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Hannover Hilfe ins Berufsleben – Pro Beruf startete vor 40 Jahren
Nachrichten Hannover Hilfe ins Berufsleben – Pro Beruf startete vor 40 Jahren
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18:08 09.05.2019
Carmen Tappe und Rodi Silo machen ihre Friseurausbildung bei Pro Beruf. Quelle: Villegas
Hannover

Eines haben viele junge Leute in den Jugendwerkstätten von Pro Beruf gemeinsam. Eine Ausbildung in einem normalen Betrieb haben sie im ersten Anlauf nicht geschafft. Carmen Tappe kämpfte immer wieder mit einer Krankheit, die sie hinderte durchzuhalten. Nun setzt die 26-Jährige ihre Friseurausbildung nach vielen Hemmnissen wider Erwarten doch fort. Bei Tappes Kollegen Rodi Silo reichten die Deutschkenntnisse zunächst noch nicht, um auf der Berufsschule mitzukommen. Doch einfach nur jobben, ohne Ausbildung, wie sein früherer Chef es ihm dann vorschlug, wollte der junge Syrer nicht. „Ich will lernen. Wenn ich nicht arbeite, ist mir langweilig.“

Hilfe beim zweiten Anlauf in die Ausbildung

Die Ausbilder, Lehrer und Sozialpädagogen bei Pro Beruf gehen auf die speziellen Probleme ein, stabilisieren junge Erwachsene, die psychische Belastungen aus der Bahn geworfen haben, oder geben auch schlicht Nachhilfe. „Hier wird jeder von uns umsorgt. Ich bin sehr glücklich darüber, ich hätte sonst komplett aufgegeben“, bekennt Carmen Tappe. Am Ende müssen die Auszubildenden trotzdem die üblichen Leistungen erbringen. „Wir versuchen, sie in einen passenden Betrieb zu vermitteln“, berichtet Mitarbeiterin Anja Holmer. Zumindest für die Gastronomie-Azubis gelinge das immer.

In der Region Hannover gehört die gemeinnützige Pro Beruf GmbH zu den wichtigen Anlaufstellen für Jugendliche, deren Ausbildungssuche nicht rund läuft. Jeden Monat arbeiten die knapp 100 Mitarbeiter mit rund 1500 jungen Menschen, in 16 Schulen leisten sie intensive Beratung in eigenen Büros. In den Werkstätten gibt es Programme für Jugendliche, die noch nicht fit für die Ausbildung sind, für einige Azubis und Schüler läuft sogar ein Wohnprojekt. Gesellschafter bei Pro Beruf sind Titus-Gemeinde, Stadtkirchenverband und der Verein Soziale Gruppeninitiative.

Projekt startete im Keller der Kirchengemeinde

Was Geschäftsführer Rudolf Schulz heute mit gewisser Untertreibung „einen ganz normalen Betrieb“ nennt, begann vor 40 Jahren im Keller der Titus-Gemeinde. Pastor Eckard Bretzke war kurz zuvor nach Vahrenheide gekommen und erlebte viele kaputte Familien, die sich abgehängt fühlten. Alkoholkranke Väter, manche arbeitslos oder auch im Gefängnis. „Die Jugendlichen hatten keine Perspektive, sind abgedriftet in Alkohol und Kleinkriminalität.“ Die müssen was zu tun bekommen, dachte der Pastor. Für die vielen Schulabbrecher, die damals in den offenen Jugendkeller der Gemeinde kamen, gründete Bretzke im April 1979 die Jugendwerkstatt Vahrenheide. Die Gemeinde bot vormittags mit jungen Honorarkräften aus der Volkshochschule Hauptschulabschlusskurse, nachmittags sollten die Jugendlichen im Keller Fahrräder reparieren und Holzarbeiten ausführen.

„Ohne die Jugendwerkstatt wäre ich wohl längst tot“

Die Titus-Gemeinde mietete noch im selben Jahr Räume am Kabelkamp für mehrere Werkstätten. Die Ausbilder und Lehrer waren zuerst selbst prekär über Einstiegshilfen für Arbeitslose befristet angestellt, erst später kam Geld von Land, Stadt, Landeskirche und Stiftungen. „Die Leute hatten dennoch innovative Ideen und viel Engagement. Es gab einfach eine Aufbruchstimmung für gesellschaftliche Veränderung“, berichtet Pastor Bodo Kahle. Manche Jugendliche hat die Initiative schlichtweg gerettet. „Ohne die Jugendwerkstatt wäre ich wohl längst tot oder säße im Gefängnis“, sagt Michael Burgmüller. Der 55-Jährige ist seit 20 Jahre bei einem kommunalen Betrieb beschäftigt, ist Vater und Großvater geworden. Viele seiner Jugendfreunde aus Vahrenheide sind an Drogen und Alkohol zugrunde gegangen. Burgmüller dagegen arbeitete sich langsam aus dem Milieu heraus, weil die Leute in der Jugendwerkstatt ihm über Jahre vertrauten und Chancen eröffneten.

Von Bärbel Hilbig

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