „Gruß Heil“ unterzeichnet. Dem JVA-Beamten Ahmet Bilmez (38) schrieb er: „Du Abschaum, schade, dass es keinen Führer mehr gibt, der solche Subjekte wie Dich in einer gut funktionierenden Gaskammer entsorgt.“

Arzt leidet unter Psychose

Der Mediziner war ins Gefängnis gekommen, weil er sich geweigert hatte, eine geringfügige Geldbuße für einen Verkehrsverstoß zu begleichen. Doch dauerte die Erzwingungshaft nur einen Tag.

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Vor dem Amtsgericht wurde am Montag schnell klar, dass der Doktor selbst ärztliche Hilfe benötigt. Er behauptete, im Klinikum der Region als Facharzt zu arbeiten - doch dort war er gar nicht bekannt. Offenbar leidet der 54-Jährige unter einer Psychose und war nach eigenem Eingeständnis schon mehrfach in der Psychiatrie.

Rassistische Beleidigungen

Diese Selbsterkenntnis hinderte den Angeklagten jedoch nicht dar, sich „hundertprozentig“ zum Inhalt der beleidigenden Schreiben zu bekennen. Seine E-Mail-Adresse lautet übrigens Obersalzberg@gmx.de, in Anlehnung an den früheren „Führersperrbezirk“ von Adolf Hitler. Im Gerichtssaal zog der Radiologe, der jetzt eine Erwerbsunfähigkeitsrente beziehen soll, aber auch über andere Zeitgenossen wie Angela Merkel her: Die Kanzlerin sei „psychisch nicht gesund“.

„Ich möchte, dass die Gefangenen mir und den Bediensteten respektvoll begegnen, so wie wir das mit ihnen tun“, sagte der Anstaltsleiter. Doch nicht ohne Grund müssen alle Beamten Deeskalationstrainings absolvieren. Natürlich liege die Toleranzschwelle im Gefängnis höher als außerhalb, so Bormann, und „wir haben auch ein dickes Fell“. Doch bei rassistischen Beleidigungen wie hier sei das Maß voll.

Ob der Angeklagte verurteilt wird, ist allerdings zweifelhaft. Das Gericht will zunächst ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag geben.

Andreas Schinkel 26.10.2017