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Hannover 400 Trauernde bei Ilja T.s Beerdigung
Nachrichten Hannover 400 Trauernde bei Ilja T.s Beerdigung
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18:22 22.10.2018
Ilja T. ist am Montag beerdigt worden. Im Anschluss kamen viele zu einer spontanen Mahnwache am Tatort an die Limmerstraße. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Rund 400 Menschen sind am Montag zum Stadtfriedhof Engesohde gekommen, um Ilja T. auf seiner letzten Reise zu begleiten. Viele von ihnen mussten der serbischsprachigen Andacht im Freien folgen, da in der kleinen Kapelle nicht ausreichend Platz war. Ein enger Freund nannte T. während des Trauergottesdienstes einen „wahren Freund, wie es ihn nur einmal auf der Welt gibt“. Der 40-Jährige war am 8. Oktober auf der Limmerstraße ins Koma geprügelt worden, vier Tage später erlag er im Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzungen.

Der 40-Jährige war stets hilfsbereit, ein Sportler und ein Mentor. Einen Tag vor der Beerdigung gab es bereits bei der Basketballpartie der MTB Baskets Hannover gegen die Neustadt Temps Shooters eine Schweigeminute für Ilja T. Dieser hatte sich gemeinsam mit seinem Bruder im Vorstand der Hannover Korbjäger engagiert. Der Verein hatte nach T.s Tod alle Mannschaften aus dem Spielbetrieb zurückgezogen. Privat war der 40-Jährige „still, leise und nachdenklich“, sagte der enge Vertraute bei der Andacht am Montag. „Wir bitten dich um Verzeihung, dass wir das eine Mal nicht da waren, als du uns brauchtest“.

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Ein 28-Jähriger soll Ilja T. brutal zusammengeschlagen haben, weil der 40-Jährige ihm vor das Fahrrad gelaufen sein soll. Offenbar stand der Verdächtige aus Linden-Nord unter Drogeneinfluss. Das Blutergebnis steht auch zwei Wochen nach der Tat noch aus. Die Polizei nahm den Mann noch am Tatort fest, gegen ihn wurde anfangs bloß wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Zwei Tage später stufte die Staatsanwaltschaft die Attacke als versuchtes Tötungsdelikt ein, seither sitzt der 28-Jährige in Untersuchungshaft. Inzwischen wird gegen ihn wegen Totschlags ermittelt.

Spontane Mahnwache

Sein Anwalt hatte vergangene Woche zwar einen Antrag auf Haftprüfung gestellt, um seinen Mandanten aus dem Gefängnis zu bekommen. „Dieser wurde jetzt aber wieder zurückgezogen“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Die Gründe sind unklar. „Möglicherweise wird seitens der Verteidigung nun ebenfalls die Einschätzung der Staatsanwaltschaft geteilt“, mutmaßt Harald Lemke-Küch, Anwalt von T.s Familie. Es gebe beispielsweise etliche Zeugen.

Nach dem Trauergottesdienst kamen rund 50 Menschen zu einer spontanen Mahnwache zum Tatort an der Limmerstraße. Der langjährige Weggefährte Sasa Djordjevic beschrieb Ilja T. als „unglaublich nett, immer höflich und sehr zuvorkommend“. Er habe sich niemals geprügelt, „nicht einmal in der Schulzeit“. Auch Haris Mataradzic bezeichnete T. als ruhigen und besonnenen Menschen. „Er war einmalig“, so der 42-Jährige. Er hofft auf eine gerechte Strafe für den Täter. „Aber egal, wie das Urteil ausfallen wird, unser Freund ist für immer weg.“

Von Peer Hellerling