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Hannover Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte in der Auferstehungskirche in Döhren
Nachrichten Hannover Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte in der Auferstehungskirche in Döhren
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16:54 27.09.2019
Bewegende Schicksale: Pastor Michael Wohlers und Anna-Katharina Diehl in der Ausstellung „Fluchtgeschichten“. Quelle: Katrin Kutter
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Döhren

Diesen einen Satz hat sie nicht vergessen. Es war das Jahr 1993, Jugoslawien zerfiel in blutigen Bürgerkriegen. In ihrer bosnischen Heimat wurde geschossen, durch die Straßen rollten Panzer, und in den leeren Läden bekam Amira Muratovic keine Milch mehr für ihr Kind. Verängstigt floh die junge Mutter aus ihrem Land, in Richtung einer unbekannten Stadt namens Hannover. Und irgendwann im Zug sprach dann ein Schaffner, ganz leise, um ihr Kind nicht zu wecken, den Satz „Herzlich willkommen in Deutschland“.

Amira Muratovic’ Geschichte ist Teil einer Ausstellung, die jetzt in der Döhrener Auferstehungskirche zu sehen ist. Acht Vertreter aus acht verschiedenen Religionen und aus acht höchst unterschiedlichen Ländern erzählen an acht Videostationen von ihren Flüchtlingsschicksalen. Die Integrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf hat die Schirmherrschaft für die Ausstellung „Fluchtgeschichten“ übernommen, die das Haus der Religionen mit dem Evangelischen Flüchtlingsnetzwerk und dem Haus kirchlicher Dienste konzipiert hat.

Neue Heimat in Deutschland

„Das kann sich keiner vorstellen, der das nicht mitgemacht hat“, sagt die aus Ostpreußen stammende Gerda Denda an einer Videostation, „Sterben ist nicht so schlimm wie Flucht.“ An einer anderen Station schildert Yuriy Tkachov, der als Jude im ukrainischen Tschernowitz drangsaliert wurde, wie er 2001 nach Deutschland kam. Buddhisten, Eziden, Aleviten: „Sie alle haben in Deutschland einen Platz gefunden“, sagt die Theologin Anna-Katharina Diehl, die Gemeindegruppen und Schulklassen durch die Ausstellung führt. „Ihre Geschichten enden oft positiv. Deutschland ist vielen von ihnen sehr wichtig geworden.“

Heimat – dieser Begriff erlebt gerade eine Renaissance. Die Flüchtlinge erzählen mit teils sehr berührenden Worten, was sie damit verbinden: „Deutschland ist meine erste Heimat“, sagt die in Teheran geborene Nahid Salimi, die als Angehörige der Bahai 1980 aus dem Iran floh – schließlich könne sie hier ihren Glauben frei leben.

„Seit Jahrzehnten wird unser Land von Migration geprägt, diese ist kein neues Phänomen“, sagt Pastor Michael Wohlers. Nahe Stadtteile wie Seelhorst und Mittelfeld wären ohne den Zustrom von Vertriebenen nach dem Krieg so nicht entstanden. Seine Auferstehungskirche bietet heute einer westafrikanischen Gemeinde ebenso ein Domizil wie christlichen Gruppen aus Eritrea und China. Viele der Neubürger werden in Hannover auf Dauer Heimat finden – wie die aus Bosnien geflohene Amira Muratovic. Im Film findet sie dafür überschwängliche Worte: „Ich habe mich verliebt in die Stadt.“

Erzählcafé, Vortrag, Gottesdienst

Die „Fluchtgeschichten“ sind in der geöffneten Auferstehungskirche, Helmstedter Straße 59, bis zum 30. Oktober jeweils von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Infos zu Führungen für Schulklassen und Gruppen gibt es unter Telefon (0511) 124 14 52.

Am Dienstag, 1. Oktober, berichten Flüchtlinge aus Schlesien, der Ukraine und Afghanistan bei einem Erzählcafé ab 19 Uhr über ihr Schicksal.

Am Dienstag, 22. Oktober, spricht dort ab 10 Uhr Professor Jan Plamper von der University of London zum Thema „Das neue Wir – warum Migration dazu gehört“. Und am Mittwoch, 30. Oktober, spielen die Musiker Fritz Baltruweit und Valentin Brand um 18 Uhr in einem interreligiösen Gottesdienst zum Reformationstag.

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Von Simon Benne

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